Dankbar sein…

Wer dankbar ist, sieht selbst in kleinen Pfützen
Das große Meer der Möglichkeit,
Und erkennt in kleinen liebevollen Gesten,
Ein Königreich der Liebe.

Wer dankbar ist, macht aus grau in grau
Einen bunten Regenbogen.
Und erfasst die Größe dieser Welt
In kleinen scheinbar unsichtbaren Schritten.

Wer dankbar ist,
Hebt seinen Blick und macht Platz für Gnade 
Und hebt sich selbst damit empor
Heraus aus irdischem Verzagen.

Alles wie immer…

Da war diese Idee, so Anfang 2020. Wir wollten mal wieder was als Schwester zusammen machen. Obwohl die jüngste Schwester definitiv einen Spaziergang mit Rentieren, Alpakas oder anderem Getier bevorzugt hätte, setzten wir Älteren uns durch und kauften Karten für einen Comedyabend mit Lisa Feller in Solingen.
Jaaaa und dann kam Corona und ich war noch so sehr davon überzeugt, dass der Abend im März mit der Lisa doch bestimmt noch stattfinden würde. Aber Corona war schneller und schickte uns alsbald in den stillen Lockdown.

„Ihre Veranstaltung wird verschoben – die Karten behalten ihre Gültigkeit“ bekam ich als sachliche Email. Na gut, entspannt bleiben. Erste Verlegung auf den 06.09. 2020 Naja gut! Das war ja bald und so informierte ich die Schwestern. Die Älteste war bestimmt wirklich traurig, dass wir jetzt noch 6 Monate warten sollten. Die anderen beiden, also die eine mit den Alpakas und die andere, die auch Alpakas mag – aber halt nicht so mega doll, nickten nur und akzeptierten die Verlegung der Veranstaltung. Ende August dann die nächste Email vom Veranstalter: Gute Neuigkeiten! Für ihr Event wurde ein Ersatztermin gefunden. Ja, wer wollte jetzt einen neuen Termin? Also ich nicht! Hatten wir doch gerade voll viel Zeit und so. Gut, also verschoben sie das Event auf den 22.09.
Als ich die Info weitergab, meinte die älteste Schwester noch: Was soll das denn bringen? Vom 06.09. auf den 22.09. verschieben – als ob dann alles besser wäre.

Naja, ich dachte nur: Die haben halt Glauben, dass das mit der Pandemie spätestens am 22.09. vorbei ist. Zuckte nur mit den Schultern und notierte die Daten im Kalender.

Am besagten 22.09. trafen wir uns und fuhren gut gelaunt nach Solingen um vorher noch in einer schnuckeligen Pizzaria vor Ort in unseren fröhlichen Abend zu starten. Das mit dem Zeitmanagement ist bei uns noch ausbaufähig und so hofften wir, dass der Pizzabäcker schneller bug und auch direkt nach der Flasche Wein Nummer 1 die nächste brachte- bitte mitsamt Rechnung. Denn wir waren jetzt schon zu spät dran …

Wir schaufelten schnell das Essen in uns rein, spülten alles mit leckerem Vino Primitive runter und rasten zur Eventlocation ins „Cobra“. Die eine Schwester war schwanger und durfte daher fahren. Das klappte auch fast gut. Schief geparkt an der Location und ab ins Gebäude.

Schon als wir durch den etwas verwaisten und dunklen Biergarten liefen, wunderten wir uns über die fehlenden Menschen vor Ort. Wir beruhigten uns damit, dass alle anderen bestimmt schon drinnen saßen, weil wir einfach mal viel zu spät dran waren. Die Zeit im Nacken, spurteten wir durchs Gebäude – keiner hielt uns auf. Wo wir hin musste, wussten wir nicht. Am Ende kamen wir dann bei einem Mädel an, dass an einem Kassenhäuschen saß und sich sichtlich etwas langweilte…
„Hallo,“ ich zeigte die Karten. „Lisa Feller, hier sind wir.“

Die junge Dame wurde kurz was wach und wunderte sich. Ähm… ne hier seid ihr nicht richtig. Hier ist das Kino. Ihr müsste wieder zurück und in die Eventhalle- gleiches Gebäude aber ne Etage tiefer.
Also rannten wir zurück. Ich checkte nochmal kurz das Datum: 22.09. Alles richtig. Aber wo waren die Menschen und warum war es so still. Schien ja sehr lustig zu sein diese Lisa Feller, wenn man niemanden lachen hörte. Vielleicht hätten wir doch das mit den Alpakas machen sollen.
Da sahen wir das Schild „Halle“ und stürmten auf die Tür zu. Die Tür war zu.

Kurz dachte ich, dass die uns wegen Corona bestimmt nicht reinließen. Scheiss Corona! Die schwangere Schwester lief noch mal zur Kassiererin um zu checken, was da los war.

Als sie zurück kam meinte sie nur: Die meinte: Da war jetzt auch den ganzen Morgen keiner, der aufbaute…
Ich schaute noch mal auf die Karte, auf das Datum. Aber da stand es: 22.09…. Und dann schaute ich auf das Jahr! 2021. Wir waren einfach mal ein komplettes Jahr zu früh.

Jetzt machte alles Sinn. Natürlich verschob man eine Veranstaltung nicht noch mal 2 Wochen weiter nach hinten, weil man glaubte dass die Pandemie dann doch endlich mal vorbei sein sollte.

