Papa

Und so findet Trauer ihren Weg.
Sie platzt hinein in die unmöglichsten Momente,
sie wirbelt mich auf,
macht mich wütend,
reißt Tränenkanäle auf und lässt mich alleine zurück.
Sie ist mächtig und grausam.
Mal wimmert sie leise,
mal schreit sie laut wie das tosende Meer.

Und bei all dem sagt sie leise verächtlich:
Ach man: „Hätte“! „Wäre“ und „Wenn“!
Sie erinnert mich an „nicht gesagtes“ und „nicht unternommenes“.
sie frisst von innen. Erbarmungslos, schwer.

Trauer scheint irgendwie unbändig,
und wenn es nur sie gäbe,
wäre die Menschheit nach all ihrem Leid wohl nicht mehr. 

Doch dann kommt die Liebe und mischt sich ein:
Sie gebietet der Trauer kurz Einhalt in ihrem grausamen Treiben,
umarmt die Seele und öffnet das Herz für Erinnerung,
an das was gut war.
Die Liebe erzählt dein Leben,

Sie erzählt sie so gut und barmherzig.
Sie sagt bei Schwerem: Es ist ok!
Und bei allem schönen: Weisst du noch?
Die Liebe legt einen warmen Mantel um kalte Herzen,
Sie gibt wahren Trost.

Den Abschied von dir, Papa
den nehme ich heute nicht zum ersten Mal,
den nahm ich schon leise und trauernd
Als die Krankheit dir mehr und mehr die Würde stahl.
In den Zeiten, in denen du mir soviel gutes sagen wolltest –
Und es nicht mehr konntest.
In den Zeiten, in denen ich nur noch deine Hand halten konnte.
In denen ich da saß und dir beim Schlafen zusah.
In den Zeiten unseres persönlichen gemeinsamen Gottesdienstes,
Wo der Himmel uns seine Melodie vorspielte.

Wo du nicht mehr stark sein konntest,
Wo ich dich tragen musste, und du nicht mehr mich.

In vielem waren wir uns ähnlich:
Die Liebe zu Cappuccino und festen „Kaffeezeiten“,
das habe ich von dir. Das liebe ich noch heute.
Die Begeisterung fürs Filmen.
Dieses Festhalten von bewegten Bildern.
Viel aus meiner Kindheit ist mir noch präsent, weil du es festgehalten hast.
Sachen sortieren und ordnen – auch von dir!
Die Liebe für Jesus und seine Gemeinde -das wertvollste was wir teilten. 

Dein analytisches Denken und dein Verständnis für Mathematik und Physik – naja gut, das wohl eher nicht.
Während du mir in meinen Teenagerjahren geduldig und mühevoll Formeln erklären wolltest,
schmiss ich die Mathebücher durch den Raum.

Viele Menschen teilen wundervolle, lustige und wertvolle Momente mit dir!
Und die Liebe wird diese Erinnerungen bewahren.

Wir werden diese Erinnerungen von Zeit zu Zeit hervorkramen
und sagen: Ach weisst du noch?!
Und dann wünsche ich uns Menschen, die immer noch zuhören,
Die in Liebe zuhören und mit uns Fotoalben wälzen,

Die uns auch annehmen wenn das Bedauern hochkommt,
dass wir nicht noch mehr Erinnerungen schaffen konnten,
dass du so früh gingst und nicht bleiben konntest.

Ich wünsche dir, Papa,
dass du heute mit den Engeln tanzt,
dass du und Jesus gemeinsam über mathematische Formeln philosophiert,
z.B. wie wohl Gott diese Welt geschaffen hat.
Und, dass ihr zusammen lacht und die Ewigkeit gemeinsam feiert.

Danke, dass du hier warst – danke für dich bei uns.

Abtauchen – Auftauchen

Sei tapfer,
Auch, wenn der Schmerz nicht zulassen will,
dass du dich noch einmal erhebst.

Halte aus und glaub daran,
Dass der Schöpfer tatsächlich wusste, was er tat.
Als er dir diese oder jene Gabe gab. 

Sei standhaft,
Auch gegen alle Wellen dieser Welt.
Sei standhaft auch dann,
Wenn jeder um dich herum scheinbar fällt.

