Das Leben ist eine Entscheidung – die Kapitulation einer Mutter

Ich wollte immer Mutter werden, denn ich liebe Kinder.
Aber ich liebe auch meine Freiheit, andere Menschen, meine Ehrenamtsarbeit und meinen Job.
Als ich Mutter wurde kam daher viel ins Wanken und musst neu sortiert werden. Am Anfang habe ich funktioniert, irgendwie überwältigt davon, wie alles gekommen war.  Alte Rollen verschwanden, neue Herausforderungen kamen: Und ich war mittendrin – ein wenig unfähig meine Rolle zu finden und zu geniessen was war. Beim ewigen “ Hinterher Trauern von Altem“ kam ich im Neuen nicht richtig an. Schob weg, was meine neue Aufgabe war, traute mich nicht heran an die Menschen, die mich am meisten brauchten und liebten. Ich stolperte durch das neue Leben, was sich Familie nannte, Mutterschaft und Eltern sein. Ich sah mich um und erkannte all die Menschen, die entweder noch jämmerlicher unterwegs waren als ich oder aber allem Herr wurden, souverän wirkten, glücklich und angekommen.
Mein Stolz gebot mir, klar zu kommen und weiter zu gehen. Mein angeborener Optimismus sah gute Dinge, und doch konnte ich das Leben nicht mehr umarmen.
Ich habe gute Freunde und einen tollen Partner, einen Gott, den ich liebe und viele Aufgaben, die mich nebenher noch ausfüllen – und doch nehme ich mich überall mit hin mit meiner Geschichte und meinen Macken, mit dem „ich schaff das schon allein“.
Ich mag keine Veränderung, auch wenn ich Sie von Herzen brauche. Sie überfordern mich und sie lähmen – und sie kosten so viel Kraft.
Man kann sich arrangieren mit seinem Leben und es hinnehmen. Aber das wollte ich nicht.
Also habe ich eine Entscheidung getroffen. Es war eine Entscheidung, die ich bitter nötig hatte und die mir tatsächlich hilft, jeden Tag als Geschenk anzunehmen, neue Dinge auszuprobieren und wirklich glücklich zu sein. Und aus dieser einen Entscheidung wurden am Ende dann doch ein paar Entscheidungen mehr….

ENTSCHEIDUNG NUMMER 1
Ich schaffe es nicht allein.
Das hört sich fast wie eine Kapitulation an, wie ein Aufgeben, ein Abgeben der Verantwortung. und JA ich schaffe vieles allein – aber ich brauche es nicht.
Seit ich 13 Jahre alt bin, lebe ich mit Gott. Es ist ein „Auf und Ab“ – ein „Herantasten“ und „Wieder Loslassen“, ein „Verstehen“ und „Nichts Mehr Verstehen“, „Getragenwerden“ und „Doch Selber Noch Bestimmen Wollen“. Was ich bei all dem aber immer wieder merke und trotz all den „Ups“ und „Downs“ tief im Herzen weiss: Gott liebt mich und er ist für mich da!
Ich will das nicht immer und ich habe so meinen eigenen Kopf. Aber die Gewissheit, dass dieser Gott mich trägt, nimmt mir die größte Last vom Herzen. Ich muss dieses Leben nicht alleine schaffen. Gott, der die Welt geschaffen hat, Jesus Christus, der den Tod besiegt hat und der Heilige Geist, der in mir lebt und mich führt sind die Realität – und das hält!

