Spuren, die wir hinterlassen

Ich war heute mit dem Auto in der Waschanlage und es war bitter nötig. Nach drei Wochen Schuleinsatz und dem darauf folgenden Urlaub schrie mein Fahrzeug mich förmlich an: Bitte, take care! Vergiss mich nicht.
Also bin ich gnädig und fahre durch die Waschanlage, halte einen kurzen Plausch mit den freundlichen Herren, die in der Waschanlage immer rauchen und dabei mein Auto schrubben. Ich kann ja echt viele Sachen gleichzeitig – aber das übersteigt selbst meine weibliche Kompetenz.
Ich grinse in mich hinein und lasse mich dann samt Fahrzeug durch die Anlage schieben. Am Ende sieht mein Auto wieder schön aus und der meiste Dreck ist runter.
Ich liebe diese Momente immer und gönne dem Auto dann noch eine kurze Innenreinigung. Also ich sauge kurz, meine ich damit.

Als ich so vor dem Gefährt stehe, bewaffnet mit dem surrenden Staubsaugerschlauch fällt mein Blick auf die Kratzer, die mein letzter Crash hinterlassen hat. Da wo ich mein Fahrzeug vor einigen Wochen in dieses Metallgartentor einer alten Dame rollen liess, weil ich die Handbremse nicht angezogen hatte.
Ich dachte, dass es nach der Reinigung vielleicht nicht mehr so derb und häßlich aussehen würde. Doch selbst all die Mühe der rauchenden Waschanlagenbetreiber konnten nicht komplett entfernen, was offensichtlich war. Das Ergebnis meines Fehlverhaltens.
Und während ich so lustlos vor mich hinsauge, hänge ich meinen Gedanken nach. Mein Fehler und meine Vergesslichkeit haben Spuren am Auto hinterlassen und ich werde mich noch länger daran erfreuen müssen. Und auch wenn ich weiss, dass es nur ein Auto ist und ich dankbar bin, dass keiner zu Schaden gekommen ist, schmerzt es ein wenig.

Es lässt mich darüber nachdenken, dass meine Fehler im Leben sichtbare, schmerzende Spuren hinterlassen – und das nicht nur auf dem Lack eines Fahrzeuges.
Da wo ich verpasse, Gespräche zu suchen, da wo ich laut werde und ungerecht bin, da wo ich falsch plane und lieblos bin, all das hinterlässt Spuren in dieser Welt. Offensichtliche Kratzer an Beziehungen, Türen, die zu gehen, enttäuschte Menschen und verpasste Träume. Und ich fahre weiter mit offensichtlichen Macken und Verletzungen an mir und dieser Welt. Und sie zeigen sich häßlich und machtvoll und erinnern mich immer wieder und wieder: Das hast du nicht geschafft. DU hast es nicht gut gemacht. Versuch es gar nicht erst wieder. Trau dich nicht noch einmal. Sieh dir das Desaster an und dann sieh, was du hinterlässt. Und es fährt mit mir – jeden verdammten Kilometer.

Manchmal sage ich Gott: Lass mich nicht nur sehen, was mein Fehlverhalten anrichtet. Lass mich sehen, wo du durch mich diese Welt umarmst, wo du durch mich aufrichtest. Gib mir einen wertschätzenden Blick für meine kläglichen Versuche, diese Welt zu lieben.

Und dann sind die Kratzer, die ich verursacht habe auch eine Erinnerung daran, dass ich nicht perfekt durch diese Welt stapfe, dass ich wie jeder andere Mensch an mir und meiner Welt arbeiten muss. Dass nicht alles gut sein muss um wertvoll zu sein. Und dass ich in dieser Welt und darüber hinaus einen Retter habe, der mich zuerst geliebt hat. Der größer ist als ich selber, der wahrhaftiger ist, barmherziger und gnädiger. Und der in mir etwas Großes schafft: Die Fähigkeit zu lieben, aufzustehen und immer wieder weiter zu gehen. Nicht in geduckter Haltung und voller Selbstverdammnis. Sondern als jemand, der sich geliebt weiss.

Neben dem umbarmherzigen Blick auf das, was nicht gut ist folgt ein dankbarer Blick auf die Situationen, in denen ich vielleicht gute Spuren hinterlasse habe. Wo ich einen Schritt beiseite trete und Gott machen lasse, da wo ich innehalte und anderen Menschen den Vortritt gebe. Da wo Freundlichkeit das letzte Wort hat. Da wo ich abwarten kann und vergebe. Da wo ich nicht Maß aller Dinge sein muss.

Und dann will ich sehen, dass nicht mein Versagen meinen Wert bestimmt und auch nicht die vermeintlich guten Taten. Sondern, dass Gott mich kennt und liebt, und dass selbst meine Fehler IHN nicht vom Thron werfen. Ich darf Lernende sein in dieser Welt, ich darf wie ein Kind an der Hand seines Papas alles versuchen, ausprobieren, verschönern, wieder aufstehen, bekennen und in allem gewiss sein, dass die Welt nicht von mir abhängt und dass Gott trotzdem durch mich ein Stück seines Königreichs baut.

Kratzer an Autos können repariert werden.
Irgendwann werde ich diesem Ereignis barmherziger gegenüberstehen.
Und doch will ich eine Lernende bleiben. In all den Situationen, in die Gott mich stellt. Ich möchte nie glauben, dass ich alles begriffen habe – sondern immer auf dem Weg bleiben. Ganz nah an meinem Schöpfer.

Am Ende meines Lebens werde ich vielleicht mit aufgeschürften Knien, Wunden, Narben und Verletzungen an der Tür des Himmels knien. Und Gott wird einfach „Willkommen zu Hause“ sagen und mich in die Arme nehmen. Eine ganze Ewigkeit lang.