Lass nicht zu, dass die Sorge um morgen
Dir deine Kraft fürs heute klaut.

Und wenn die Welt zu viel verlangt,
Und du lieber schreien willst – ja dann
Dann such dir deinen kleinen Himmel auf Erden,

Tauch mal kurz ab und gönn dir
ein Versteck im Kornfeld.

Halte kurz die Luft an und erkenne,
Dass die Welt sich trotzdem weiter dreht.

Neben dem, was getan werden muss,
Gibt es auch vieles, was gelebt werden muss,

Was es aushält, dass du wütend bist,
Dass nicht geht, 
Auch dann wenn du nicht mehr richtig funktionierst.

Sei trotzdem tapfer,
Nur einen kleinen Schritt braucht ´s 
Um nicht stehen zu bleiben.
Nur einmal aufstehen braucht’s
Um nicht den Tag zu verschlafen.
Nur ein Gebet braucht’s, und es wurde zugesagt,
Dass dir der Himmel offen steht.

Und vielleicht kommt im „Gehen“ der Glaube,
Daran, dass nicht vergeblich ist, was wir sind und tun.

Lass uns am Ende Geschichten erzählen,
von dem was war
als nichts mehr ging.
Wenn wir wieder zusammen stehen und die Gläser erheben.
Lass uns neben den Niederlagen auch ein paar Siege bereithalten.
Können ja auch nur ein paar kleine sein.

Lass Hoffnung irgendwie mal was reales werden,
Nicht nur eine verkappte Träumerei von heillosen Spinnern.
Lass uns den Kopf heben, 
Ein wenig waghalsig.

Denn was kann schon passieren,
Als dass die Welt vor Hoffnung explodiert.
Sie hat schon anderes geschafft.

Wenn’s fehlt

Wenn es fehlt die Nähe der Austausch, 

Das kreative Spiel,

Die Gruppenarbeit, 

das Zusammenhocken und Bilder malen,

Singen und sporteln.

Ach, wenn das fehlt:

Dann ist das Kind sehr entschlossen,

Dann sagt es: 

Ich geh nicht mehr hin

Ich will da nicht sein.

Schule ist so nicht mehr so schön🙁.

Ein kleines Herz, das Altes herbei sehnt und Alltägliches fordert, 

Das nicht hinnehmen will, obwohl ich sage: Es muss!

Und so erbaue ich Schlösser aus Märchengeschichten,

Bau die Welt einmal neu 

aus Steinen und Stöcken 

Singe die Lieder der kleinen Meister der Künste,

Umarme und heile 

Die Welt einmal neu! 

Ob es reicht?

Ich kann nichts erschaffen,

Was es grad nicht gibt.

Ich hab es versucht,

Aber es klappt nicht so gut.

Und wir schreien gemeinsam gegen Wut und Enttäuschung,

Gegen: Muss wohl!

Und: Halt durch! 

Und all diesen Kram.

Und wir bleiben gemeinsam 

Machen Fehler, verzeihen. 

Und wenn auch vieles nicht gut ist,

gut ist, dass wir sind.

Gut ist es MIT DiR 

in diesem Chaos 

dieser grade so heillosen Welt!

Sei mutig!

Sei mutig,
wenn du raus gehst in die Welt.
Sei mutig und sprich an, 
was niemand mehr ansprechen will.
Trau dich heraus aus deiner Komfortzone.
Mach es auch mal anders als andere,
wenn es das einzige ist, was dein Herz aushalten kann.
Renn, 
wenn es das braucht.
Steh still, 
auch wenn alles durchdreht. 
Sei mutig und trau dich, 
Unrecht anzusprechen,
Gefühle zu äussern,
zu weinen und zornig auf das zu sein, 
was sich nicht so einfach ändern will.
Hab eine Stimme für das, was du siehst,
Versteck dich nicht mit deinen Gaben und den Wundern, 
die nur DU in dir trägst.
Sing die Lieder,
die tief in dir schlummern.
Sei gütig,
liebe mit ganzem Herzen.
Denn vielleicht ist gerade nur deine Liebe,
das einzige, was den nächsten noch trägt.
Seit mutig,
auch wenns schwer fällt 
und die Angst dir allen Mut stehlen will.

