Familie

Die Woche rächt sich…

Am Anfang liegt diese Woche wie ein weisses Blatt vor mir:
Unschuldig und einladend für all meine Belange und Erledigungen. Doch sie füllt sich immer sehr schnell. Ich erfülle Erwartungen, mache Erledigungen. Packe nochmal ne Schippe mehr drauf – manchmal mehr als mir gut tut. Doch das merke ich in dem Moment nicht. Ich schreibe alles auf, vervollständige To-Do Listen, mache Verabredungen. Denke, dass hier und da noch was reinpasst. Wenn ich es diese Woche nicht schaffe, dann habe ich den Termin ja immer noch im Kopf, dann muss ich es nächste Woche erledigen. Aber die nächste Woche hat ja irgendwie auch nicht so viele Stunden, wie ich bräuchte…

Ergebnis davon ist, dass ich das Wochenende herbeisehne und mich freue, dass dann einfach nichts ist. Lange im Bett liegen und spät frühstücken.
Und doch geht diese überfüllte Woche nie spurlos an mir vorüber – und genau dann, wenn ich denke, alles geschafft zu haben … geht der Wahnsinn erst richtig los:

Ich wache also an diesem freien Samstag mit beissenden Kopfschmerzen auf, gepaart mit einer dezenten Übelkeit und Lichtempfindlichkeit: Den weiteren Verlauf des Tages male ich mir dann schon mal aus. Am besten tue ich nichts und verkrieche mich in die Dunkelheit.
Aber anstatt mich zu verkriechen, komme ich raus aus dem Schlafzimmer und versuche am Leben teilzuhaben. Angriff als Versuch dieses Wrack zu umschiffen.
Am Frühstückstisch macht sich der Kopfschmerz bemerkbar und kriecht mit mir gemeinsam über den Küchentisch. Ich greife nach Butter und Nutella, sorge dafür, dass die Kinder auch was Obst auf dem Teller haben. Gott sei Dank habe ich die überteuerten Himbeeren gekauft: Das einzige Obst, was unsere dreijährige Tochter anrührt und fleissig in sich hineinschaufelt. Ich versuche mit meinem Mann ein anständiges Gespräch zu führen.
Nein, Stop: Ich versuche einen Satz zu Ende zu bringen. Nur einen Satz! Und werde dabei immer wieder von unserem quirrligen, fünfjährigen unterbrochen, der jede Menge Spass daran findet mit meinem Mann herum zu albern….
Irgendwann reicht es mir. Kopfschmerz und ich setzen zum Angriff über.
„Es wäre total toll,“ motzt meine Mutterschnutte, „wenn ich hier mal einen Satz beenden könnte. “
Mein Mann pflichtet mir bei. Doch mein Sohn geht auf mein banales Bedürfnis nach Mitteilung nicht ein. Er lacht und unterbricht mich  – wieder.
Jetzt reicht es. Das kann ich auch!!! (Wieso kann man hier eigentlich nicht den wutschnaubenden Smiley einsetzen?!)
Ich explodiere, reisse die erstbesten halbleeren Teller an mich, springe auf und schimpfe, während ich wutschnaubend in die Küche renne und das Geschirr auf die Anrichte schmettere. „Es kann doch nicht sein, dass ich hier nicht zu Ende reden kann. Ich will nur diesen einen Satz beenden.“ Während ich hysterisch werde, merke ich schon, wie albern das jetzt ist, wie wenig erwachsen und reflektiert. Aber ich will auch einfach mal mit dem Fuß aufstampfen und schnauben und heulen und die ganze Welt an meinem Drama teilhaben lassen. Bei meiner Tochter klappen Wutausbrüche doch schliesslich auch.
Resultat ist, dass ich tatsächlich diesen einen Satz zu Ende bringen darf. Aber ich habe schon gar keine Lust mehr darauf und habe den Satz auch irgendwie schon vergessen.
Das Frühstück ist beendet und die Harmonie hat fluchtartig den Raum verlassen.