Nach dem Motto „So, du Kackcoronavirus! Zwei Wochen gebe ich dir noch und dann verziehst du dich wieder. Denn Lisa Feller steht in den Startlöchern und wir können jetzt bitte nicht noch mal verschieben!“

So sassen wir dann am Ende des Abends im verwaisten dunklen Biergarten und lachten darüber, dass wir einfach mal gemeinsam so endlos verpeilt waren.

Gestern war dann wieder der 22.09. diesmal im Jahre 2021 und wir machten uns wieder gemeinsam auf den Weg. Die eine Schwester war nicht mehr schwanger und der Biergarten begrüßte uns mit Lichterketten, und andere Menschen waren vor Ort. Und dazu auch Lisa Feller mit ihrer ersten Show nach der Pause. Wir wollten Corona ja schon vor einem Jahr in die Knie zwingen – aber es hat dann doch was länger gedauert…. Egal, Leben passiert und wir sind mittendrin.
Gegessen haben wir vorher übrigens wieder und… zu spät waren wir auch wieder.

Also alles wie immer 🙂

Nur mal so…

Gott,

In all meinem Wandern und allem Verstehenwollen,
In all dem Richtigmachen und Hoffnung sähen
In all meinen Träumen und all meinem Sehnen

Halt ich mich fest an dir,
Denn es ist DEINE Liebe zu mir, die allen Schaden heilt
Es ist DEINE Hand, die nach mir greift, wenn ich mich verlier!

Du bist es selbst, der in dieser kaputten Welt,
Stück für Stück sein wunderschönes Reich direkt in meine Mitte stellt.
Und mich in allem sieht und mich in allem führt.

Da wo ich Angst habe, bist du mein Leuchtturm, der mich sicher nach Hause bringt. 
Da wo ich zittere, bist du mein Emanuel, der „Gott mit mir“ in einer gottverlassnen Welt…

Ich verstehe dich nicht- aber ich lehne mich an.
Weine, wie ein Kind, wenn Wort nicht trösten kann… finde zu Hause, finde dich selbst. 

Wo ist ein Gott wie du! Du hältst sie- meine kleine Welt!!
Du warst schon immer gut zu mir! 

Danke für dich – einfach nur so!

Komische Schulzeit

2021! Unsere Tochter kommt in die Schule – jetzt bald!
Also gab es vor den Sommerferien wieder eine Infoveranstaltung. Trotz Corona mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen auch drinnen und live in Farbe
Trotz vollem Kalender, schaufelte ich mir da den letzten Abend der Woche auch noch frei und machte mich „geimpft und fröhlich“ auf den Weg zur Turnhalle der Grundschule. Dort saß ich dann auf meinem mit „Frowein“ gekennzeichneten Platz und hörte geduldig zu. Es war irgendwie schön – auch trotz Maske. Endlich mal wieder in der Schule sein und das Gefühl haben, man wäre vielleicht doch noch ein Teil davon.

Bei der letzten Einschulung wurde vehement verlangt, dass man sich involvierte und den Schulalltag mutgestaltete.
Vor drei Jahren war ich Lesemama, was für mich und besonders für die Kinder effektiver war, als wenn ich mit allen gebastelt hätte.
Jeden Mittwochmorgen saß ich damals mit den einzelnen Kindern da und half ihnen beim Lesen. Wieviele tolle Kinder habe ich da kennengelernt, wieviel konnte ich ermutigen, wie sehr bekam ich mit, was in der Schule passierte. Das war eine tolle Erfahrung und neben dem, dass man in Bezug auf Schule vertrauen musste, dass es bestimmt gut klappte, konnte ich jeden Mittwoch dann sehen, dass es echt gut lief.

Dann kam unser Buddy Mr. Corona und wirbelte auch diesen Teil meines Lebens einfach mal komplett herum. Da war es mit der „Lesemama“- Phase vorbei und auch, wenn es zuerst einfach mal ein Termin weniger im Kalender war, vermisste ich nach und nach dieses „Teilhabendürfen“ an dem Schulalltag der Kinder.
Als sich Corona dann mal so ziemlich hartäckig in unserem Leben hielt, merkte ich, dass ICH den Anschluss an die Schule meines Sohnes verlor. Alles lief fast komplett über Email, Telefonate, Onlineplattformen oder per WhatsApp. Ich mag den Computer und ich stehe der Digitalisierung auch nicht komplett feindlich entgegen – aber ich bin ein Mensch, der Menschen mag. Ich liebe Gespräche, vor Ort sein, Stimmungen aufnehmen und darauf reagieren, ich mag es Teil einer Sache zu sein. Die fortschreitende Digitalisierung, die so nach und nach in der Schule klappte, nahm (in diesem speziellen Coronajahr – und natürlich aus völlig nachvollziehbarem Grund) diesen Part der Begegnung. Das war schwer.

Als ich beim Infoabend saß, erklärte eine total nette Lehrerin, dass das Maskentragen in der Schule sowie das Testen nun auch für die Erstklässler zum Alltag werden würde. Zwei mal Tests und weiterhin Maske tragen. Die ganze Zeit im ganzen Gebäude.
Meine Rückfrage war eigentlich rhetorisch: „Das ist schon krass, wenn jetzt überall gelockert wird und fast nirgends mehr getestet wird und Maskenpflicht oft wegfällt. Und die Kids müssen das dann einfach weiter machen.“
Die Schulleiterin erwiderte, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.“
Naja, dachte ich, im Restaurant klappt es auch und private Feiern mit 50 Leuten sind auch drinnen ok. Aber ich hielt den Mund, wollte keine Diskussion, die eh nichts bringen würde.