HELLWACH für den Nächsten…

Ich bin so müde. So als ob jemand den Stecker gezogen und noch mal alles auf Null gesetzt hätte. Nach drei Wochen intensivem Lachen und Feiern und Hoffen und Beten und Planen und totaler Konzentration fährt auf einmal alles runter – ein kurzes Reset, ein kurzes Aussteigen, weil der Körper einfach sagt: Ich brauche eine Pause.

So fühle ich mich heute an meinem ersten Tag zurück im Alltag nach drei Wochen Projekt „Schultour“ – mit dem herrlichen Titel „Hellwach“. Und nun beginne ich zu reflektieren und zu sortieren. Das fällt meinem Herzen so schwer. Zu aller erst ist da ein kleiner fieser Schmerz, der mir immer wieder sagt: „Es ist vorbei! Es ist nicht mehr.“
Der Alltag, der mich in die Normalität zurück zwingt, ist oft auch ziemlich brutal. Es liegt hinter mir gewonnenes neues Land, neue Freundschaften und neue Erfahrungen. Ich schaue mir die Fotos und Videos an und will gar nicht weiter gehen, dabei ist mein Alltag ebenfalls gut und wertvoll. Ich bin immer noch umgeben von Freunden und Familie, von Dingen die kostbar sind und meine Aufmerksamkeit brauchen. Aber Abschied fällt schwer und das Herz, ja das Herz, hängt sich so gerne an das, was es nicht halten kann.

Ich will euch ein wenig davon mit geben, was wir in elf Schulen erlebt haben, wie sehr Gott mein Herz berührt und mich verändert hat. Gott redet immer und immer wieder und er will nicht nur mein Umfeld sondern zu aller erst mich verändern.

Schultour – was ist das eigentlich?
Kurz erklärt: Ich arbeite in der offenen Jugendarbeit
http://www.your-juca.de
in unserer Stadt. Diese wird von verschiedenen Evang. Freikirchen getragen und finanziert. Wir wollen den Jugendlichen dieser Stadt einen Ort bieten, wo sie sich einfach mit ihren Freunden treffen können. Da wo gebraucht, stehen wir als Freunde und Wegbegleiter zur Verfügung. Es gibt Gesprächsmöglichkeit und wo nötig auch Lebensberatung. Die Arbeit ist geprägt von unserem christlichen Glauben, denn Jesus war immer bei den Menschen und hat sie da abgeholt wo sie waren. Wir sind keine Kirche und doch leben wir gemeinsam Kirche.
Wir machen verschiedene Projekte mit und für Jugendliche. Die Schultour mit anschliessendem Festival (#YOUTHNITEDFESTIVAL) ist wohl unser größtes Projekt und hat vor fünf Jahren ganz klein mit der Band Solarjet aus Österreich gestartet…. Wir sind in den Schulklassen unterwegs und bieten den Schülern und Lehrern die Möglichkeit mit den Musikern ins Gespräch zu kommen und ihre Fragen zu stellen. Wir glauben, dass in jedem Menschen Träume schlummern, die man mal ab und an was herauskitzeln muss. Wir wollen ermutigen und Beziehungen zu Menschen bauen. Musik ist immer ein Brückenbauer und verbindet Menschen miteinander. Aber auch die Gespräche in den Klassen tragen dazu bei, dass junge Menschen sich aufmachen aus Dunkelheit aufzustehen und wieder an ihren Träumen festzuhalten.
Wir sind keine Missionstruppe, die Antworten auf Fragen gibt, die nicht gestellt werden. Aber wir glauben, dass Gott, der in uns lebt, der größte Ermutiger ist und die Menschen liebt – viel mehr als wir das selber je könnten.
Damals (vor fünf Jahren) war es sehr schwierig, die Schulen für dieses Projekt zu gewinnen. Mehr und mehr ist aber Interesse an den Schulen da und wir sind dieses Jahr schon zum dritten Mal mit zwei Bands unterwegs. Dieses Jahr mit #Solarjet (A) und #JACKSAYFREE (CH).

Und hier sind meine persönlichen Erfahrungen… ein Stück Reflexion für mich selber und in der Hoffnung, dass das was gut begonnen hat, nicht einfach so im Sande verläuft:

Was mich jedes Mal im Besonderem begeistert ist die Begegnung mit Kindern und Jugendlichen an Förderschulen, daher bekommen diese im ersten Abschnitt eine kleine Plattform.

Ich blicke zurück auf den Tag an der Förderschule in ****** . Wie immer gestalteten wir die Unterrichtsstunden mit Fragen und Antwortspielen, Vorstellungsrunden und Musik. Die Lehrerin, die sich an dem Tag um alles kümmerte, meinte am Ende, dass es bemerkenswert war, dass mit der Aktion der Schultour ALLE Klassen von der ersten bis zur zehnten Klasse angesprochen werden konnten.
Am Ende tanzten wir alle ausgelassen beim Konzert. Dass es dabei alles fast friedlich ablief, können wir nur Gott verdanken. Die Kids an der Schule sind alle aus dem Grund da, dass sie auf emotionaler Ebene viel Förderbedarf haben. O-Ton der Lehrerin hierzu war, dass die Lehrer all die Erziehungsarbeit machen, die die Eltern zuhause nicht leisten oder nicht leisten können. Sie meinte, dass es sich hierbei um „schwer erziehbare Kinder und Jugendliche handelt“.