Wir haben seit kurzem einen Staubsaugerroboter, der sehr brav all unsere Böden reinigt ohne dass er viel Dank erwartet. Wir müssen nur auf START drücken. Das tut mein Mann dann auch kurz bevor er den Raum nach dem Frühstück verlässt.
Der Staubsauger macht sich auf den Weg und bewegt sich Richtung Küchentisch. Der ist aber noch keinen Deut abgeräumt und meine Tochter entscheidet sich noch kurz für eine Scheibe Stuten, mit der sie munter durchs Wohnzimmer tanzt. Meine Nerven sind dünn und wer jetzt darauf rumtanzt wird definitiv abstürzen. Ich springe auf und schimpfe: „Wie kann der Staubsauger saugen, wenn der Tisch noch nicht abgeräumt ist!“
Wenn ich vorher noch nicht gestresst bin: Jetzt bin ich es auf jeden Fall.
Mein nächster Gedanke: Der Stuten. Hat der Staubsauger erkannt, dass er jetzt eigentlich erstmal hinter dem kleinen Mädchen herfahren muss um all das aufzufangen, dass sie in ihrem kindlichen Leichtsinn fallen lässt? Probleme, die die Welt nicht braucht – und ich in diesem Moment auch nicht.
Mein Mann kommt zurück, klärt mich kurz über die intelligente Route des Staubsaugers auf, dann pfeift er die Tochter zurück. Alles kommt kurz wieder in Ordnung und wir räumen ab.

Kurz danach verkrieche ich mich auf Sofa, schmeiss mir ne Schmerztablette ein und warte verzweifelt auf die Wirkung. Ich schliesse die Augen und lade die Dunkelheit ein. Liegen tut gut, Nichtstun tut gut. Ich döse langsam ein. Es ist still im Haus und irgendetwas läuft auf YouTube. Aber ich nehme es kaum war. Irgendwann frage ich: „Wo sind eigentlich unsere Kinder?“
„Na, die spielen im Kinderzimmer,“ antwortet mein Mann.
Krass, das ist nicht immer so. Ich geniesse es jetzt in diesem Moment, wo anscheinend diese ganze wirre Woche zur Ruhe kommt. Wo ich daliege und nichts leisten muss, nichts organisieren, nichts planen, nichts aushalten oder regeln. Ich kann einfach da sein. Und ich bin umgeben von Menschen, die mich trotz meines Dramas und meinen Ausbrüchen – lieben! Die nicht einfach gehen, weil ich zu anstrengend bin; die kuscheln kommen, auch wenn ich mal gehörig laut geworden bin, laut, unfair und kindisch. An solchen Tagen, die ziemlich chaotisch sind, freue ich mich dann mehr denn je Teil dieser Familie zu sein. Und ich würde es gegen nichts eintauschen.
Und trotzdem will ich diese selbstverständliche Liebe nicht einfach so hinnehmen. Ich möchte lernen, entspannter zu werden, mehr liebende Worte, auch mal mehr Klappe halten, sachlich werden und der Harmonie mehr Raum bei uns zu geben.

Ich habe diesen Tag überstanden. Fühle mich noch immer wie auf Drogen oder wie im Trance. Ich habe nicht den ganzen Nachmittag auf der Couch gelegen. Ich bin irgendwann aufgestanden und wir waren Eisessen und am Ende noch spazieren und auf dem Spielplatz. Ich hebe meinen Blick und übe mich in Dankbarkeit, erkenne kleine Dinge, die kostbar sind. Dinge, die schnell so selbstverständlich scheinen: Die Sonne, die freie Zeit mit der Familie, Eisessen und sich dies ohne weiteres leisten zu können, gesunde Kinder, schöne Zeit mit meinem Mann, unser toller Wald, der Spielplatz ganz in der Nähe, kreative Ideen der Kinder beim Spiel, Frieden…
Und ich lasse mich in diese Dankbarkeit fallen und wehre mich gegen den Wunsch, dass der Abend kommt und die Krankheit verschwindet. Ich schalte zurück, zehn Gänge mehr als ich eigentlich habe. Und ich treffe für mich persönlich die Entscheidung, dass ich es in der Hand habe, wie dieser Tag weitergeht. Und am Ende kann ich sagen: Es war was chaotisch! Aber es war auch gut! Ich habe viel falsch gemacht, aber auch einiges richtig.