Aber es macht mich seitdem nachdenklich. Erst mal macht es mich wütend und traurig. Das ist so bei mir. Ich kenne die Reihenfolge meiner Emotionsentladung ja nun mittlerweile. Das Unverständnis und diese Machtlosigkeit bringen mich oft zum fassungslosen Wütendsein. Das Herz will dann auch mal kurz dran kommen. Es kann nicht verstehen und nachvollziehen und sachlich bleiben. Ich habe das immer mal wieder mit ihm geübt – aber mein Herz ist da ein ziemlich schlechter Schüler.:-)
Nachdem diese Phase dann langsam abebbt – und ja das passiert recht schnell. Dann kann ich wieder etwas klarere Gedanken fassen.
Ich kann die Regel ja nicht ändern. Ich könnte, aber ich habe keine Kraft dazu. Bin nicht diejenige, die da aufsteht und rummotzt und einfordert.

Aber mir ist klar geworden, warum mein Kind in den letzten Monaten war, wie es war. Und dass es großes geleistet hat. Es wollte nicht zur Schule – aber es ist hingegangen. Es hat die Maske mitgenommen und brav getragen. Er hat sich mit der Testerei in der Schule auseinandergesetzt und mir am Ende dann gesagt: „Mama, es ist ok. Ich mach die Tests in der Schule mit. Wir brauchen nicht in der Apotheke testen. Ich weiss jetzt, wie das läuft und das ist ok für mich.“
Und das nach endlosen Emails zwischen der Lehrerin und mir, den Überlegungen, was das mit dem Sohn macht, wenn der Test vielleicht mal positiv ist. Der Frage, wie da vor Ort dann mit ihm umgegangen wird. Ich habe mich fast verrückt gemacht mit diesen ganzen Überlegungen – einfach, weil ich das Gefühl des Kontrollverlusts hatte und nicht mehr einordnen konnte, ob nun auch mal der Zeitpunkt zum Loslassen war oder ob mein Kind dabei den größten Schaden seines Lebens nehmen würde.
Als mein Sohn sich mit dem Thema auseinandergesetzt und mir versichert hatte, dass es ok ist, konnte ich loslassen. Das ist auch mal eine wichtige Erfahrung! Aber es war sehr zermürbend. Ich will ja immer gerne alles richtig machen.

An Situationen wachsen müssen ist oft schmerzhaft. Auch bei uns Erwachsenen. Sich mit einem Thema auseinanderzusetzen fordert. Aber ich will das trotzdem. Ich will verschiedene Standpunkte erkennen, meine blinden Flecken sehen und mehr davon weg, dass alles immer direkt bekämpft werden muss, weil es nicht in meine Sicht der Dinge passt.
Ich möchte Menschen mit ihrer Meinung, die mir dann oft mal nicht gefällt, annehmen und WIRKLICH stehen lassen können. Ich möchte weiser werden. Und es nicht erst sein, wenn ich alt und grau bin. Ich möchte liebevoller werden, mir und meiner Welt gegenüber. Das geht oft schief – aber das ist ok. Solange ich dran bleibe zu lernen.
Mir hilft oft ein Gedanke, den ich oft laut ausspreche, wenn die Unmöglichkeiten dieser Welt über mir zusammenbrechen und ich spüre, dass ich keinen Einfluss mehr habe:
„Gott, hier: DEINE Welt!
Wenn ich was machen soll, sag bescheid. Aber ich komm hier nicht weiter. Jetzt bist du dran.“

Und wenn ich dann nun das zweite Kind in eine ziemlich komische Schulsituation schicke, in einen Alltagsabschnitt, in dem ich nicht mitwirken kann, dann bete ich, dass es Menschen trifft, die gut zu ihm sind. Dass es Fragen stellt und gute Entscheidungen trifft. Dass es soviel Gutes in sich trägt, dass es andere mit reinnimmt und, dass die Schulzeit besonders wird.

Ich glaube, wie gut oder schlecht Kinder diese momentane Zeit der Pandemie und der Nebenwirkungen davon hinbekommen, hängt davon ab, wie wir sie begleiten und wie wir sie ermutigen. Dass wir da sind, wenn sie Fragen haben, wenn sie nicht hinterherkommen oder, wenn dann mal die Seele weint. Dass wir nicht nur meckern über die Einschränkungen und Unsinnigkeiten der Pandemie, sondern dass wir unsere Kinder mutig und stark machen, Teil der Lösung zu sein.
Sie hören gut zu, diese Kinder. Meist dann, wenn sie es nicht sollten 😉

Viel Kraft und Vorfreude für alle Eltern fürs neue Schuljahr nach den wohlverdienten Ferien 🙂

Teil sein in der Kette

Heute habe ich ein paar Möhren im Gewächshaus geerntet – und ich muss sagen, die sehen definitiv nicht wie die von Oma aus. Das war der erste Gedanke, als ich die Pflanzen aus der Erde zog. Was sie aber taten wie bei Oma, sie rochen genau so. Ich fühlte mich zurück versetzt in meine Kindheit in den Schrebergarten meiner Großeltern. Mit wieviel Liebe und Mühe wurde da von ihnen ein kleines Paradies geschaffen. Ich war gerne da, hab am liebsten Himbeeren von den Sträuchern gezupft und sofort gegessen – oder halt die Möhren.
Ich erinnere mich, wie ich immer alle Gartenzwerge zum Abmarsch bereit machte, alle in einer Reihe. Und dann gingen sie Schritt für Schritt mit mir in den Garten – es hat wohl ewig gedauert – aber ich erinnere mich sehr gerne daran. Während ich mit ihnen in den Garten schritt, erzählte ich Geschichten und tauchte ein in einer Welt voller sagenhafter Stories mit Happy End. Die Erwachsenen ließen mich machen und ich liebte es.
Heute denke ich mal wieder daran, während ich das etwas misslungenes Gemüse irgendwie bearbeite um sie danach schnell zu verzehren.