ENTSCHEIDUNG NUMMER 2
Mach deinen Tank wieder voll
Jeden Tag laufe ich umher und erfülle Bedürfnisse – meist die von Anderen! Das gehört zum Leben dazu und es macht mir sogar etwas Freude. Und doch merke ich, dass da, wo ich nichts mehr zu geben habe, ich schnell unzufrieden werde mit mir und meiner Welt. Dadurch werde ich ungerecht und gereizt – und bin kein sonderlich angenehmer Zeitgenosse :-(.
Daher gehört die erste Stunde am Tag mir und meinem Gott. Hier komm ich an – meist recht verschlafen und nicht ohne meine geliebte Tasse Kaffe. Aber ich bin da – irgendwie; und ich möchte, dass dieser Gott, der die Welt geschaffen hat, der erste ist, der mich in die Arme nimmt. Er, bei dem ich nichts leisten muss, wo ich nicht aufpassen muss, was ich sage oder was nicht. Er, der mein Innerstes kennt und mich trotzdem unendlich liebt. Hier kann ich ihm die Schuld, die ich gesammelt habe, vor die Füße knallen, muss nicht heilig sein und gefasst – sondern darf stammeln wie ein Kind, traurig sein, wütend und enttäuscht. Ich darf einfach die sein, die ich nun mal bin ohne all das Make Up, ohne all die guten Vorsätze. Ich vertiefe mich in die Lehren, die Gott mir fürs Leben gegeben hat und die nicht einfach verschwinden, nur weil sie nicht gesellschaftskonform sind und ich sie nicht immer mag. Ich lerne die Wahrheit kennen, die Gott über mich und mein Leben sagt: Kostbares, Unbeschreibliches.
Für mich ist die Bibel ein Buch, dass mir diesen Gott näher bringt und mich verändernd zurück lässt. Da fallen mir Berge vom Herzen und ich bin tief im Herzen verändert, denn wer sich geliebt weiss, der kann andere lieben!

ENTSCHEIDUNG NUMMER 3
Authentisch leben
Das heisst, echt sein. Über sich selber lachen können. Nicht alles so furchtbar ernst sehen.
Ich bin ein Liebhaber der Ordnung und Strukturen geben mir Halt. Trotzdem bin ich nur so lange strukturiert bis etwas kommt, das mein Herz aus der Fassung bringt. Und dann renne ich und werfe alles über Bord, tue Dinge die andere verwundern – und doch gehört dieses Chaos genau so zu mir, wie der Sinn nach Ordnung. Das will ich annehmen und lernen und mich auch mal selbst umarmen mit all dem was halt zu mir gehört…

ENTSCHEIDUNG NUMMER 4
Diese Reise geniessen
Meine persönliche Offenbarung als Mama – ich habe einen Alltag, den ich gestalten kann. Diesen Moment gibt es nur jetzt und hier.
Ich kann die ganze Zeit wünschen, dass alles anders ist oder ich kann mich jeden Moment fragen: Was ist denn jetzt gerade das schöne an der Situation.
Letztes Jahr zum Geburtstag meines vier jährigen Sohns hat uns die MagenDarm Grippe heimgesucht und ca. 2 Wochen nicht mehr los gelassen. wir mussten alle Feierlichkeiten absagen. Gefühlt eine Ewigkeit hatte ich zwei kranke Kinder zu Hause, die sich minütlich mit dem Kotzeimer abwechselten. Ernsthaft: Was sollte hier toll dran sein?!
Und dennoch habe ich genau in dem Moment die Entscheidung getroffen, diese Reise zu geniessen und ich habe gefragt: Was kann ich hier denn überhaupt geniessen? Und dann habe ich es plötzlich gesehen: Ich sah meine Kinder an und merkte, dass jetzt kein Anderer hier Platz hatte. (Wer kommt dich schon bei Magen/Darm besuchen – richtig: Niemand! ) Wir waren einfach zusammen und haben den ganzen Tag auf der Couch gelegen und Kinderfilme geguckt. Es gab einmal keinen Alltag – sondern es gab einfach nichts – ausser, dass wir einfach da waren. Diese Zeit war ja nicht toll und auch nicht erstrebenswert – aber ich habe gelernt, nach dem Ausschau zu halten, was in den schlimmen Momenten gut ist und dass hat mich aufgebaut und mir gezeigt, wie wertvoll die Zeit mit meinen Kindern ist

