Luft anhalten …

Heute stand ich mit einem Freund in der Mittagspause zusammen und ich wollte etwas Positives sagen:
„Guck mal, wir haben schon fast eine Woche rum vom November. Wir können alles schaffen.“
Ich denke, das war jetzt ein wenig zu viel Euphorie für den“Lockdownlight-November mit Potential zum regelmäßigen Ausrasten“ und mein Freund bestätigt mir das mit einem vielsagenden Blick, für den es kein Emoticon gibt….

Im Frühjahr hatte ich öfter mal das Gefühl , ich würde auf Dauer die Luft anhalten. Das Gefühl verschwand wieder. Momentan bahnt es sich wieder etwas an:Ich halte die Luft an! Gefühlt

…. und dann wage ich nicht auszuatmen,
neu anzufangen und gutes zu sehen,
ich wollte eigentlich keine schweren Gedanken,
die sollte man eh nicht haben wollen im Herbst,
wo die Seele eher ein wenig zu hängen droht
wo sie sich vorbereitet auf den Winter
und eigentlich mehr Motivaton braucht als gewöhnlich,
wo mehr getan werden muss für das Gute in dir,
für das Melancholische,
das Nachdenkliche.
Aber jetzt bitte nicht!Jetzt bitte nichts Schweres,
denn ich weiss nicht wohin damit,
ich muss soviel denken,planen, überlegen,
mit wem darf ich mich treffen,
dass es mir gut tut, aber nicht ordnungswidrig ist.
Wen trifft dieses #Kackcorona um mich herum
und was sollte ich trotzdem noch wagen.
Wie viel Zerrissenheit erträgt unsere Gesellschaft
und was mein eigenes Herz?
wohin können die Gedanken fliehen,
wenn sie mal nicht zu Hause sitzen wollen
um zu schützen.
Was mache ich mit den Füßen,
die rennen und tanzen wollen mit andere Menschen,
der Mund, der sich -„ach du Schreck“ –
zum gemeinsamen Lied erheben will.
Wohin mit den Gedanken,
die frei sein wollen
und doch nicht mehr so politisch korrekt sind
wie sie es scheinbar immer waren.
Und ich merke:
Der Herbst holt mich ein,
er schenkt mir Melancholie und Schwere.
Aber es fehlen die Menschenwogen,
die das Schwere mittragen.
Es fehlt das Aneinander festhalten,
die gemeinsame Melodie,
das „ohne zu denken“ einfach was machen.
Ich mag die Stille,
aber nur dann,
wenn ich sie mir selber nehme,
nicht dann, wenn ich sie aufgezwungen bekomme.
Gerade schütz ich nackte Menschenleben,
aber irgendwie keine Menschenherzen.

Ich halte die Luft an und geh noch ein Stück
ich dreh mich um und sehe zurück
ich könnte staunen über das was wir bei allem geschafft haben
oder kotzen über all das,
was auf der Strecke blieb.
Und dieses Jahr spiel ich ein wenig mehr den Novemberblues.
Ich erhebe leicht trotzig den Kopf,
denn „trotzig“ kann ich immer.
Und in Gedanken leg ich dann meinen Kopf an deine Schulter
und gebe dir meine Hand
die wir schon lang nicht mehr reichen.
Ich lächle dir zu und ermutige dich
mit mir vom Sommer zu träumen,
mitten im November einmal barfuss zu laufen,
und diese Welt, die nicht mehr ist wie sie sein sollte
doch wieder ein wenig lieb zu haben.
Und während ich das tue,
atme ich langsam wieder aus,
komme an
und finde Schlaf und Kraft für den nächsten Tag!
Ich hoffe, du auch!

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