Ich erinnere mich gerne. Ich blende aus was nicht gut war und halte mich am Guten fest. Und dann bin ich dankbar für gute Erinnerungen. Dafür, dass ich so etwas erleben durfte – für ein Stück unbeschwerter Kindheit da im Garten meiner Großeltern. Und ich fasse Entschlüsse für mein Leben, für meine Einstellung und das, was mir wichtig ist.

Kennt ihr das, wenn Erinnerungen wach werden, die vielleicht keiner um euch herum mit euch teilen mag? Ein Geruch, ein Lied, ein Blick. Etwas was sagt, wir sind schon was länger hier und wir haben schon einiges erlebt. Ich kenne das von Gutem und auch von Schlechtem. Da, wo ich durch Dinge heute an schlechte Dinge von gestern erinnert werde, wird das Herz schwer, es bedauert, zieht sich zusammen, erschrickt und wird manchmal starr vor Schrecken. Auch das gibt es, auch das ist Realität und braucht oft liebevolles Kümmern und einen langen Atem, um wieder zu heilen – und manches heilt auch einfach scheinbar nie.
Daneben gibt es aber auch die Dinge, die uns an Gutes erinnern, an Menschen, Begebenheiten und Träume. An Zeiten, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute noch sein wollen, es zeigt uns, dass wir geliebt sind in dieser Welt -auch manchmal trotz allem. Es lässt uns kurz lächeln oder nachdenklich werden und vielleicht gibt es auch Hoffnung für den nächsten Tag! Ich habe viele solche Momente und sie tragen mich. Ich weiss, dass es vor mir Menschen gab, die gut waren und Gutes für mich wollten.
Das war Familie, Trainer, Lehrer, Freunde, Jugendpastoren und Missionare oder auch Fremde, denen ich nur einmal begegnet bin. Ich verdanke ihnen gute Erinnerungen.
Wie sehr wünsche ich mir das für meine Kinder. Wie sehr weiss ich, dass ich so jemand sein will. Jemand, der den Freumden grüßt, Kinder ernst nimmt und fördert, die Menschen um mich herum wertschätzt und so eine Chance gibt, etwas gutes hineinzulegen in das Leben eines anderen Menschen.

So oft scheitere ich, meist dann wenn ich mir wieder viel zu viel vorgenommen habe, wenn ich mich verzettle, zu wenig schlafe oder mich zu viel sorge. Dann, wenn meine Tage so viel an Aktivitäten habe, dass ich mürrisch werde über jeden Einsatz, den Begegnung noch zusätzlich fordert.
Ich kann das so hinnehmen, denn ich weiss ja langsam wie ich ticke, wo ich falle, was ich brauche und was ich immer wieder nicht hinbekomme.
Neben dem Hinnehmen will ich Lernende bleiben, will ich mich verändern, will sehen was ich brauche und geben was ich kann – und wenn das nicht reicht, dann vielleicht das Gebet: Herr, erbarme dich!

Meine Oma hat nicht immer alles richtig gemacht – bestimmt nicht. Aber das tu ich auch nicht. Trotzdem hat sie etwas geschaffen und mich teilhaben lassen. Ich durfte in einem Teil ihrer Welt dabei sein. Das möchte ich auch.
Meine Kinder werden sich bestimmt nicht Dank dem Geruch von frischen Möhren an Gutes erinnern. Aber vielleicht sind es die Momente, die wir gemeinsam gestaltet haben, unsere Gespräche, Aktivitäten, gemeinsam einschlafen, Zeit haben zusammen, kuscheln und Alltag gestalten.
Während ich die Möhren esse, denke ich an meine Oma und würde sie gerne noch mal besuchen. Aber das geht schon seit langem nicht mehr. Auch das ist Realität. Wir sind nicht für immer hier. Deshalb will ich heute den Menschen, dem ich begegne, wertschätzen, seine Meinung stehen lassen können ohne direkt Beziehung abzubrechen – auch wenn das manchmal leichter scheint. Ich möchte andere an dem teilhaben lassen, was ich erschaffe in diesem Leben. Vielleicht bin ich dann auch ein kleiner Teil in einer Kette guter Erinnerungen!