Viele von ihnen waren immer wieder aggressiv und beim Konzert erlebten wir einen Moment als drei Jugendliche begannen, sich gegenseitig auf den Boden zu schmeissen und agressiv zu werden. Die Lehrer waren sofort zur Stelle um die jungen Leute auseinander zu halten und auch von unseren Jungs konnte jemand eingreifen. Danach ging dann alles ruhiger weiter.
In einer Klasse war eine Lehrerin (selbst Christin) die meinte, dass wir ja gar nicht so von Jesus reden würden und dass sie es gut finden würde, wenn die Bands mehr von ihrem Glauben erzählen, weil das für die Kids gut wäre. Da kommt man dann erstmal ans Nachdenken (wie bei allem Feedback was man so bekommt)
Was wir nicht wussten war, dass parallel in der Klasse wo die Österreichische Band SOLARJET den Unterricht gestaltete, Fragen von den Schülern nach Gott, Motivation der Bands und Glauben aufkam. Es waren Fragen, die Schüler stellten und die beantwortet wurden. Die Jugendlichen waren interessiert und am Ende sogar von den Antworten begeistert. Wie gut kann man doch sähen, wenn da guter Boden ist.
JACKSAYFREE (unsere Schweizerband) macht immer ein Frage – Antwort Spiel und fragt z.B. : „Was meint ihr: Wer von uns aus der Band war schon mal im Gefängnis?“  Wenn wir vorher nicht die Aufmerksamkeit der Kids hatten, danach haben wir sie auf jeden Fall 🙂.
Nach ein paar lockeren Sprüchen klärt die Band dann auf, dass zwei von ihnen im Gefängnis arbeiten oder gearbeitet haben und Licht ins Dunkel der Menschen dort bringen möchten, neue Hoffnung und Interesse an ihrem Leben. Dann kann man über Werte, über Liebe und über „einander sehen“ sprechen, und wir sähen. Wir sähen eigentlich die ganze Zeit. Gott schenkt alles weitere. Wir erlebten Blödes und Bewahrung ebenfalls zur gleichen Zeit. Unser Auto ist direkt morgens in ein Metallgartentor gerollt, weil die Handbremse nicht angezogen war. Müdigkeit, Unkonzentriertheit und vielleicht einfache Verpeiltheit hatten diesen Vorfall ausgelöst. Trotzdem sind wir auch dankbar, dass das Auto nur ins Gartentor gerollt ist (worauf man natürlich auch hätte verzichten können) aber es hätte auch woanders hin rollen können. Schlimmeres wurde verhindert. Trotzdem ist dies natürlich ein ziemlich blöder Vorfall, der einfach Nerven, Zeit und Geld gekostet hat. Ich war für den Morgen für die Moderation in den Klassen eingeteilt, hab dann aber an meinen Mann Andre übergeben und hab die Sache mit unserem Auto geklärt. Ohne Handbremse parken – ich weiss: Keine gute Idee! Keine Ahnung was da los war. 
Als ich später wieder in die Klasse kam, setzte ich mich leise auf einen der freien Tische neben ein Mädchen, dass in sich zusammengesunken da sass. Vielleicht um den eigenen Schreck des Vorfalls zu verdauen oder auch einfach, weil Kommunikation eins meiner Leidenschaften ist, hab ich sie leise angesprochen, wer sie denn ist und hab mich direkt mit vorgestellt (ich sass ja auch schliesslich auf ihrem Tisch, da fand ich eine Vorstellung doch mehr als angebracht). Auf jedenfall haben wir uns kurz unterhalten und ein wenig angefreundet. (Ja und wir haben den Unterricht was gestört 😏. )Was ich nicht wusste war, dass dieses Mädchen die einzige war, die sich in der Klasse nicht vorstellen wollte und total in sich gekehrt da saß. So konnten wir sie trotzdem mit rein nehmen und sie war mit ein Teil der Sache. Das wäre vielleicht nicht passiert, wenn ich nicht völlig ahnungslos zu spät in die Klasse gekommen wäre. (Trotzdem kann ich auf Autos in Metallgartenzäune dankend verzichten – aber es war einfach so ein passender Moment- Gott nutzt selbst unsere Fehler…).
Während dem Konzert habe ich mit einem Mädchen und einem 9 Jährigen Jungen getanzt. Ich, das Mädchen neben mir und der Junge Jack neben dem Mädchen. Er hatte voll Spass und lachte die ganze Zeit. Irgendwann merkte ich, dass ich einen Splitter im Finger hatte, drehte mich kurz weg um den Finger zu untersuchen. Der kleine Jack kam sofort auf mich zugesprungen und frage besorgt: „Ist irgendetwas nicht in Ordnung? Hast du was?“ Und ich schaute ihn nur verdutzt an: Was hatte ich da für einen empatischen 9 Jährigen Jungen vor mir, der sich so besorgt um eine Person kümmerte, die er doch gar nicht wirklich kannte. Und wie konnte er das so mitbekommen? Er stand ja gar nicht direkt neben mir.
Hab ihm das dann auch direkt gesagt, weil ich denke, dass wir uns zu selten sagen, was wir aneinander wundervoll finden.


Schwer erziehbar und emotional vernachlässigt, schwierig und aggressiv… – das war die Beschreibung für unser „Publikum“ an der Förderschule… Aber auch und zu allererst: Menschen mit Wert vor Gott und in dieser Welt. Vielleicht unterschätzt aber trotzdem wundervoll. Wir haben viele solch emotional packenden Dinge erlebt

Was mich an der gesamten Zeit, in der wir als Team von ca. 18 – 28 Personen unterwegs waren, mehr als einmal zu Tränen gerührt hat, war dieser Teamgedanke. Jeder hat an dem Platz an dem er / sie stand unglaubliches geleistet. Wir haben zusammen gearbeitet, gelacht, geredet und getanzt. Wir haben einander gesehen und geholfen. Das ist nicht selbstverständlich, da wir doch alle sehr unterschiedlich sind und uns teilweise sonst selten sehen.