Wenn dein Herz dir zuraunt: Ich kann nicht.
Geh trotzdem.

Schnee über Blümchen

Heute morgen – okay, es war später Ferienmorgen-
hab ich die Jalousien hochgezogen und nur gedacht:
„Wer will mich denn bitte hier verarschen?“
Schnell die Jalousien wieder hinunter,
und langsam wieder hinauf.
Doch der Anblick blieb unverändert:
Schnee und Schnee und Schnee!!
Extra als Begrüßung am Morgen des 7. Aprils.

Ja, ja ich weiss!
Mein Handy hatte es angekündigt.
Wir hatten als Familie darüber am Vortag gesprochen
und uns gefreut,
dass wir die Winterreifen noch „drauf“ hatten.
Wie jedes Jahr um diese Zeit.
Nicht, weil wir im April immer noch mit Tiefschnee rechneten,
sondern weil wir irgendwie nie pünktlich die Reifen wechselten.
Aber ich hätte doch niiiiiiiie im Leben damit gerechnet,
dass es tatsächlich so viel schneien würde.

Während ich also apathisch und fassungslos am Fenster stand
sprangen die Kids umher und freuten sich:
„Juhu, dann können wir einen Schneemann bauen!“
„Ja, viel Spass,“ murrte ich nur und wollte einfach gerne wieder ins warme Bett.

Ohne mich! Ich verweigere der penetranten Wiederkehr des Winters meine Aufwartung. Ich bin durch damit.
Ich will keinen Schnee mehr schippen, ich will den Gehweg fegen,
ich hol die Mützen nicht wieder vom Speicher,
ich will Frühling und draußen in der Sonne sitzen.
Ich will meine Blümchen nicht in einem Haufen unverfrorenem Schnee beerdigen müssen.

So wie ich keinen Schnee im April will,
so will ich viele Dinge nicht.
Ich will keine Abschiede, keinen Tod
ich will kein „das wars“ oder „es ist vorbei“,
ich will keine Überraschungen,
die meinen Alltag durcheinander bringen.
ich will kein „Immer weiter“,
ich will kein „Halte durch“.

Viele Dinge passieren und machen fassungslos.
Manchmal nerven sie nur,
so wie der Wintereinbruch im April.
und manchmal bringen sie das Leben ganz schön ins Wanken.
Manchmal bringt´s uns aus der Balance,
lässt und zweifeln und weinen.
Dabei werden wir nicht gefragt,
ob wir darauf vorbereitet sind oder
was wir dazu so meinen.
Solche Zeiten sind hart
und es fühlt sich so richtig ungerecht an.

Wenn die Wut im Bauch dann größer wird
ist es gut, wenn wir jemanden haben,
der „MIT UNS“ ist,
jemanden der „MIT UNS BLEIBT“
der unsere Wut aushält und unsere Ohnmacht,

…. auch unser Schimpfen auf Schnee über Blümchen….








Abendmahl = Gott hat dich lieb

Ich feiere heute das Abendmahl,
weil ich mich kurz erinnern will,
wie gut du es mit mir meinst.
Ich tue es auch dann, wenn noch nicht alles okay ist,
denn ich weiss:
Durch dich wird alles gut.
Ich nehme den Kelch und erinnere mich
an das Blut, dass du vergossen hast,
für meine Unfähigkeit zu lieben,
für meine Selbstsucht,
für meinen Mangel und meine schräge Sicht auf diese Welt.
Du hast geblutet und gelitten,
weil du wolltest,
dass ich es nicht tun muss.
Dass ich mich an dich drücken kann,
wie ein Kind das bei seinem Papa macht,
auch wenn noch nicht alles gut ist,
auch nach einem komischen Tag.
Ich erhebe mein Glas auf dich,
meinem Freund und Heiland,
auf den, der nicht geht,
nur weil ich woanders hin unterwegs bin.
Ich erhebe mein Glas auf dich und erinnere mich dankbar,
dass du mich so sehr liebst,
dass du mich retten wolltest
und es am Ende auch getan hast-
auch wenn du nicht auf meine Dankbarkeit zählen konntest.