Abschied nehmen, weiter gehen

Heute war so einer dieser Tage, der emotional packend, etwas ermüdend und am Ende dann doch wunderschön war.
Nach einem ziemlich blöden Corona-Jahr im Kindergarten haben wir heute den Abschied „gefeiert“. Vorbei sind die Kindergartenjahre und wenn ich das Foto von ihrem ersten Tag anschaue und sehe, was aus der kleinen Lady geworden ist, bin ich stolz und dankbar. Klein war sie, ach man so eine Minimaus mit ihren gerade 2 Jahren.
Da tapste sie mit ihrem kleinen Windelpopo durch die Kindergartenräume und fühlte sich sichtlich wohl unter all den anderen Kinder. Im Gegensatz zu ihrem Bruder ist Tara immer gerne in der Kita gewesen. Sie hat begeistert neue Freundschaften geschlossen, selbstbewusst all das in sich aufgesogen, was es zu lernen und zu entdecken gab. Ach was habe ich die Zeiten im Kindergarten genossen, durfte so oft Teil davon sein und spürte, dass ihr all das so gut tat. Biblische Geschichten, basteln und spielen: Das war für sie immer ein Fest und kurz schlucke ich, dass dies nun Vergangenheit ist.
Das letzte Jahr hat mir geholfen, langsam Abschied zu nehmen. Dank Corona war der Regelbetrieb sichtlich eingeschränkt und ich hatte die Anlage seit nun mehr einem Jahr nicht betreten dürfen. Als ich heute in den Kindergarten kam, maskiert und mit dem Eis für die Abschiedsfeier bewaffnet, erlebte ich den Zauber dieser wertvollen Zeit einmal neu. Da kam er hoch der Kloß im Hals, das „Nicht-Abschied-nehmen-wollen“. Das Abschiednehmen war diesmal so grausam unspektakulär und irgendwie gefühlt herzlos. Fehlten sie doch die Ganggespräche der letzten Monate, das dabei sein und immer mal wieder vor Ort sein und kurz mit der Kleinen spielen bevor ich den Kindergarten für den Morgen wieder verließ.
Zwar fand fast das gesamte Vorschulprogramm und sämtliche Ausflüge statt und die Erzieherinnen leisteten großartiges. Aber Corona schwebte wie eine gefährliche dunkle Wolke über allem. Zwei mal Quarantäneanordnungen gab es im vergangenen Jahr. Das war der Kleinen oft schwer zu erklären und dem eigenen Herzen ebenso. Wie viel Unsicherheit war da. Wie oft habe ich gedacht: Wat ne Sch.. Zeit!
Und ich frage mich, wie hat meine Kleine das alles verkraftet? Wurde sie abgehängt, wie es so oft hieß, hatte sie Schade genommen?
Ich glaube nicht. Dafür haben wir und viele Menschen um uns herum alles mögliche getan. Dankbar bin ich für Menschen, die zwar Vorsicht geboten und die Regeln eingehalten haben. Aber daneben dem ganzen auch den aufgeputschten Angstschrecken genommen haben. Aber es war anstrengend, und oft lagen die Nerven, auf jeden Fall meine, etwas blank. Und doch sind wir wie viele andere bewahrt geblieben. Das ist ein Geschenk und ein Segen. Das Virus hätte uns treffen können, denn wir haben alles getan was der Seele gut tat und irgendwie erlaubt war.

Jetzt bin ich froh, dass Ferien sind. Kein frühes raus müssen, kein Stress (oder nur den, den ich mir trotzdem mache), Vorfreude auf den Urlaub und die Schule. Keine Quarantäneangst für mindestens 6 Wochen.
Ich will nicht mit Angst in die neue Phase starten – sondern mit Dankbarkeit und Gelassenheit. Was morgen ist, das kann ich nicht sagen: Aber ich kann den Alltag so gestalten, als wäre alles gut. Gott flüstert mir zu. Lege deine Sorgen nieder, leg sie ab in meine Hand. Darauf will ich vertrauen!

Nach einer ziemlich stressigen letzten Woche vor den Ferien, ging es heute mit Mann und Freundin plus Kindern ins Schwimmbad. Erst dachte ich, dass ich dafür keine Kraft mehr haben würde. Bitte nicht noch einen Termin!
Aber als ich dann an diesem heutigen Nachmittag mit den Kindern im Wasser planschte, sah wie toll die Kleine und der Große schwammen, und mir nebenher noch einen Extra-Cappuccino mit der Freundin gönnte, da merkte ich wie ich zur Ruhe kam und wie gut diese Auszeit aus dem Alltag war. Der Akku ludt sich wieder auf, die Lebensgeister kehrten gesammelt zurück, Freude füllte mein Herz. Es war so wunderschön! So etwas muss einfach immer mal sein.

Heute habe ich Abschied genommen und neues willkommen geheissen und nebenbei einfach in den Tag gelebt!
Ob wir oder andere Schaden nehmen in dieser unsicheren Zeit, können wir mit gestalten. Wir haben zum Teil in der Hand ob wir mit Angst leben oder dem Tag die Chance geben trotz der Unsicherheit etwas wunderbar zu werden. Dabei kanne es helfen, wenn wir immer mal wieder das Herz mit seiner Furcht ernst und in die Arme nehmen, kleine Oasen schaffen, Gelassenheit in den Alltag transportieren und in allem die Gewissheit gewinnen, dass wir das alles nicht alleine schaffen müssen.
Ich wünsche dir Mut zum Abschied nehmen und Vorfreude auf das was gerade gutes vor dir liegt -sei es noch so klein!

Es hätte toll werden können

Vielleicht hätte es toll werden können, diese neue Idee von jungen Menschen der Bowl Church zum “Creative Space” im Eifgen. Aber es passt irgendwie nicht rein nach Wermelskirchen. Es gibt dafür keine Vision. Wie schade! Ich hätte es ihnen und UNS von Herzen gegönnt. Soviel Mut und soviel Vorbereitung, gepaart mit jugendlichem Idealismus und Fehlern, die allen irgendwie scheinbar verziehen werden, nur so oft nicht der jungen Generation. 

“Oh, Angie, das stimmt aber nicht so”, sagt man mir. “Das hätten die auch anders machen können, da wurden viele Fehler gemacht und man weiss ja auch nicht, ob sie das am Ende geschafft hätten”.
Ja, das weiss man nicht – aber wird man jetzt auch nie wissen.

