Komm mit mir auf Reisen

21. Januar 2021 Von Angelique Frowein

Heute hab ich ein Gedicht wiedergefunden, dass ich letzten Sommer auf dem Weg zu einer Weiterbildung in der Bahn nach Köln geschrieben habe. Ich habe diese Zugfahrten geliebt. Musik auf den Ohren, fahren und Menschen beobachten. Zugfahren fasziniert mich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich hier auf dem Dorf so gar nicht Zug fahre. 

Damals im Sommer nutzte ich das, obwohl ich Mitfahrgelegenheiten hatte…

Corona war schon in aller Munde und die Welt um mich herum machte langsam zu. Doch ich wollte mir das Zugfahren nicht nehmen lassen…Ich fühlte mich in diesen Momenten so frei und genoss das Gefühl, auch wenn alle den Kopf darüber schüttelten. 

Jetzt gerade würde ich gerne im Zug sitzen und dieses Gedicht als einen Kurzfilm aufnehmen.. Es würde alles passen. Nur passt es gerade nicht! Ich fahre jetzt gerade keinen Zug. Ich bin sowieso nicht mehr weit unterwegs. Und das ist auch ok für mich, es ist gerade jetzt besser und vernünftiger. 

Und dennoch wäre ich gerade gerne auf Reisen! Ich wäre gerne mit Kamala Harris und Joe Biden an einem Tisch und würde mit ihnen auf dieses Gefühl von neuer Freiheit anstoßen, ich würde ihnen Danke sagen, dass sie Amerika in meinen Augen wieder etwas schöner machen. Die letzten Jahre hatte ich keine Lust auf Amerika und jetzt spüre ich wieder Aufschwung und Freude. Auch wenn das System fehlerhaft ist – und auch diese beiden Menschen Fehler machen werden:Es schmeckt wieder mehr nach Hoffnung und nach Mut. Ich liebe es einfach so viel mehr, wenn Menschen für Hoffnung und Zusammenhalt aufstehen. Auch wenn sie nicht alles kitten werden…

  Ich würde gerne zu Angela Merkel reisen und ihr die Maske vom Angesicht nehmen (nur kurz, versprochen) und sagen: Danke! Auch wenn mich so viel, was du entschieden hast, so unendlich wütend gemacht hast. Du wolltest das beste! Ich glaub schon! Ich weiß ja nicht was ich gemacht hätte… auch wenn auch hier das System krankt und Menschen Fehler machen. Ich glaube einfach, dass Hoffnung und Mut gemeinsam ihren Weg finden. 

Ich wäre gerne bei den Kindern in den Flüchtlingscamps, ich würde mit ihnen Ball spielen und ihnen Deutsch beibringen. Besonders die Wörter, die lustig klingen, und dann würden wir ganz viel lachen. Ich würde Hoffnung und Mut mitbringen und sie am Ende am liebsten alle einpacken und mitnehmen. Weil Kinder Hoffnung und Sicherheit brauchen und ich das Privileg habe, das hier in Deutschland zu haben.
Was ein Privileg in dieser Zeit!

Ich würde reisen um zu sehen was gerade mit dieser Welt passiert, ich würde anklopfen an verschlossenen Türen und mir die Geschichten erzählen lassen, die wir nicht mitkriegen. Ich würde die Einsamen da draußen in den Arm nehmen…

Ich wäre so gerne unterwegs.

Ich will so gerne mehr sehen! 

Ich bin so gespannt auf diese Welt! Ich könnte platzen vor Vorfreude auf das, was da noch kommt. Irgendwie komisch, gerade jetzt. Aber ohne Träume gäbs kein Morgen.

Ich werde das Gute, das Schöne und das Weite wieder sehen. 

Gerade jetzt macht alles zu und ich sitze auf gepackten Koffern. 

Mein Sohn sagte letztens: „Corona wird nie weggehen.“

Und ich hab ihn angeschaut und gesagt: Doch, das wird es. Es dauert noch was. Aber es wird irgendwann weggehen. Und bis dahin machen wir unsere Reise hier vor Ort. 

Wir reden mehr mit Menschen, die Hoffnung in sich tragen als mit denen die düstere Prophezeiungen schultern und können dann die trösten, die keinen Mut mehr haben. Wir machen Pläne für Urlaube und spinnen herum, was wir alles machen, wenn der Sommer kommt. Wir essen Schokolade bis uns schlecht wird, weil Zuckerschock manchmal ein Stück Seele heilt. Wir lernen die Kontinente in unserem selbst erbauten Klassenzimmer und erzählen uns, wo wir als nächstes hin reisen wollen. 

Wir tanzen und springen, damit wir fit bleiben für alles, das was vor uns liegt. 

Der Tag wird wieder kommen an dem wir wieder Menschen in den Arm nehmen und verschwitzt in einer riesen Menge tanzen! Wir werden lachen über verrücktes.

Wir schnappen uns die besten Klamotten und essen in den besten Clubs. 

Du siehst das alles nicht? Ich schon! Und ich zeig es dir! 

Dann fahren wir gemeinsam Zug und ich erzähl dir von dem Gedicht, dass ich dann hoffentlich mal zu Ende geschrieben habe! 

Wir gehen auf Reisen! Glaub mir!