Familie,  Glaube,  Mutter

Und plötzlich bist du Schulkind …

Ich bin kein Freund von Abschieden.
Wer ist das schon. Ich hasse es grundsätzlich, Dinge los zu lassen. Altem und Bewährtem „Lebe wohl“ zu sagen und den nächsten Schritt nach vorne zu tun. Aber manchmal kann man Abschiede nicht aufschieben oder ignorieren. Sie finden einfach statt diese blöden Abschiede, ob man sich nun vorbereitet hat oder nicht, ob man daran teilhaben will oder nicht. Sie geschehen und man selber muss damit klar kommen.

So auch bei uns in diesem Sommer: Unser Sohn kommt in die Schule und das heisst: Kindergarten adé!
Vier Jahre gehen so schnell vorbei und ich kann sagen, dass ich jedes einzelne davon genossen habe. Und, dass wir ziemlich viel Glück (wenn man es denn so nennen will) mit der Wahl des Kindergartens hatten.
Es war noch DAS Jahr (und es war tatsächlich das letzte Jahr) in dem wir die Kita noch auswählen durften. Wir durften uns verschiedene Konzepte anschauen und prüfen und überlegen und am Ende etwas aussuchen, was zu uns passte. Und das schönste daran:
In 90 % aller Fälle bekamen wir dann diesen Wunschplatz. Es gab noch nicht den erschreckten Ausruf: „Oh nein, ich bekomme gar keinen Platz!“ oder: „Naja, der Kleine geht jetzt in den Kindergarten XXX. Ist war nicht unser Wunschkindergarten, aber besser als gar nichts.“
Wenn ich andere Mütter in den Jahren danach gesprochen habe, tat es mir in der Seele weh, dass man kaum mehr mit entscheiden durfte, von wem das Kind in diesen Jahren mitgeprägt werden durfte. Man war einfach froh, wenn man irgendwo „unter kam“

Mir persönlich war es wichtig, dass unser Sohn christliche Werte vermittelt bekommt. Nicht nur Zuhause sondern auch im Kindergarten. Wir wollten, dass er mit Leichtigkeit und Freude Geschichten aus der Bibel hört, Lieder singt, Wertschätzung erlebt und dass er Spass an der Zeit im Kindergarten hat.
Unser Sohn ist so ein Kandidat, der grundsätzlich immer lieber Zuhause geblieben wäre, als in den Kindergarten zu gehen, aber trotzdem war es eine gute Zeit für ihn und ich blicke dankbar zurück. Viel von dem, was er jetzt von Jesus weiss, hat er da von tollen Pädagogen gelernt. Die Selbstverständlichkeit, dass Gott ihn liebt und bei ihm ist, Wertschätzung und Annahme. Alles so kindgerecht und ohne Druck.
Für uns Eltern hatten die Erzieherinnen und die Leitung immer ein offenes Ohr und wir haben bei Problemen immer wieder besprochen und überlegt, wie man am besten vorgeht. Das Kind war wichtig – aber nicht der Mittelpunkt der Welt. Es gab Konsequenzen für schlechtes Verhalten und viel Aufmerksamkeit für das was er konnte und woran er Spass hatte – auch wenn es noch so banal und manchmal ziemlich absurd war. Das war besonders und für uns ein totales Geschenk. Als das will ich es nehmen, wenn wir dieser Zeit „Lebewohl“ sagen.

Nach dem „Lebewohl“ im Kindergarten hiess es dann: Hallo Schule!
Und so saßen wir dann am ersten Elternabend kurz vor den Sommerferien zusammen mit vielen anderen Eltern in der Turnhalle und die Rektorin machte uns in ihrem doch etwas empathielosen Endlosmonolog klar, dass jetzt eine neue Zeit anbrechen würde. Und wir unsere Kinder jetzt mal los lassen sollten.
„Ja, total easy,“ dachte ich.
Gestern haben noch alle erwartet, dass ich mein Kind zur Kita bringe und da auch wieder in Empfang nehme. Und jetzt wurde ich für die Frage getadelt, ob man sein Kind denn noch an der Schule abholen müsste oder ob sie es einfach alleine nach Hause schicken würden.
„Frau Frowein, ihr Kind geht jetzt in die Schule – da ist das normal, dass es das alles alleine macht. Das kriegt der schon hin. Da müssen sie jetzt mal loslassen!“
Ok, ja danke für dieses Gespräch! Ich wusste gar nicht, dass das so automatisch nach sechs Wochen Sommerferien funktioniert. Aber ich lerne ja gerne dazu.

Also lasse ich brav los, mehr weil ich muss, nicht weil ich mich irgendwie dazu bereit fühle. Nicke brav bei all den Anweisungen zum Thema „Schule“. Höre Pädagogen zu, die ich nicht kenne und hoffe weniger, dass mein Sohn das schafft – sondern eher, dass ich es schaffe.
Und dann, wenn kein anderer meine Gedanken kommentieren und bewerten kann, schlucke ich kurz und denke all die Gedanken, die man sich vielleicht als Mutter trotzdem macht – auch wenn sie nicht rein zu passen scheine in eine Welt voll von emanzipierten Supermamas, dir ihre Kinder losrennen lassen und nur winkend dahinter stehen und froh sind, dass sich jetzt irgendwer anders kümmert.

Denn ich mache mir Sorgen, ein wenig darum, wer das denn sein wird, der sich jetzt um mein Kind kümmert. Denn es wird geprägt von denen, die ihn nun lehren. Es wird einen Einfluss geben, der ihn bestärkt oder entmutigt.