ENTSCHEIDUNG NUMMER 5
Qualitätszeit mit den Menschen verbringen, die mir wichtig sind
Das war wirklich erst mal eine Entscheidung.
Ich habe mich dazu entschieden, bewusst Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Vielleicht fällt das manchen eh leicht. Aber mein Denken war immer so darauf aus, etwas zu leisten und fertig zu stellen, dass ich gar nicht daran dachte, einfach mal zehn Minuten mit meinen Kindern zu spielen. Aber das ist ihnen wichtig. Sie wollen Zeit mit mir haben, nicht bloß im Urlaub oder am Wochenende. Und ich will mich darauf einlassen und mich hinten anstellen und dann wiederum Freude in der Situation finden und dankbar sein für den Moment, der so nicht wieder kommt.
Irgendwann möchte mein Sohn nicht mehr mit mir basteln, dann bin ich nicht mehr der Held, ohne den er nicht einschlafen möchte. Meine Tochter möchte dann nicht mehr auf meinem Schoss gekuschelt „nur noch eine Folge“ Paw Patrol schauen, in der einen Hand die Milchflasche und der anderen das Kuschelkissen. Es wird irgendwann aufhören – weil so der Lauf der Zeit ist. Aber ich will das dann nicht vermissen müssen und wieder herbei sehnen. Ich will die Zeit jetzt mit ihnen verbringen.
Das kostet natürlich. Ich bin für eine Zeit nicht für alle erreichbar. Die Karriere setze ich aus und manche Ämter habe ich abgegeben. Aber ich will nicht durchs Leben hasten und mich am Ende fragen, was ich hätte besser machen können. Ich will jetzt schon Zeit mit den Menschen haben, die ich liebe! Das ist unbezahlbar!
Neben der tollen „Rolle“ Mama zu sein, bin ich aber auch einfach Angie mit meinem besten Freund an meiner Seite, den ich irgendwann geheiratet habe. Ich möchte meinen Hochzeits-Trauspruch jeden Tag aufs neue bewusst leben: „Bedenke, dass du sterben musst, auf dass du ein weises Herz erlangst. (Psalm 90,12)“ Das heisst für mich, dass ich dieses Leben in dieser Welt nicht ewig haben werde. Nicht meinen Mann, nicht meine Freunde und nicht meine Kinder. Deshalb entscheide ich mich auch gegen sinnlose  Streitigkeiten, die uns die Liebe für einander rauben will. Ich will schneller vergeben und an meiner Beziehung und Ehe arbeiten. Am liebsten schon in guten Zeiten, denn dann fällt es bekanntlich am leichtesten.
Das ist und bleibt eine Entscheidung – eine sehr wichtige. Sie lohnt sich.

ENTSCHEIDUNG NUMMER 6
Ich habe nicht unendlich viel Energie
Mal wieder eine Kapitulation – aber eine sehr heilsame
Ich habe eine gewisse Anzahl an Stunden zur Verfügung. Ich habe ein gewisses Grad an Energie, vielleicht mehr oder auch weniger als andere. So wie ich gestrickt bin, so kann ich auch nur funktionieren. Ich muss mir all das einteilen. Heisst für mich: Ich kann nicht alles. und nicht sofort. Ich muss Abstriche machen und das wird Menschen enttäuschen – und ich entscheide auch, wen ich enttäusche!

Es gibt noch viele Entscheidungen, die ich treffe um dieses Leben nicht nur zu schaffen sondern auch zu geniessen. Ein paar habe ich aufgeführt.

Ich bin dankbar für bislang 5 Jahre Muttersein und freue mich auf all die Jahre, die noch kommen. Es waren bis jetzt die prägendsten Jahre in meinem Leben und ich habe noch nie so viel über mich herausgefunden und neu ordnen dürfen.

Ich bin dankbar für so viele zweite Chancen, die mir halfen und immer wieder helfen, den Kurs wieder und wieder neu auszuloten und Gelerntes umzusetzen. Und auch dafür, dass ich so tolle Menschen an meiner Seite habe, mit denen ich gerne unterwegs bin.

 

2 Antworten auf „Das Leben ist eine Entscheidung – die Kapitulation einer Mutter“

  1. Sehr authentisch! So geht es vielen Müttern und herauszufinden, was wichtig im Leben ist, ein lang andauernder Prozess! Angi hat einen treuen Freund, unseren Gott, an ihrer Seite und mit seiner Hilfe ist sie auf dem besten Weg zu einem „ erfüllten“ Leben! Ich wünsche es ihr von ganzem Herzen und auch wenn es Rückschläge gibt: immer wieder aufstehen mit dem Blick nach oben!

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