Und ein anderer Punkt, der mich sehr herausgefordert und verändert hat war, dass Gott selbst meine Fehler mit in seinen Plan einbezogen hat. Dass er nur will, dass ich ihm meine Kraft und Fähigkeit zur Verfügung stelle. Dass die Liebe das wichtigste ist und dass ich Begabungen habe, die vielleicht kein anderer hat und, dass ich nicht alles machen muss und nicht in allem gut sein muss. Mehr das tun, was mir sowieso leicht fällt. – hier kommt wieder dieser Teamgedanke zum Tragen, denn am letzten Tag in der Schule in Köln war das mein AHA Erlebnis und ich bin dankbar, dass ich es Gott wert bin, dass er mich formt und leitet. Ich will nie passiv werden und nie aufgeben zu lernen, sondern immer wachsam sein für Gottes Reden. #großeTräume beginnt da, wo ich nicht mehr kann, wo ich Gott meine Ohnmacht gebe und meine Überheblichkeit, alles selbst zu schaffen. Da wo ER demütigt, ist kein Platz für Scham und Angst, sondern nur für seine Liebe.

Ich hatte am letzten Tag der Schultour neben der Aufgabe der Moderation auch die Teamleitung bei unserem Einsatz an der Schule übernommen. Dies beinhaltete die Absprache mit den Lehrern vor Ort, den Gesamtüberblick, dass alles pünktlich aufgebaut ist, dass wir alles dabei haben und alle im Team vernünftig arbeiten können. Wo die Fäden in der Schule sonst immer bei meinem Mann André zusammen liefen, übernahm ich es an diesem Morgen- denn André war ja beim Aufbau für das anschliessende Festival. Was konnte schon schief gehen🤷‍♀.
Die erste Amtshandlung der neuen Teamchefin 🤪 war es, weise Entscheidungen für den Hinweg zu treffen… die Fahrt nach Köln gegen 8.00 Uhr macht man am besten über Land (da war ich mir sicher), damit man eventuellen Stau umfährt. Und so tuckerten wir mit unserer Schweizerband jacksayfree in Kollonne über die Dörfer….

… bis Leverkusen und fuhren dann auf die Autobahn weil ich dachte, DAS wäre eine tolle Idee. War es aber nicht  😉, hinter mir unsere Schweizerfreunde – hoffend, dass ich den richtigen Weg kannte und wir nicht im Stau stehen würden.

Dann fuhr ich auch noch auf die falsche Autobahn und wir waren auf dem Weg zurück nach Burscheid. 🙈
Heute lache ich drüber – an dem Morgen lachte ich nicht. Denn wir hatten noch 15 Minuten Zeit um nach Köln zu kommen bevor der Unterricht beginnen sollte. Wir waren aber leider wieder am Anfang unserer Reise 🧳

Der Rest des Teams war bereits vor Ort, konnten aber nicht komplett beginnen weil ich ja die Schweizer „im Gepäck“ hatte 🙈.
Der Weg über die Autobahn (nun dann doch mal Richtung Köln) klappte innerhalb einer halben Stunde (🙏 hätte also von Anfang an gepasst über die Autobahn zu fahren…) und als wir dann endlich an der Schule parkten und zur Schule hetzten, stand unser Freund Patrick vom JUCA Team da, nahm uns in Empfang und schob uns in die Klasse. So chaotisch dieser Tag auch begann, Gott hatte uns als Team da hingestellt und jeden an seinem Platz gebraucht. Ich war in diesem Moment einfach mehr denn je froh, nicht alleine mit der Verantwortung da zu stehen. Nicht gucken zu müssen, in welchen Raum wir jetzt sollten und wo wir danach weiter hin mussten. Zur Sicherheit hat Patrick uns nämlich danach abgeholt.


Wir waren zu spät in der Klasse, ich innerlich total fertig und fühlte mich als absolute Versagerin an diesem Morgen. All die Zweifel und Selbstverdammnis, die sich in meinem Herzen breitgemacht hatte, kann und will ich gar nicht teilen. Aber es waren viele und es fühlte sich nicht schön an. Die Band hechtete noch schnell zu den Toilettenräumen und so stand ich erstmal allein in der Klasse mit all den 11 Jährigen Kids, die mich gebannt und erwartungsvoll anschauten. Und was soll ich sagen: In diesem Moment verliessen mich alle Selbstzweifel. Ich hatte eine so große Liebe für die Klasse, die vor mir saß. Mir kamen sofort Ideen, wie ich die Schüler mit in die Unterrichtsstunde einbinden konnte.
Wir haben z. B. immer kleine Wasserflaschen dabei, so dass die Bands zwischen Interview und Musikstücken etwas zum Trinken da haben. Um der Verschwendung entgegenzuwirken, hat sich in unserem Team ein kleiner Trend entwickelt. Das erste was im Unterricht geschehen muss ist, die Wasserflaschen für die Musiker mit deren Namen zu beschriften. Kein großes Ding – eher irgendwie Routine. Das war ja an diesem Morgen wegen dem Zuspätkommen nicht geschehen und meine Freundin Sara, die an so etwas sofort denkt, war nicht dabei. Jetzt durften dann die jungen Schüler diese kleine Aufgabe übernehmen und später herausfinden, wem von der Band die Flasche gehört. Kein großes Ding…. aber es transportiert Wertschätzung und bezieht die Schüler mehr ein. Und das ist es, was ich mir bei jedem Schuleinsatz so sehr wünsche. Wertschätzung weitergeben und Gott machen lassen.

