Die Welt kann …

1. April 2020 Von Angelique Frowein

Was eine unwirkliche Zeit

So etwas habe ich noch nicht erlebt: Ein Shutdown in nahezu allen Bereichen, Bilder aus Italien, Frankreich den USA und Spanien, die mein Herz zum Aufschreien bringen, eigene Furcht vor dem Ungewissen, vor Krankheit, vor Verlust vor dem Kollaps….
Vorsicht, Vorsicht überall!!

Facebook überschüttet mich mit Fakten, Fakenews, Bildern, lustigen Challenges und Hilfsangeboten.

Und über allem herrscht eine unangenehme Ruhe. Ist es eine Ruhe vor dem Sturm oder ist alles was wir tun doch etwas „over the Edge“. Wem kann ich glauben? Was für Infos sind wirklich wissenswert?

Ich gehe noch arbeiten, denn der Bereich in dem ich arbeite, ist systemrelevant.Juhu! 🙃Wir produzieren für den Medizinbereich.
Ich bin gerne da vor Ort und dankbar, dass ich nicht im Homeoffice sitze. Dankbar, dass das, was ich tue, meine Präsenz vor Ort noch irgendwie braucht.
Und doch ist alles anders. Wir arbeiten in Schichten, haben strikte Vorgaben zum Umgang miteinander. Hinweisschilder überall: Sicherheitsabstand einhalten. Eher telefonieren als das Gespräch mit den noch verbliebenen Kollegen im Büro suchen. Macht alles Sinn, denke ich. Muss sein, denn wenn nicht alle mitspielen, spielt vielleicht bald keiner mehr.

Mein Kopf nickt und ich tue oder unterlasse, was gerade nötig zu sein scheint.

Mein Herz schreit immer noch auf bei soviel Distanz, bei Argwohn der Menschen im Supermarkt, bei Panikmache, Verschwörungstheorien, blöden und egoistischen Menschen, die sturr keinen Abstand einhalten wollen.

Ach ja apropros Verschwörungstheorien! Ich bekenne: Wie sehr wünschte ich doch manchmal, sie wären wahr.🙈
Käme gerade sehr gut mit dem Wissen klar, dass wir alle nur getäuscht werden mit dem, was die Politik von uns fordert. Wünschte mir manchmal, alles wäre nicht so schlimm wie alle sagen, alle Bilder im Fernsehen gefakt und alle Virologen gekauft.
Und dann plötzlich würde jemand rufen: „Hey! Wir wollten nur mal testen, wie viel ihr bereit seid für das Allgemeinwohl zu geben.“
Und wir würden aufhören, die Luft anzuhalten und würden uns an die Hand nehmen – also alle die den Wahnsinn überlebt hätten- und uns beglückwünschen für unseren grandiosen Einsatz.
Aber der erste April ist vorbei und der Wahnsinn noch da. Und wir rennen weiter oder bleiben weiter #fuckingathome und hoffen, dass dieser Kelch vielleicht an uns vorüber geht…. auch wenn ich es verweigern möchte: es ist gerade so wie es ist!


Und nur weil Verschwörungstheorien verlockend erscheinen, will ich mich nicht darauf stellen, denn vielleicht rettet meine Vernunft ja am Ende doch Menschenleben.
Ich hoffe, dass alles was gerade passiert, Sinn macht und dafür sorgt, dass unsere Gemeinschaft nicht zusammen bricht. Und ich hoffe, dass nicht ein anderes Virus am Ende noch mehr Leben nimmt als Corona. Ein Virus namens Isolation! Wieviel passiert vielleicht gerade hinter verschlossener Tür, was wir nicht mehr mitbekommen. Corona ist in der Welt und versperrt den Sozialarbeitern die Tür zu den Menschen, die psychisch nicht klar kommen, zu den Kindern, die keine Hilfe mehr bekommen, zu Eltern, die schon im normalen Alltag mit ihrer Rolle überfordert sind, zu den Menschen, die schon vorher einsam waren und die nie anrufen würden oder eine ZOOM Konferenz installieren.

Versteht mich nicht falsch, ich halte mich an alles was gefordert wird – einfach weil ich manchmal nicht alles verstehen muss um loyal zu sein. Ich muss nicht alles erklärt bekommen und nicht alles verstehen. Ich halte mich an das was unsere Gesellschaft zusammen hält. Mal gelingt es besser mal nicht so.
„Selbst im Krieg war es uns gestattet, Gottesdienste zu besuchen,“ meinte eine ältere Person als Zusammenkünfte jeglicher Art verboten wurden. Was doch ein kleines unsichtbares Virus in unserer Welt anstellen kann. Wie sehr es nimmt, wie sehr es fordert.
Ich halte inne jeden Abend, wenn ich die neuen Todeszahlen im Fernsehen sehe. Es sind oft Alte und Kranke, die sterben. Oft sind es Altenheime, die heimgesucht werden von dem fiesen, kleinen „kann man nicht sehen – Virus“, dass sich gerade durch die Gesellschaft frisst.
Ich bin überrascht, dass diese Welt, die sich doch so oft Grenzen setzt bei humanitärer Hilfe an Flüchtlingen und den Armen dieser Welt. Die so oft schreit: Das schaffen wir nicht! Plötzlich anhält und sagt: Jetzt legen wir uns ins Zeug. Wir halten den Zug an, wir geben unser schnelles Leben auf, damit nicht die sterben, auf die es in der Wirtschaft doch oft nicht anzukommen scheint. 

Die Welt kann! Sie kann soviel mehr!
Wenn sie jetzt das tut, was sie sonst nicht tun kann, dann wünsche ich ihr Erfolg bei alle dem. Und auch, dass sie dann, wenn Corona vielleicht in die Knie gezwungen wird, nicht aufhört zu „können“.