Ich sitze hier und breche das Brot,
oder den Keks oder die Waffel
und es erinnert mich dran,
dass du nicht schuldig warst
und trotzdem gestorben bist
wie ein Verbrecher, wie einer der Schuld hat.
Grausam haben sie dich hingerichtet,
über dich gelacht und dich verspottet.
Dankbar esse ich das Brot,
weil ich dir danken will,
dass du das durchgehalten hast.
Weil du das Leben deiner Menschen vor Augen hattest.
Weil du auch mich gesehen hast.

Daran will ich mich erinnern,
in diesem alten Brauch namens Abendmahl.
Ich nehme es ein ohne Furcht vor dir.
Und meine Kinder sind Teil vom Ganzen.
Für sie ist Beziehung mit dir einfach,
nicht so vom Leben gezeichnet
nicht mit so viel „wenn und aber“,
ohne all diese Fragen.

Abendmahl, ich erinnere mich,
dass du mich liebst – weil du bist wie du bist.
Weil du dich nicht klein reden und entmachten lässt
von unserer kleinen Welt.
„Ich hab dich lieb“ – sagt mir die Bibel,
wie man es einem Kind immer wieder sagt,
weil man es im tiefsten Herzen fühlt.

Ostern ist Dunkelheit und Scheitern am Karfreitag
banges Warten und angstvolles Ausharren.
Ohne Schatten beachtet man selten das Licht.
Am Ende mit einem großen Happy End für die Menschheit.
Das auch gilt,
wenn Leben um uns dunkel bleibt.

Ich feiere heute das Abendmahl,
weil ich mich kurz erinnern will,
wie gut du es mit mir meinst.
Ich tue es auch dann, wenn noch nicht alles okay ist,
denn ich weiss:
Durch dich wird alles gut.

Freundschaft mit Happy End!

Dieser Petrus!
Was hatte er geprahlt und behauptet, dass ER seinem Meister treu bleiben wollte. Er hatte es gesagt, als er zwischen den anderen Jüngern am Tisch lag. Als er in der Gruppe zusammen saß. Jesus hatte komische Dinge angedeutet, Merkwürdiges erzählt. Aber Petrus dachte, bei Jesus würde alles gut werden. Siegessicher in der Sache waren sie noch am Palmsonntag nach Jerusalem eingezogen. Wurden bejubelt und willkommen geheißen. Ein Hoch auf das Leben, was gerade stattfand. Er wusste, alles würde gut.

… und dann als die Nacht kam, die Soldaten, der Verräter. Als alle riefen: „Kreuzigt ihn! Wir wollen ihn nicht!“
Da war es dann plötzlich dunkel und feindselig um ihn herum. Kein Jubeln mehr und keine „Willkommens“- Rufe.
Vielleicht dachte er: Ach, wenn doch wieder Palmsonntag wäre.
Nur noch mal die Gemeinschaft erleben, die Freude, den guten Blick in eine siegreiche Zukunft. Doch plötzlich hatte sich das Blatt gewendet, plötzlich war alles, was noch vor Kurzem so klar und sicher schien, weg.
Und dann kam die Angst, die Angst eines starken Mannes, in der Dunkelheit und bei dem argwöhnischen Fragen der Menschen um ihn herum. Und er wusste: Wenn ich jetzt bekenne, dass ich zu Jesus gehöre, dann bin ich mit dran, dann verlier ich, dann sterbe ich.

Ich kann seine Angst so gut verstehen: Dieses Angst, die frisst und nimmt und einengt. Die Angst, die den Blick nach vorne verschliesst, wenn der Weg neblig und hoffnungslos erscheint. Ich kann ihn verstehen – diesen Petrus. Es könnte meine Geschichte sein. Immer wieder in diesem Leben.
Wenn Wege schwierig sind, will ich auch oft zurück zu den glorreichen Zeiten, zu Leichtigkeit und Lachen. Wenn ich hetze oder versage oder die Welt das für mich übernimmt, dann sehne ich mich auch zurück nach Palmsonntag. Dann will ich keinen Karfreitag. Und dann schäme ich mich für meine Angst, die mich Dinge tun lässt, die ich ohne diese lähmende Angst nie tun würde. Dann bestimmt die Angst meinen Weg. Auch dann, wenn ich doch Jesus kenne. Dann tauche ich kurz ab, will nicht weiter gehen – will rückwärts zu den schönen Tagen, will und kann nicht mutig sein.