Ich arbeite seit 14 Jahren in der offenen Jugendarbeit und habe soviele junge Menschen erlebt. Die Hauptaufgabe bestand für mich als Mitarbeiterin im JUCA so oft darin, sie zu ermutigen, an ihren Träumen festzuhalten. Wir wollten sie immer wieder rausholen aus ihrer Letargie, aus ihren Süchten und Depressionen. Davon gibt es viel in der jungen Generation – aber auch bei den Älteren – aber da ist es scheinbar nicht so offensichtlich. 

Und dann ist da eine Gruppe, die aufsteht und etwas wagt. Die nach vorne in die erste Reihe wackelt, natürlich viel zu spät bei dem Verfahren, natürlich mit der Unwissenheit, was Politik und Verwaltung angeht. Und sie raunten uns zu: Wir haben da ne Idee, und es könnte toll werden. Vielleicht! Wir könnten es gemeinsam schaffen.

Und sie kämpften auf ihre Art, und sie versuchten, scheiterten, standen wieder auf, entschuldigten sich und hielten an ihrem Traum fest. Es hätte wundervoll werden können. Dieses ganze Zukunftsdenken. Es hätte, aber es wurde nicht. Man hat mir so oft gesagt: Halt an deinen Träumen fest. Aber vielleicht geht das nur, wenn man alt ist oder gesetzt oder nach den politischen Regeln spielt. Wenn diese Träume denen gefallen, die am Ende das letzte Wort haben, die den Karren ins Rollen oder zum Stoppen bringen.

Ich bin enttäuscht von dem, was ich sehe. Wer entscheidet hier, wer setzt die Weichen für die Zukunft? Wir wollen immer, dass junge Menschen sich einsetzen für ihre Welt, ihre Stadt und ihre Gemeinschaft. Aber bitte so, wie es für uns passt, für UNS die Erfahrenen, die politisch Versierten. Es hätte toll werden können! Es hätte, aber “hätte” passt nicht rein bei uns. 
Und somit ist die Sache erledigt, war ja auch ziemlich wild in den Medien. Jetzt muss mal wieder Ruhe rein kommen. 

Die jungen Leute werden neue Plätze finden, neue Möglichkeiten, neue Ideen. Vielleicht! Aber wenn man einmal die Flügel gestutzt bekommt, dauert es oft bis man wieder fliegt. Wenn man nicht erwünscht erscheint, sucht man sich andere Orte, die oft weit weg sind von dem Ort der Enttäuschung – auch das macht man als junger Mensch. Oder überhaupt als Mensch. Dann wird die Welt nicht untergehen und auch das Eifgen oder Wermelskirchen wird es überleben. Der Trott kann weitergehen.
Es hätte aber auch toll werden können. Es hätte – aber “hätte” passt ja so oft nicht.

Mehr zu dem Thema und dem Entschluss 
https://forumwk.de/2021/06/28/eifgenareal-knappe-entscheidung-fuer-loproject/

Staunen

Ich muss sagen: Ich staune gerne. Mich fasziniert dieses Leben. Okay, manchmal macht es mich auch ziemlich wütend – aber meist staune ich und bin überrascht, was das in mir verändert. Ich staune über mich selber: Wer ich heute bin und wo ich heute stehe, was für Menschen ich kenne und was ich erreicht habe. Ich staune über Fähigkeiten, die ich einfach so habe, ohne je etwas dafür getan zu haben. Ich staune darüber, dass ich mich trotzdem so oft klein rede, obwohl ich manches kann was so kein anderer macht. Ich staune über die Tatsache, dass ich Menschen um mich habe, die mich nehmen wie ich bin. Über die Liebe meiner Kinder, die so. bedingungslos ist, dass sie mir irgendwie alles verzeiht. Dass ihnen meine Gegenwart in ihrer Welt der größte Schatz zu sein scheint. Ich staune, denn das rührt mich zu Tränen. 

Ich staune, wozu wir Menschen fähig sind. Manchmal wenn es nicht zum Staunen reicht, dann erschrickt es mich auch und macht mich traurig, denn wir tun so viel dummes Zeug. Aber neben dem, dass wir zerstören und klein machen und vernichten und töten, können Menschen auch wundervolle Dinge erschaffen, Mut machen, Leben erleichtern, Hoffnung schenken und Glauben neu sähen. Freunde sein und in die Arme nehmen, den eigenen Horizont erweitern durch ihre Sicht auf diese Welt. Ich staune, dass ich so viele gute Menschen kenne. Manche nur als entfernte Bekannte, die ich nur selten sehe, manche so nah und erfrischend, ehrlich und nahbar. Wow! Ich komme schon wieder ins Staunen.

Da sind Momente, wo meine Seele vom Himmel geküsst wird, Menschen die warten, ausharren und seid Jahren für mich beten. Menschen, ohne die ich nicht wäre, wer ich bin. Auch die, die ich traf und die mich und meinen Weg nicht verstanden, die ohne Glauben an mich, die welche Macht ausnutzten. Auch sie prägten meinen Weg. Auch durch sie bin ich heut, wer ich bin.

Staunen! Über Schönheit des Lebens, Natur, Musik und gesprochenes Wort, Menschen, die anhalten und warten auf mich und mein Tempo. Menschen die einfach mal sagen: Ich weiß! 

Ich glaub, wenn ich mehr staune als zu klagen, wenn ich mehr hoffe als zu verzagen, dann ist mein Leben heller auch mit den dunklen Flecken, dann sehe ich Licht auch wenn’s scheinbar nur dunkel ist. Ich staune über Kleinigkeiten und mache sie so groß in meinem Leben. Ich erschaffe die Welt um mich herum in mehr bunten Farben. Halte den Blick auf das gute gerichtet und es scheint als gäbe das Kraft auch für die traurigen Momente. Dann wenn der Himmel Dunkels verheisst, wenn Menschen enttäuschen und Freiheit so weit weg zu sein scheint. 