An diesem Morgen – unser letzter Morgen der gesamten Schultour- waren wir mehr denn je ein Team und hatten bei all der Arbeit noch jede Menge Spass und gute Begegnungen. Gott sagt, dass bei allem die Liebe das Größte ist. Zu allererst seine Liebe, die all mein Denken noch immer übersteigt. Nur er kann eingreifen in traurige Biographien, verhunzte Leben, Selbstverletzung und Gleichgültigkeit! Er macht Kaputtes wieder ganz und Hässliches wieder schön!! Und dann lässt er uns hinausgehen, am besten im Team – als Weggefährten. Vielleicht nicht immer als Schultourteam, sondern auch einfach als Freunde und Familie.
Gemeinsam unterwegs zu sein, heisst HELLWACH für den Nächsten und seine Welt zu bleiben. Und auch mit der Bereitschaft zu lernen und meinen Beitrag zu leisten da wo ich gerade stehe! Auch dann, wenn man mal müde und entmutigt ist – vielleicht gerade dann.

Ich habe nur zwei Begebenheiten erzählt. Aber ich habe noch viel mehr gesehen.
Menschen, die nach Gott fragten, Menschen die einfach da waren. Ich habe viel Treue und viel selbstlosen Einsatz gesehen, habe Hoffnung gesehen und manchmal auch Dinge, die mein Herz ein wenig zerbrochen haben. Mein Gebet ist es, dass ich nie gleichgültig werde, immer lernbereit. Fähig zu vergeben – auch mal mir selber. Den Nächsten zu achten! Die Gesellschaft zu verändern – und bei all dem immer viel zu lachen und zu spielen und Teil einer Gemeinschaft zu sein.

https://rp-online.de/nrw/staedte/hueckeswagen/zwei-bands-besuchen-die-foerderschule_aid-39480585

Heiliger Moment….

Eigentlich wollte ich gerade schlafen gehen, ausruhen um bereit zu sein für die nächste Woche mit ihren Herausforderungen an mich und meine Leistungsfähigkeit. Ich hab meine Kopfhörer aufgesetzt und wollte nur kurz ausprobieren, ob das mit der Bluetooth Verbindung klappt. Und plötzlich war ich gefangen in der Welt von Liedern und Textern und beruhigenden Melodien… Tränen laufen ohne erkennbaren Grund und jeder, der mich jetzt sieht, denkt sich nur: Das Mädel braucht dringend Hilfe! 😉

Dabei sind es nur diese Worte, die zu mir dringen und mich kurz aufhalten in meinem Lauf in dieser geschäftigen Welt. Worte, die mich treffen:
„Alles wird gut,“ spricht der Schöpfer so tief in mein Herz, dass es sich wie Lobpreis anhört, obwohl ich doch eigentlich nur schlafen gehen wollte. Dabei waren da keine großen Nöte vorhanden – nur die alltäglichen, die sich eh nicht vertreiben lassen.
Da waren ein paar Worte, die mich aufforderten dieses Leben zu umarmen, langsamer zu gehen, zu lieben und mich lieben zu lassen. Es waren ein paar Worte, die sagen, dass Gott trägt auch in der nächsten Woche. Dass da ein Gott ist, der in der Langeweile hält genauso wie in der ständigen selbst ausgewählten Überforderung; der Wege bestätigt und Wege offen hält. Jemand, der noch da ist, wenn das Licht ausgeht und Wege unklar bleiben.
Er zeigt mir auf, dass Menschen in meinem Leben sind, die auch morgen noch da sind. Jemand, der nicht nur Hoffnung gibt, sondern die Hoffnung selber ist. Jemand, der Begabungen gibt, die ich ohne Hast und Schwere einsetzen darf.

Und ich lasse mich kurz fallen und schliesse die Augen – denn irgendwie ist das gerade ein heiliger Moment. Ein Moment, der mir Leben einhaucht und aufrichtet, der mich so tief durchdringt, dass ich das Atmen kurz vergesse.

Wenn ich jetzt schlafen gehe, dann in der Gewissheit, dass ich Kind Gottes bin. Mit all dem was ich mitbringe, was ich trage und auch mit all dem, was ich nicht loslassen kann. Gewissheit, die mich einhüllt in eine Decke der Liebe und Kraft, die ich von mir selbst nicht haben kann.

…. und ich höre das Lied zu Ende.

„Unmöglich ist viel, viel ist groß – wir sind größer….“
(Brücken zum Mond / Tagträumer) Songtext: Brücken zum Mond

Manchmal braucht es nicht viel für solch einen heiligen Moment. Und er ist heilig, weil er mich dazu bringt, meine verdreckten Schuhe auszuziehen um vor Gott zu stehen und ihm einzugestehen, dass ich ohne ihn nichts kann und mit ihm und durch ihn zu all dem fähig bin, was er mir in diesem Leben gibt. Ohne Druck und ohne Hast – einfach so als geliebtes Kind in seinem Königreich, das schon längst da ist.

So plötzlich wie der Moment da war, ist er auch wieder weg… ich tauche wieder auf in der Gegenwart und schreibe noch auf um selbst zu glauben, was ich erlebt habe.
Ich hoffe, dass ich etwas von diesem heiligen Moment mit in die neue Woche nehme und dass ich verändert bin, verändert lebe und nicht vergesse, dass Gott immer da ist.
Ich wünsche dir solch einen heiligen Moment, der dich trägt und laufen lässt… gerade das was du momentan brauchst.

