Der Tag der Papas

21. Mai 2020 Von Angelique Frowein

„Wenn die Mama einen Tag der Mamas hat, dann braucht der Papa auch einen“, so war sich unsere vierjährige Tochter sicher. 

Und so sassen wir heute morgen mit Rührei und Speck am Frühstückstisch und der Papa bekam den Kaffee in einer besonderen Tasse serviert. Unser Geschenk an ihn – nichts großes, nur eine kleine Aufmerksamkeit. Weil wir den Papa dann heute auch mal feiern wollte. 
Als wir so schön am Küchentisch saßen meinte Tochter Tara, „warum gibt es eigentlich den Papatag?“

„Naja, weil wir feiern wollen, dass wir so einen tollen Papa haben.“
Sie nickte und biss in ihr Brot.

„Heute ist eigentlich auch ein anderer Feiertag“, warf ich ein. „Christi Himmelfahrt.“

„Und was war da?“ Wollte unser Sohn Jim wissen.

„Na,“ antwortete ich. „Das war damals der Tag, als Jesus wieder zu seinem Papa in den Himmel zurückkam. So nach getanem Werk auf der Erde.

„Dann ist also heute auf jeden Fall ein Papatag“, waren sich die Kinder einig.

Ja irgendwie schon. Jesus ging zurück zu seinem Papa im Himmel. Ich kann mir vorstellen, dass er nach Leben und Sterben auf Erden zurückkam, sich an die Schulter seines Vaters anlehnte und noch einmal und aus vollem Herzen flüsterte: „Papa, es ist wirklich vollbracht.“

Und der Papa hat Jesus dann in die Arme genommen und gesagt: Danke, dass du das alles getan hast. Danke für deinen Mut und deinen Gehorsam.“

So stell ich es mir vor. Ich glaube, dass diese Beziehung zwischen Jesus und seinem Papa besonders war und ist. 

Also war dieser Gedanke um Papatag und Christi Himmelfahrt das, was mich durch den Tag begleitet hat. 
Einen Papa zu haben ist besonders und wertvoll. Ein Papa zu sein eine große Aufgabe und auch nicht immer so einfach. Bei all den Herausforderungen, die es in Beruf und Familie gibt.

Ich bin froh, dass da wo die Welt in den letzten Monaten 10 Gänge zurückgeschaltet hat, wir auf einiges verzichten mussten, wir uns als Familie hatten und haben. Dass wir Zeit haben, die wir uns sonst nicht nehmen. Dass wir nicht immer rennen um Ziele zu erreichen, sondern dass wir Zeit miteinander bewusst nehmen, mehr spielen und uns besser kennenlernen. Wenn all das mit Corona positiv Aspekte haben SOLLTE, dann wäre das einer davon. Es fordert uns auf, zusammen zu sein, auszuhalten und uns näher zu sein als je zuvor. Wenn es vieles nicht mehr gibt, wird man dankbarer für das, was man gerade hat.

An diesem Tag bin ich das erste Mal seit Monaten bei meinem Papa im Altenheim. Gemeinsam mit seiner Frau besuche ich ihn für eine halbe Stunde. Wir werden empfangen von herzlichen Menschen vor Ort. Wir müssen uns zuerst draussen in einer Liste eintragen und Fragen beantworten, dann gehts ans Händewaschen und Kittel und Handschuhe anziehen. Die Maske haben wir natürlich auf. Mein Papa sitzt an einem langen Tisch und wir setzen uns ihm gegenüber. Mehr als 1,5 m Abstand. Er ist älter geworden in den letzten Monaten. Das liegt aber wohl eher an der fortschreitenden Demenz und nicht so sehr an Corona. – so rede ich es mir ein. Er nimmt uns wahr, lächelt und freut sich über die Stimmen der Kinder, die mein Handy abspult. Wir sitzen da und versuchen mit ihm zu reden. Was nicht funktioniert. Dann spielen wir ihm ein Lied vor. Spotify sei Dank finde ich den Song schnell.  Sein Gesicht fällt sich auf und er summt mit.
Später singen wir ihm „das Vater unser“ vor. 
„ Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst…“ singen wir und ihm treten Tränen in die Auge. Seine Frau meint, dass er dieses Lied immer gerne in der Kirche gesungen hat.
Das Lied hat viele Strophe und trotz, dass ich es noch aus Chorzeiten kenne, verhaspeln wir uns oft und müssen lachen. Mein Vater lacht auch mit.