Ich will dran bleiben zu staunen! Dann ist das klagen nicht mehr so interessant, denn das Staunen braucht mich und meine Kraft. Dann erhebe ich den Blick und lächele über selbstverständlich schönes. Ein wenig mehr staunen- das will ich!

Out of the cave

Kennt ihr den Comedian „Chris Tall“?
Ich erinner mich gut an einen seiner Auftritte mit dem Titel „Darf er das?“. All seine Sprüche und Annekdoten waren ziemlich nah an dem was man einfach so nicht sagen sollte. Sie waren frech, arrogant und ziemlich dreist.
Immer wieder fragte er sein Publikum: Darf er das?
Darf er dieses sagen und jenes verhöhnen. Ich weiss gar nicht mehr im Detail, worüber er sprach, aber diese Frage: „Darf er das?“ Tja, das blieb bei mir hängen.

Als ich aus der kleinen persönlichen Höhle namens Pandemie- Lockdown kroch, fragte ich mich genau diese Frage in leicht abgewandter Form: Darf ich das? Dürfen wir das?

Donnerstag vergangener Woche gab es vor dem Rathaus in unserem kleinen Wermelskirchen den ersten Feierabendmarkt, der mich ein wenig an Normalität erinnerte. Es gab Livemusik, seit gefühlter Ewigkeit wieder. Menschen um mich herum, die sich unterhielten, Essen und Getränke kauften und sich gegenseitig wieder sahen. Als ich ankam und mich die ersten Bekannten ansprachen und ich mich so langsam im Smalltalk wiederfand, tanzte diese oben erwähnte Frage durch meinen Kopf: Darf sie das? Darf ich das?

Das dynamische Duo – Feierabendmarkt in Wermelskirchen https://www.das-dynamische-duo.de/news.php

Es war so unwirklich. Alle dieses Menschen um mich herum, all diese Normalität. War das jetzt ok, fragte ich mich?

Dabei war ich ja gar nicht so wahnsinnig lange von der Bildfläche verschwunden, hatte Freunde und Familie gesehen und immer alles irgendwie gemacht, was halt irgendwie ging und erlaubt war. Nicht, dass ich die Pandemie ansich in Frage stellte, nicht dass ich nicht mitbekam, was Bekannten mit diesem Kackvirus passierte. Trotz allem war mir neben der zu schützenden Gesundheit von Leib und Leben immer auch die psychische Gesundheit wichtig. Das war schon zu Beginn der Pandemie klar. Ohne Umarmung, ohne ein Miteinander, ohne Kultur, ohne Menschen – das war noch nie eine Option für mich. Und trotzdem verschwand auch ich in meiner Höhle, war irgendwie weg vom Fenster und trauerte dabei all dem nach was ich ebenfalls als relevant für mich und meine Welt empfand.
Ich war im vergangenen Jahr kreativ, also nicht an den Stellen wo ich es unbedingt sein wollte, sondern darin Leben zu führen trotz der Gefahr, Alltag für meine Kinder zu gestalten wo auch immer noch andere Menschen Platz fanden. Nur, wenn es unbedingt nötig war, nutzte ich Zoom. Ich wehre mich noch jetzt dagegen. War zwei mal fast selbst in Quarantäne und erlebte die Quarantäne meiner Tochter hautnah mit. Wir sind immer sehr verschont geblieben vom Virus – aber die Nebenwirkungen trafen auch uns meist hart. Ausfall der gesamten Projekte im Ehrenamt, Wegfall aller Einkünfte durch Veranstaltungen, immer wieder Umplanen, neu planen und am Ende absagen. Tränen und Fragen der Kinder aushalten, Facebook aushalten, andere stehen lassen können mit ihrer Meinung und ehrlich einander verstehen wollen. – Das hat geschlaucht, das hat müde gemacht.

Und dann geht alles gefühlt wieder los. Plötzlich geht die Welt wieder auf, öffnen sich die Tore und ich singe mit Anna von „Elsa, Eiskönigin“ das trotzige und fröhliche Lied „Zum ersten Mal seid Ewigkeiten wird Musik spielen in den Hallen, und zum ersten Mal seid langem, werd ich tanzen durch den Saal. Wachen öffnet nun das Tor!“

Und die Wachen öffnen die Tore und die Menschen strömen heraus und reissen mich mit. Und während ich daher taumel, raune ich den Menschen zu: Darf er das, darf ich das? In völliger Überforderung vor soviel unsicherer Freiheit. Trotz Impfung, trotz niedriger Zahlen. So schnell komme ich dann doch nicht mit.

Während draussen die Masken und Testpflicht wegfällt, trägt mein Schulkind und alle anderen in der Schule im Unterricht über ewig lange Zeit Masken und sie werden 2 x die Woche getestet. Unfassbar was an manchen Stellen geht, und an anderen Stellen halt nicht. Das muss ich aushalten und wieder zuhause vermitteln, trösten und auffangen. Nicht überall gehen die Tore für alle gleich auf. Das macht wütend – und dennoch ändert diese Wut nicht, sie lähmt nur.