So, und jetzt geh ich trotzdem mal schlafen 😉

„diese besondere Zeit im Jahr“

Überall sehe ich Lichter in dieser Vorweihnachtszeit, ich höre die kitschigsten Weihnachtslieder, tanze bei jeder noch so kleinen Schneeflocke wie eine Irre durch die Strasse und freu mich über all das bunte Treiben um mich herum, besuche Weihnachtsmärkte und geniesse diese „besondere Zeit im Jahr“.
Ich gebe zu, dass ich ein absoluter Fan von diesem ganzen Weihnachstrubel in Deutschland bin. Mich kann man damit NICHT jagen. Ich freue mich tatsächlich sehr darüber! Als ich ein Jahr in Südspanien lebte, war es tatsächlich die deutsche Advents und Weihnachtstradition, die ich vermisste – neben noch so ein paar anderen Sachen 😉
Und doch, wenn ich so über das ursprüngliche Weihnachtsfest nachdenke, dann hat diese Tradition, die wir hier mehr oder weniger leben, so gar nichts damit zu tun – also so gar nicht.
Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einem Gott, der seinen Sohn in diese kaputte Welt schickt, weil er dem Menschen nah sein will. Jesus im stinkenden Stall geboren, direkt danach mit den Eltern auf der Flucht während der Kindermord von Bethlehem stattfindet.
Und die Engel auf den Feldern singen: Ehre sei Gott!

Wenn Weihnachten nur ein Winterfest mit Lichtern und Geschenken wäre, dann wäre es ganz nett zum Ende des Jahres. Und für viele ist es das auch. Und ich verstehe es zu gut.

Aber für manche ist diese „besondere Zeit im Jahr“ gar nicht so besonders. Da erinnert eine Zeit, in der es so sehr um das Beisammensein in der Familie geht auch daran, dass man diese Familie vielleicht gar nicht hat – oder sich jetzt nicht unbedingt mehr leiden kann als sonst im Jahr. Gerade an Weihnachten alleine oder arm zu sein, wird dann noch einmal schlimmer – auch wenn es das ganze Jahr doch genauso schlimm sein muss allein oder arm zu sein.

Unsere Kinder haben in der Adventszeit viele tolle Angebote im Kindergottesdienst und im Kindergarten. Sie wissen alles über die Geburt Jesu – und auch über den Weihnachtsmann , der ihnen die Geschenke bringt (oder Mama und Papa – mein Sohn ist sich da schon jetzt nicht mehr ganz sicher und er ist erst fünf).

Der Schlager auf den letzten Weihnachtsgottesdiensten war bei meinen Kindern immer:
Happy Birthday dir mein König – Jesus, jetzt ist wieder dein Geburtstag! Wir feiern deinen Ehrentag!

Vielleicht, wenn wir uns wieder mehr auf das Geburtstagskind Jesus besinnen und uns darum kümmern, dass es SEIN Ehrentag ist. Vielleicht verliert sich dann der ganze Druck rund um das perfekte Weihnachten. Weil Jesus sich keinen perfekten Weihnachtstag von uns wünscht. Weil er sich wünscht, dass wir einfach bei ihm sind. Weil das seine Gnade ist, mit der er uns begegnet.
Und vielleicht macht er uns dann etwas gnädiger UNS gegenüber, die wir so hohe Erwartungen an das Fest haben. Oder auch gnädiger dieser ungnädigen Welt gegenüber, in der wir nun mal leben und mit der wir vielleicht dieses Fest auch „feiern“ müssen…
…. Dass nicht alles abhängt von diesem Weihnachtsfest, dass wir auch Fehler machen dürfen – und dass dann Weihnachten nicht verdorben ist. Und, dass es Jesus nach Weinachten noch gibt, dass er noch viel mehr mit uns vorhat als nur an diesem Tag. Und dass er unser Herz mit dem Frieden füllen kann, von dem die Engel auf den Feldern gesungen haben.

Es gibt ein Lied, dass ich die letzten Tage immer höre
„Jesus – Wunder von Weihnachten (von Thomas Klein)“

„Es ist das Wunder, dass du zu uns kamst als Hoffnung für die Welt. Es ist das Wunder, dass du alles nahmst was uns fern vom Vater hält.“

Ich bin so beruhigt, dass Weihnachten mehr ist als das, was wir in unserer Zeit daraus gemacht haben. Und ich bin so beruhigt, dass Weihnachten weiter geht nach den Feiertagen. Dass wir an Weihnachten den Geburtstag von Jesus feiern -er aber auch im Rest des Jahres unser Freund und Bruder sein kann. Auch wenn die Geburtstagsparty für den Retter was daneben gegangen ist, haut ihn das nicht vom Thron…. 🙂

Das nimmt mir persönlich etwas Druck aus dieser „besonderen Zeit im Jahr“ – und ich kann es entspannter geniessen. Auch wenn diese Zeit mal traurig ist, oder Erwartungen nicht erfüllt werden oder Streit da ist. Wenn die Weihnachtsmärkte abgebaut, der Tannenbaum abgeschmückt und die Deko wieder im Schrank verschwindet, dann ist Jesus noch da.
Und dafür bin ich dankbar!

Alles Liebe euch! Für Weihnachten! Aber auch für heute und morgen und überhaupt!

Advent, ich hätte dich fast verpasst…

Es war am letzten Dienstag

Wir fahren morgens durchs Wohngebiet Richtung Kindergarten und unser Sohn Jim ruft: „Mama, guck mal! 
Die haben ganz viele bunte Lichter im Fenster. Blink, Blink!!“
Mein Sohn springt vor Begeisterung fast aus dem Auto und mein Mann meint nur: “ Das ist wohl…. Geschmacksache!“ – Wollte ich auch gerade sagen.
Wir fahren weiter und mehr und mehr geschmückte und blinkende Weihnachtsbäume und Lichterketten säumen unseren Weg….