Es ist mittlerweile acht Uhr abends und ich liege im Bett neben meinem Sohn. Das ist unsere Zeit, in der wir uns vom Tag erzählen oder ich mir die neusten Geschichten von LEGO Ninjago anhöre. So bleibt man auf jeden Fall auf dem neusten Stand.
Er entschuldigt sich dafür, dass er heute nicht so gut gehört hat. Macht er irgendwie immer – passt aber auch immer 🙂
Ich erzähle ihm, dass ich heute sehr schnell gereizt war, weil ich so Kopfschmerzen hatte. Ich erkläre ihm, was „gereizt“ heisst und er sagt: „Du hattest Kopfschmerzen, weil du so wütend warst, weil wir nicht gehört haben.“
Ich halte kurz inne. Bamms!!
„Nein, “ meine ich, „ich hatte Kopfschmerzen, weil ich einfach heute krank war. Da könnt ihr nichts für!“
Ich nutze den Moment trotzdem (schändlicherweise) für eine kleine pädagogische Unterweisung. „Aber es wäre natürlich trotzdem schön, wenn ihr auf mich hört, und mich mal meinen Satz zu Ende bringen lassen würdet!“

Wenn ich selber krank und schwach bin, wenn ich mich überfordere und zu viel auflade, dann bekommen das am Ende die Menschen ab in meiner Umgebung. Dann bin ich launisch und gemein…
Und meist trifft es die Menschen, die ich am meisten liebe, weil ich denen irgendwie am meisten zumute mit mir klarzukommen….

Natürlich sind an so einem chaotischen Tag viele Menschen „Schuld“. Ich versinke auch eigentlich nicht in Selbstverdammnis, weil ich ja so schlecht bin und alle um mich herum keine Fehler machen. Ich könnte sie alle aufzählen, die Versäumnisse, die neben mir passieren. Dinge, die es wert sind, dass man sich über sie aufregt und die einen wütend und traurig machen.
Doch ich habe mich entschieden, dass mein Fokus nicht darauf liegen soll – weil das einzige, was ich wirklich verändern kann, ich selber bin. Ich kann zwar meine Kinder erziehen und Konsequenzen verabreichen, ich kann Strukturen verändern und Situationen entschärfen. Ich kann meinen Mann (natürlich total liebevoll 😉 ) mit meinen Bedürfnissen und seinen Versäumnissen konfrontieren. Und glaub‘ mir: Das tue ich!
Aber ich wünsche mir, dass ich nicht mehr so sehr davon abhängig bin, was um mich herum passiert. Dass meine Laune und meine Selbstannahme nicht steht und fällt mit den Fehlern der Menschen um mich herum. Das halte ich für Weisheit! Denn dann bin ich diejenige, die entscheidet und die aktiv ihr Leben in der Hand hält und nicht mehr Opfer ihrer Gefühle und Umstände ist.

… Wenn sich am Abend der Tag verabschiedet, dann spreche ich oft einen einzigen Satz als Gebet, als Bitte an den, der mich geschaffen hat und der mich liebt!

Herr, lass meine Seele zur Ruhe kommen!

Und dann denke ich an einen Bibelvers, der am Spiegel in unserem Badezimmer hängt

Ihr findet Ruhe für eure Seelen. (Mt. 11,29)

Das wünsche ich dir und mir in dem Chaos des Alltags.
Verlier nicht den Mut!

Mein Name ist Angelique Frowein, ich bin 38 Jahre alt und ich liebe es zu leben. Zu meinen Lieblingsmenschen gehören mein Mann Andre und meine beiden Kids Jim und Tara. Leben ist spannend und verändert mich Tag für Tag. Ich liebe es zu lernen und zu beobachten. Ich lache gerne über mich selber und nehme viel mit Humor und (wenns gut läuft) auch mit Leichtigkeit! Viele Menschen und Begebenheiten prägen mich, mein Glaube an Gott trägt mich und meine Welt. Ich glaube, dass die Entscheidung, die ich heute treffe, meine Welt von heute und morgen verändert. Ich liebe das Schreiben, die Musik, Menschen und die Natur. Ich staune gerne, ärgere mich auch oft mal über die Missstände dieser Welt, die das Ego des Einzelnen und einer ganzen Gesellschaft aufzeigt. Ich liebe es, Dinge positiv zu verändern. Ich möchte einen Beitrag leisten für die Welt, in der ich jetzt leben darf und die ich meinen Kindern übergebe. In meinem Blog schreibe ich über meinen Alltag als Mama, Freundin, Ehefrau und Person unserer Gesellschaft. Ich will nie gleichgültig werden, nie hinnehmen, wenn Dinge scheinbar aussichtslos erscheinen. Mein Gebet ist, dass diese Welt nicht bleibt wie sie ist sondern ein barmherzigerer, Gott-zugewandter und achtsamer Ort wird. Ich freue mich, wenn du durch diesen Blog ermutigt wirst, das Leben anzunehmen und mit zu gestalten. Passivität passt nicht zum Menschsein!

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