An anderer Stelle erlebte ich die Woche dann wieder „offene Tore“:
Seid Monaten planten wir einen „Coronakonformen“ Junggesellinnenabschied für meine Freundin. Am Ende hatten wir auf 6 Personen reduziert und einen kleinen unspektakulären und dennoch gefühlt mehr als illegalen Abend geplant: Nur im Garten, nur mit ein paar Menschen, nur privat, nur zusammen, nur, nur, nur…..

und dann sang Anna, Schwester der Eisprinzessin wieder 🙂 und befahl den Wachen vor wenigen Wochen die Tore zu öffnen und wir planten spontan wieder um: Planwagenfahrt und gemeinsam mit 6 Haushalten essen gehen, gemeinsam unterwegs sein und abends unsere persönliche Livemusik im Garten, weil unser Freund und Musiker sich für uns in den Zug setzte um diesen Specialtag dann doch noch mal ne Ecke „besonderer“ zu machen. Wir haben es einfach gewagt. Die Beschenkten waren wir.

Elto beim Livekonzert im Garten
https://www.eventpeppers.com/de/manuel-elto

Noch die Tage vorher, wäre die Schulklasse meines Sohnes fast in Quarantäne gelandet. Langes Zittern und Zagen und die Angst, dass wir am Ende doch mal wieder gut geplantes hätten absagen müssen.
Auch dass ist Teil der Nebenwirkung von Pandemie, auch das zerrt an den Nerven, auch das macht unruhig und klaut Lebensqualität – vielleicht auch nur meine. Aber ich bin da auch recht subjektiv.

Nach diesem Wochenende bin ich müde, gefühlt könnte ich im Dauermodus schlafen. Mutig sein und Schritte wagen kostet auch immer Energie. Diese Frage: Darf sie das? zehrt noch mehr.

Und dennoch komm ich „out of the cave“, auch wenn es sich manchmal nicht gut anfühlt. Ich will glauben, dass ich das darf. Ich lebe mit dem Risiko, ich bleibe bedacht. Aber ich schau auch immer, was in diesem Leben möglich ist. Und dann beschenkt mich dieses Leben mit wunderbaren Momenten, mit Staunen und Lachen, mit „wieder-singen-dürfen“ mit Freunde treffen und endlosen Gesprächen, die der Seele gut tun.

Ich feiere das Leben, was sollte ich sonst tun? Ich will auch mutig in diese Zukunft gehen und glauben, dass ich eingebettet bin in einen großen Plan. Dass ich nicht heute fertig bin mit meiner Vorstellung vom Leben, sondern immer weiter lernen darf. Ich bin in Gemeinschaft hineingeboren, trage Verantwortung für das was ich tue. Aber ich will ausprobieren, Risiken eingehen in der Gewissheit, dass ich es auch nur bedingt in der Hand habe.

Die Höhle ist sicher aber halt auch ganz schön einsam. Und gegen das Gefühl von Lähmung und Angst, trete ich raus aus meinem Höhleneingang, blicke der Sonne entgegen und wage den Schritt. Erst einen und dann noch einen, dann renn ich, bald tanze ich. Und wenn die Welt wieder mal zumachen will, bin ich bereit noch mal in die Höhle zurückzukehren, aus Respekt und Anstand. Aber bis dahin tanze ich weit draussen.
Darf sie das? Keine Ahnung, aber ich mach es einfach! Einfach mal so. Vielleicht wird es gut!

Hier an unserm Küchentisch

Hochmotiviert sitz ich am Morgen
Homeschooling, das gönn ich mir
Ich kann lesen, ich kann schreiben
Formen, Zahlen läuft bei mir.

Stolz ertrag ich heut mein Kreuze,
Setz mich mit dem Sohne hin
Und ich hoffe und ich bete,
Dass ich heute gnädig bin.

Ganz früh hab ich mich aufgerafft,
alles schon bereit gelegt,
hab mir heute vorgenommen,
Heute, hier wird was bewegt.

Heute will ich bei ihm sitzen,
Nur mein Augenmerk auf ihn,
kein Haushalt, keine anderen Pflichten,
Nur das bisschen Homeschooling

Und dann kommt mein Kind zum Tische,
gar nicht mal so motiviert
und dazu ein Haufen Sachen,
Die uns fröhlich aufdiktiert.

Und was ich will, das will er nicht.
Kein perfektes Homeschooling,
Trotzig wird sich hier gewehrt
Hier an unserm Küchentisch

Gerade noch so motiviert,
Kommt nackte Realität mir nah.
Nach nur wenigen Minuten,
Tränen hier und Motzen da.

Und die Uhr, die Uhr läuft weiter,
hier an unserm Küchentisch
Und die Geduld, die ich erbeten,
War wohl heut nicht abkömmlich.

Ich will ja wirklich meinen Teil tun,
Meinen Teil in dieser Zeit,
Will meinen Platz ganz würdig füllen
Und bin doch nicht ganz bereit.

Nicht jeder Tag ist immer grausam,
Machmal geht es auch fast glatt,
Doch ich kann nur noch mal sagen:
Manchmal habe ich es satt.

Und während ich hier schimpfend sitze,
Abgekämpft, zu nichts bereit
Flüstert eine Kinderstimme:
Mama, du, es tut mir leid.

Und ich schau in Kinderaugen, 
Die nichts können für diese Zeit
Für unser Hadern unser Ringen
Für unseren doch unfairen Streit

Nach einem Jahr der Pandemie 
Ist es dünn mein Nervenkleid
Oft muss ich dabei erkennen,
Ich brauche mehr Gelassenheit.

Das Kinderflüstern noch im Ohr,
Kapitulation fällt nicht mehr schwer
Nimm ich mein Kind in meine Arme 
Heute geht wohl gar nichts mehr.

Manche Menschen könnens besser
Das was ich grad gar nicht kann,
Doch will ich mit mir gnädig bleiben
Und fang einfach nochmal an.