„Ich versteh das nicht,“ mische ich mich in die Begeisterung meines Sohnes ein. “ Diese ganzen geschmückten und leuchtenden Weihnachtsbäume und Girlanden – das geht dieses Jahr viel zu früh los. Es gibt doch die Regel, dass man erst NACH Totensonntag die Lichter anzünden soll. Selbst der Weihnachtsbaum in der Stadt brennt bereits.“
Mein Mann guckt mich irritiert an: “ Angie, Totensonntag war letztes Wochenende.“
Ich lasse mich definitiv und grundsätzlich nicht von Tatsachen verunsichern – und meine nur: „Quatsch, Schatz! Totensonntag ist jetzt am Wochenende!“
„Nein,“ erwidert er tatsächlich völlig überzeugt: „Am kommenden Sonntag ist der erste Advent!
Fast wäre ich vor Schreck in den nächsten blinkenden Schneemann gefahren.
„Ernsthaft?!“ Das kann nicht sein: Ich hätte fast den ersten Advent verpasst – in der absoluten Überzeugung, dass noch kein Advent sein kann…

Aber der Advent findet statt- auch dann, wenn ich noch völlig andere Dinge im Kopf habe und es noch nicht reinpasst in meinen Plan.
Der Advent – Jesus kündigt sich an- immer wieder.  Eine christliche Tradition, abendländlich, vertraut, familiär.
Das Weihnachtsfest kommt und es lässt sich nicht aufhalten, auch wenn es gerade nicht in mein Lebenskonzept passt. Auch dann nicht, wenn ich es vor Stress und Hektik gerne ein paar Wochen oder Monate nach hinten verschieben möchte. Es findet statt, auch wenn mir vielleicht nicht danach zumute ist.
Verständlicherweise, weil es vielleicht das erste Weihnachten ohne einen geliebten Menschen ist, ein erstes Weihnachten in der Fremde, ein erstes Weihnachten allein oder mit einer Familie, die ich eigentlich schon im Alltag nicht mag.

Wir können den Advent eigentlich kaum verpassen, denn überall leuchten Lichter in den Straßen, laden unzählige Weihnachtsmärkte zum Verweilen ein.

„Advent, Advent ein Lichtlein brennt.“

Und dann kommen die Spendenbriefe, die Aufforderungen, Gutes zu tun und allen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten. Gerade denen, die es gerade nicht gut haben. Und dann wird die Zeit vor Weihnachten und das Fest manchmal auch zu einer Prügel ins Gewissen, zu einer Keule, die über unseren Köpfen kreist und uns zuraunt: Tue Gutes! Es ist Weihnachtszeit!

Ich kann verstehen, dass manche Menschen mit dem Weihnachtsfest und dem ganze „Drum Herum“ nichts mehr anfangen können und, dass „Advent“ keine freudige Erwartung auf das Christenfest wird, sonder eher ein Hetzen von einer zur nächsten Weihnachtsfeier. Und, dass wir über Geschenke oder Spendenmöglichkeiten nachdenken, obwohl vielleicht das Geld gar nicht mehr reicht oder wir schon vor den Jahresrechnungen im Januar bangen.

Und ich frage mich, brauchen wir diese Zeit eigentlich? Sollten wir nicht immer darauf bedacht sein, Gutes zu tun, zu spenden, Leute zu uns einladen und ihnen einen schönen Abend ermöglichen. Sollten wir uns das Jahr über nicht immer wieder mal beschenken, weil wir den anderen mögen? Und sind Kerzen und Lichter und nett geschmückte Wohnzimmer nicht immer eine Freude und machen das Nachhause-kommen einladender?

Advent, ich hätte dich fast verpasst.
Und ich hätte es schade gefunden, denn ich liebe diese Zeit trotz all der  Verpflichtungen und dem Stress, der sich immer mal wieder seinen Weg zu mir bahnt.
Ich liebe auch Weihnachtsmärkte, Glühwein, Geschenke unterm Baum, die leuchtenden Augen unserer Kinder, Weihnachtslieder rauf und runter, Bräuche und womöglich Schneechaos, dass man nur noch zu Fuß unterwegs sein kann.
Tatsächlich bereitet mich auch das auf Weihnachten vor.

Diese ganze Geschäftigkeit erinnert mich an Filme, in denen es um die Ankunft eines Königs geht. Es wird vorbereitet, alles hergerichtet und herrlich geschmückt. Klar geht es laut und schroff zu und manchmal weiss man auch nicht mehr, wofür das ganze. Aber die ganze „Welt“ ist auf den Beinen. Alles rennt und hastet und weiss manchmal auch nicht wohin.
Aber stellt euch vor: Der König kommt!
Wir sind mal vor einigen Jahren bewusst zur Nachmittagszeit am Heiligabend durch die Innenstadt von Wermelskirchen gegangen.
Es war ein Werktag! KEIN Mensch war unterwegs, alle Geschäfte hatten geschlossen, die Lichterketten taten was sie tun mussten und es fing leicht an zu regnen. Ich habe die Stadt noch nie so leer erlebt und es war irgendwie ziemlich beeindruckend. Ich habe kurz die Luft angehalten.
Der König war da! Für mich! In diesem Moment! Menschen waren in der Kirche oder zu Hause. Aber die Geschäftigkeit der letzten Wochen war vorbei. Advent war beendet – der Heilige Abend war in diesem Moment wirklich irgendwie heilig für mich… Das war besonders!