Es bewegt mich, dass wir da sitzen können und ihm vom Vater im Himmel singen.

Wie sehr beruhigen mich selber die Texte und Melodien. Wie froh bin ich in diesem Moment, Gott selbst als Papa zu kennen.
Gott, der an diesem Papatag Jesus vor so langer Zeit wieder zu Hause willkommen geheissen hat, der meinen Vater sieht und in die Arme nimmt, wo wir es nicht können.

Heute feiere ich ganz viel Papa. Den Papa meiner Kinder, meinen Papa, dem ich heute mit einem kurzen Besuch eine Freude machen konnte und meinen Papa im Himmel, der so viel größer ist als alles was ich erlebe. Der fähig ist, für jeden der persönliche Papa zu sein.

In mehreren Texten in den letzten Wochen habe ich oft darüber geschrieben, dass mich Furcht übermannt hat, in dieser ganzen Coronasitation. Ich konnte die Unsicherheit und die Not um mich herum kaum aushalten. Ich merkte, wie das Virus nach meinem Herzen griff und ich gar nicht mehr voll Zuversicht in die Zukunft blicken wollte. Ein Leben ohne Umarmungen, ein Leben auf Distanz. Kein Trösten können, Zusammenbruch in Familien und Wirtschaft. Und das alles wegen dem Virus, dass ich nicht sehen konnte.

In der Zeit gab es viele Menschen, die mir gut gemeinte Bibelverse schickten und mich ermutigten, dass Gott als unser Papa da ist und ich nur vertrauen müsste. Und so sass ich dort jeden Morgen und klammerte mich an diese Versprechen. Aber wenn der Tag anfing, kam die Furcht zurück.

Ich habe in der ganzen Zeit nie gezweifelt, dass Gott als mein Papa mich trägt. Ich habe es nur nicht immer gefühlt.

Jetzt bin ich schon lange mit Gott unterwegs und weiss, dass Gott mich sehr gut kennt und, dass ihn diese Erkenntnis nie davon abgehalten hat, mir zu begegnen.

Wenn meine Kinder Angst haben, kommen sie zu ihrem starken Papa. Aber es kann sein, dass sie wieder Angst bekommen, und dann kommen sie halt wieder.
Wenn die Kids abends nicht schlafen können, weil sie Angst haben, dann sagt mein Mann oft: „Aber ich bin doch da. Du brauchst keine Angst zu haben.“ Aber auch wenn die Angst dann an dem einen Abend verschwindet, kann es sein, dass sie an einem anderen Abend wieder kommt und die Kids sagen: „Papa, ich habe Angst.“ Auch wenn sie wissen, dass Papa da ist, kommen sie mit ihren Ängsten. Und der Papa nimmt sie dann wieder in den Arm und tröstet. Er könnte auch sagen: „Du dummes Kind, ich hab dir gestern schon gesagt, dass du keine Angst haben brauchst. Lern es endlich“
Aber ein liebender Papa tut das nicht, sondern nimmt das Kind in die Arme.

Ich bin beruhigt, dass mein Papa im Himmel auch so ist, und er mir jeden Moment seine Arme ausstreckt und mich in die Arme nimmt.

Nicht nur am Papatag, sondern immer.

Meine Furcht ist nicht mehr da in diesen Tagen. Ich bin zur Ruhe gekommen und bin zuversichtlicher, dass Papa trägt und da ist, in die Arme nimmt wo wir es nicht können.

Ich bin dankbar für diesen Weg, dankbar, dass es mir nicht immer leicht fällt zu vertrauen und einfach weiter zu machen. Weil ich glaube, dass da draussen Menschen sind, die es ähnlich erleben. Die immer wieder zum Papa in die Arme laufen müssen.

So viele Gedanken, am Ende vom Tag der Papas. Am Tag, der mich auch daran erinnert, dass ein Papa am Ende der Tage auf uns wartet. 

Und dann wenn alle Kämpfe des Lebens gekämpft sind und wir an der Tür des Himmels unserem Vater in die Arme fallen – vielleicht mit aufgerissenen Knien und verwundeten Herzen. Dann wird er sagen: Willkommen zu Hause! Ich hab mich so auf dich gefreut!