Doch Karfreitag ist nicht das Ende der Ostergeschichte. Der Ostersonntag kommt und verändert den Lauf der Geschichte. Die große Auferstehung findet statt, das riesige unermäßliche Geschenk. Doch Petrus begreift es nicht. Er ist drin in dem Strudel von Angst und Scham. Er ist am Boden, denn er hat auf ganzer Linie versagt. An einer Stelle heisst es, dass er ging und bitterlich weinte. Es war ihm klar, dass er nicht der Starke war, der die Dinge im Griff hatte. Dass gerade ER es nicht schaffte, mutig zu sein. Gerade er! Das muss ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Vielleicht hätte er die ganze Ostergeschichte verpasst, weil er sich nicht gewagt hätte, noch mal aufzustehen. Angst macht so viel mit uns – und nimmt so viel.

Nach seiner Auferstehung begegnet Jesus seinem ängstlichen Petrus. Das ist die Kehrtwende. Er geht zu seinem scheinbar starken Mann, der sich wohl eher gerade wie der größte Depp von allen fühlt. Er sieht ihn an und fragt nur das eine: „Hast du mich lieb?“
Und Petrus, getroffen in seiner Angst, wagt die Antwort und flüstert vorsichtig.
„Ja, ich hab dich lieb“
Und Jesus fragt ihn noch zwei mal und holt Petrus damit Stück für Stück aus seiner Angst. Er rüttelt an ihm und erinnert ihn daran, wieder aufzustehen. Er lässt Petrus nicht in seiner Schuld. Es ist nicht das Ende.
Das macht mir immer wieder Mut.
ER gibt diesem Mann noch in seiner Angst einen Auftrag. Er glaubt an ihn!
WOW! Was für ein Vertrauensvorschuss.
„Weide meine Lämmer, bau meine Gemeinde.“
Was Petrus wohl gedacht haben muss:
“ Nimm nicht mich! Du weisst ja wo das hin führt. Da ist soviel Angst in mir, soviel Zweifel, soviel großes Reden und keine Taten. Jesus tu dir das nicht an.“
Aber Jesus sagt es ihm:
„Petrus, weide meine Schafe!
Sei wieder präsent. Nimm wieder am Leben teil. Gib mir deine Angst und nimm dafür meine Hand und dann lauf los im vertrauen, dass ich bei dir bin.“

Ich würde gerne von Herrlichkeit zu Herrlichkeit laufen. Ich liebe Lachen und Tanzen und das Leben geniessen. Ich würde gerne von Palmsonntag direkt zu Ostersonntag hüpfen. Aber irgendwie gibt es da noch den Karfreitag dazwischen. Und es zeigt mir, Gott ist nicht fertig mit mir, wenn mich der Strudel der Angst ergreift, oder die Wut oder die Ohnmacht. Er hält aus meinen Verrat, den ich nicht will und doch immer wieder tue. Er bleibt bei mir seinem Möchtegern – Petrus 😉

Er sieht meine Angst – aber die haut ihn nicht vom Thron. Er gibt seinen Auftrag, er traut mir etwas zu. Er bahnt den Weg durch den Nebel der Angst: „Geh und bau meine Gemeinde, weide meine Lämmer! Sei präsent! Hör nicht auf, wieder aufzustehen. Sei mutig und kühn – trotz deiner Angst. Immer einen Schritt vor den Nächsten. Mit dem irrsinnigen Glauben, dass dein Tun diese Welt aus den Angeln heben wird und dafür sorgt, dass sie endlich heilen darf.“

Und wenn mein persönlicher Karfreitag wieder da ist und die Angst wieder nach mir greift und alles zunichte machen will, nimmt Jesus mich wieder an die Seite und sagt: „Hey, hast du mich lieb?“
Und ich schau auf und flüstere unsicher: „Ja?!“
Und er legt seinen Arm um meine Schulter und ruft:
„Na, dann los. Lass uns diese Welt verändern! – Trotz der Angst!“

Nur eine Pfütze

An einigen Stellen hatte der Frühling schon mutig seine Fühler ausgestreckt und versuchte einen ziemlich langen und strengen Winter endgültig zu verscheuchen.
Die Kinder sprangen auf und ab auf dem immer noch sehr matschigem Waldweg.