Ich will das ganze Jahr über bewusst und aktiv das Gute leben und hoffe, dass es mir vielleicht ab und zu auch gelingt. Ich möchte die Hand reichen, wenn keiner meine große Tat bewundert. Ich will Gastfreundschaft leben und andere Menschen willkommen heißen…
Ich möchte dann und wann eine Kerze aufstellen  – auch mitten im August, weil Nachhause-kommen immer einladend sein sollte.

Aber in dieser Adventszeit will ich es trotzdem noch einmal intensiv leben, will mich auf die Ankunft meines Königs vorbereiten, will die christliche Tradition und eine Liebe zu diesem Jesuskind an unsere Kinder weitergeben.
Und ich will gar nicht raus aus diesem Hamsterrad, will gar nicht fliehen vor dem Stress und der Hektik um mich herum. Aber ich will mir bewusst werden:
Totensonntag ist vorbei! Lasst uns das Leben feiern. Lasst uns am ersten Advent eine Kerze anzünden und uns vorbereiten auf die Ankunft des Königs.

Und vielleicht zünden wir dieses Jahr ganz bewusst jede Kerze am Adventskranz an und sagen:
„Willkommen mein König!
Ich mach vielleicht nicht alles richtig in diesem Jahr zur Weihnachtszeit –
aber du kommst. Zu mir! Danke“

 

Gedanken an Gott…

Herr Jesus,
Ruhig will ich werden,
Mehr inne halten und Rast machen,
Luft holen
Und wieder ausatmen.
Denn du bist Gott!
Und ich muss es nicht sein.
Vorbereitet sind die Dinge,
Die ich tun soll,
Eingebettet in deinen Masterplan.
Gelesen hab ich das oft,
Aber das Herz weigert sich,
Daran zu glauben,
Denn es kennt eigene Wege,
Die auch zum Ziel führen
Aber deinen Frieden nicht kennen…
Gott, begegne mir,
Dann wird alles anders!
Halte mich,
Führe mich,
Lass mich nicht los!
Du bist mehr als Leben,
Das will ich glauben….

Gedanken zum Sonntag

Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine …
Psalm 139,23 (SLT)

Herr, an diesem Morgen,
Der noch so still vor mir liegt
Da will ich mich aufmachen,
Dir zu begegnen
Kurz anzuklopfen
In der Hoffnung,
Dass du da bist für mich
Und mein Herz
Und meine Zweifel
Und meine Sorgen.

Dann wünsche ich mir,
Dass du mich veränderst
Und prägst,
Dass deine Sorgen um diese Welt
Auch mich interessieren
Und dass deine Liebe für diese Welt
Auch mich erfasst und
Mich mehr tun lässt
Als ich selber könnte
Und selber wollte.

Verändere mich
Und schenk mir Augen,
Die mehr sehen wollen
Als nur mich und mein Streben.

Gib mir ein Herz,
Dass aufsteht gegen Ungerechtigkeit
Und gegen Bequemlichkeit,
Die mich oft so sehr lähmt
Und unfähig zurück lässt.

Prüfe mich,
Ob ich noch auf dem Weg bin,
Den ich doch immer mit dir gehen wollte.
Lass mich lernen,
Dass Lieben wichtiger ist
Als recht zu behalten,
Dass du wirklich fähig bist
Mich und mein Leben zu verändern.

Ich begreife dich nicht
Und doch
Hinterlässt du immer wieder ein Lächeln auf meinem Gesicht,
Eine tiefe Gewissheit,
Dass gut ist wie ich bin
Weil du gut bist. Punkt!

Und an diesem Morgen
Hinterlass ich bei dir
Ein Stück dieser Sehnsucht,
Dieses Leben zu begreifen
Und anzukommen.

Danke, dass du
größer bist als meine kleine Welt.

Eine Welt, die noch funktioniert – doch das tut sie nicht!

Gott, du lässt viel zu in dieser Welt, und ich verstehe es so oft nicht.
Ich denke zu viel und liebe zu wenig. Ich komme nicht nach bei all dem, was diese Welt bietet oder was ich zu bieten hätte.

In all dem Chaos meiner Gedanken schickst du mich nochmal los.:
Du lässt mich in den Arm nehmen, ermutigen, zweifeln und Antworten finden. Du hältst mich fest und lässt mich laufen, du setzt mich ein mit meinen Begabungen und verhinderst nicht mein Versagen.
Du hast mir gesagt, dass ich gehen und mich verschenken soll. Und dann hast du den Rest dazu getan. Den Rest, der das geschafft hat, was ich nie gekonnt hätte.

Eine offene Tür zu Menschen, denen ich so selten begegnen kann, Beziehungen zu Menschen, die ich ohne dein Dazutun nie kennengelernt hätte. Worte, die bleiben und Mut, der sich in meinem Herzen festgesetzt hat und mich näher zu dir bringt. Und bei dem, was ich vielleicht versäumt habe, hast du dein “es ist ok, Tochter” gegeben.

Ich stehe hier und bin dankbar. Dankbar, dass du immer noch Gott bist und ich immer noch dein geliebtes Kind. Und auch dankbar dafür, dass ich Teil einer Gemeinschaft bin, die mit dir unterwegs ist und “die Extrameile” rennt – auch wenn die Kraft schon längst nicht mehr ausreicht. Ich bin sprachlos, Herr vor dir. Auch wenn ich sooft Worte finde.
Danke, dass da, wo ich nicht hin gehen kann, du trotzdem deinen Weg findest. Ermutigt bin ich, dass diese Welt, die nicht funktioniert, immer noch DEINE Welt ist!

In Liebe – Angie

… Gedanken zu unserem Projekt im JUCA 2017
“ NIE ERWACHSEN WERDEN“  – Schultour (weitere Infos im folgenden Video)

https://vimeo.com/226437044