Nicht jedes Kind kann alles gleich gut. Er wird seine Schwierigkeiten haben und Dinge nicht gut können. Anderes vielleicht schon. Wie wird das sein in der Schule? Was wird das für eine Botschaft für ihn sein? Wird er seine Liebe zum Lernen behalten? Wie werden Konflikte gelöst, wie Probleme besprochen? Werden Menschen da sein, die das in ihm und in jedem anderen Schüler sehen, was es wert ist, dass man sich darum kümmert? Etwas, was er überragend gut kann oder etwas, was er einfach nicht hinbekommt. Wie kann so was gehen bei diesen Klassengrößen….
Ein wenig hilflos schaue ich mir diese Gedanken an, die ich mir nicht machen sollte, weil „er das schon hinbekommt“… und erschrecke, dass ich mir diese Gedanken trotzdem mache.

Ich merke, dass ich wieder Abschied nehmen muss. Abschied davon, es im Griff zu haben. Dass ich ihn bewahren kann. Dass er noch so klein ist, dass erwartet wird, dass ich mich kümmere. Ich nehme Abschied von einem Stück Kindheit.
Wenn ich zur Ruhe komme und es schaffe, meine Sorge bei Gott zu lasse, kommt mir der Gedanke, dass ich mein Kind von Gott nur geliehen bekommen habe, aber das es SEIN Kind ist. Dass Gott seine Hand über ihn hält. Dass er ihn bewahren will und andere vor ihm. Dass ich zwar im Plan mit drin stecke und immer noch präge und immer noch helfe und unterstütze. Aber dass da, wo mein Kind dann morgens das Haus verlässt – ich loslassen muss. Nicht in eine Schule und auch nicht zu Lehrern und Mitschülern. Sondern, dass ich ihn ganz bewusst in Gottes Hand gebe und IHN machen lasse. Dass ich ihn segne und dann losschicke. In dem Bewusstsein, dass der Gott, der ihn geschaffen hat, seinen unverwechselbaren Plan für sein Leben hat. Er wird ihn durch Gutes führen und in Schlechtem bewahren und ihn lehren.

Ich sehe mich nicht als Helikoptermutter (auch wenn das jetzt wohl JEDER Leser schon in mich hinein analysiert hat 😉 Ich weiss, dass unser Sohn seine Erfahrungen machen muss und dass es ihn stark macht, wenn nicht immer alles nach seiner Nase läuft. Man muss nicht Klassenarbeiten verschieben, weil mein Sohn Geburtstag hat oder in ihm all das sehen, was ich in ihm sehe. Ich wünsche mir nur ein wenig Empathie, ein wenig Mitfühlen, ein wenig gute Pädagogik in seinem Leben. Weil manche Verletzungen im Leben nicht sein müssen.

Wenn ich so über diesen neuen Lebensabschnitt nachdenke, verordne ich mir ein wenig mehr Gnade für mich selber. Ich muss es nicht toll finden, los zu lassen, ich muss noch nicht mal stark sein. Ich darf heulen und zweifeln und trauern und klagen. Und ich weiss, dass Gott mir zuhört und mich versteht. Denn Gott ist Vater und Mutter, der weiss wie es ist seine Kinder loszulassen und ihren Weg gehen zu lassen, weil Liebe so etwas tut.

Ich bin gut aufgehoben bei ihm mit all meinen Fragen und dem trotzigem „Nicht akzeptieren wollen“. Weil er mich ja eh kennt und sowieso liebt – warum sollte ich ihm was vormachen. Hat noch nie funktioniert 😉

Und so mischt sich in die blöden Gefühle des Abschieds auch ein Stück Vorfreude, auf das was kommt.
Wie wertvoll ist die Gewissheit, einen Vater im Himmel zu haben, der sich nicht zu schade ist, mit einem kleinen Jungen in die Schule zu gehen und bei ihm zu sein – da wo ich nicht bin.


Mein Name ist Angelique Frowein, ich bin 38 Jahre alt und ich liebe es zu leben. Zu meinen Lieblingsmenschen gehören mein Mann Andre und meine beiden Kids Jim und Tara. Leben ist spannend und verändert mich Tag für Tag. Ich liebe es zu lernen und zu beobachten. Ich lache gerne über mich selber und nehme viel mit Humor und (wenns gut läuft) auch mit Leichtigkeit! Viele Menschen und Begebenheiten prägen mich, mein Glaube an Gott trägt mich und meine Welt. Ich glaube, dass die Entscheidung, die ich heute treffe, meine Welt von heute und morgen verändert. Ich liebe das Schreiben, die Musik, Menschen und die Natur. Ich staune gerne, ärgere mich auch oft mal über die Missstände dieser Welt, die das Ego des Einzelnen und einer ganzen Gesellschaft aufzeigt. Ich liebe es, Dinge positiv zu verändern. Ich möchte einen Beitrag leisten für die Welt, in der ich jetzt leben darf und die ich meinen Kindern übergebe. In meinem Blog schreibe ich über meinen Alltag als Mama, Freundin, Ehefrau und Person unserer Gesellschaft. Ich will nie gleichgültig werden, nie hinnehmen, wenn Dinge scheinbar aussichtslos erscheinen. Mein Gebet ist, dass diese Welt nicht bleibt wie sie ist sondern ein barmherzigerer, Gott-zugewandter und achtsamer Ort wird. Ich freue mich, wenn du durch diesen Blog ermutigt wirst, das Leben anzunehmen und mit zu gestalten. Passivität passt nicht zum Menschsein!

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