Sie fanden Büsche um sich zu verstecken und Bäume um zu klettern. Immer wieder erklang lautes Gekreische von zwei wilden Grundschülerinnen
„Seid nicht so laut,“ rief ich und wusste selbst nicht warum.

Denn weit und breit war niemand da, den wir stören konnten.

Weit und breit war niemand hier. Das passte zu meiner etwas miesen Stimmung. Ich war definitiv gerade nicht wirklich gesellschaftsfähig. 

Wer hatte nur diese blöde Idee gehabt, noch mal raus zu gehen?

Ach ja, das war ich selbst in meiner mütterlichen Weisheit.

Wenn die Kinder in der Wohnung ihre Energie entluden, wäre das noch schriller und lauter als hier in der Endlosigkeit der Wälder.

Ich war genervt,

So viel hatte diese Woche wieder nicht geklappt.
So viel lag noch vor mir. Unerledigt und fordernd

Hatten wir eigentlich noch Nudeln im Haus?

„Mama, Mama guck,“ rief meine Jüngste mit ihren gerade mal 7 Jahren.

Wir könnten auch mal wieder Kartoffeln machen.

„MAMAAAAA!“

Oh, nein. Hatte irgendjemand die Wäsche angestellt?“

Platsch!

Endgültig aus meinen Gedanken gerissen, wirbelte ich herum und erblickte mit Schrecken meine Tochter, die soeben in die wabernde Pfütze neben uns gesprungen war.

Die Pfütze war dunkel, kalt und hässlich und sie war definitiv tiefer als ich gedacht hatte.

„Zoe,“ rief ich entsetzt und musste mit ansehen, wie sich grau-braunes Wasser seinen Weg in die Gummistiefel meiner Tochter suchte.

Doch anstatt, dass mir meine Tochter antwortete, sich erklärte und sich entschuldigte, kreischte sie vor Freude und setzte zum nächsten Sprung an. Meine große Tochter eilte herbei und lachte. Was gab es da zu lachen?

Ich rief und wedelte mit den Händen: „Nein, nein, nein!“

Platsch! Da hüpfte die nächste Tochter in die Pfütze.

Ich stand kurz fassungslos und kopfschüttelnd da, dann rannte ich auf und ab und jammerte vor mir her, dass sie rauskommen sollten, dass gleich alles nass sein würde, dass sie sich womöglich eine Lungen-, Blasen- und sonstige Unterkühlung holen würden. Ich tanzte wie Rumpelstilzchen um meine feiernden Töchter und merkte in meinem Tanz nicht, dass sich zwei ältere Damen näherten.

Das Geschrei meiner Töchter ebbte immer nur kurz ab, wenn sie zum nächsten Sprung ansetzten. Trotz dem ganzen Chaos in der Pfütze hörte ich die Unterhaltung der beiden älteren Damen:

– „Ach, wie schön die Familien heutzutage zusammen spielen“
– „Ja, das stimmt. So etwas hatten wir damals nicht.“

Als ich das hörte, stoppte ich abrupt in meinen Rumpelstilzchentanz und suchte mit den Augen die Gegend ab. Wen meinten die Damen bloß?
UNS konnten sie doch nicht gemeint haben. Ein fröhliches gemeinsames SPIEL? Von wegen!
Aber soweit ich auch blickte, da war sonst niemand. Ich wollte die Damen noch gefragt haben, mich erklären und den Krach entschuldigen. Aber sie waren bereits fröhlich schwatzend hinter der nächsten Kurve verschwunden.

Komisch, wie manches auf andere wirkt. Wie sehr ich mich und mein unbändiges Chaos entschuldigen möchte. Ich erwartete, dass die anderen auf so eine Situation total anders reagierten. Verärgert und erbost. Und dass sie sagen würden: „Völlig Chaotisch die Alte, hat ihre Kinder nicht im Griff. Völlig inkonsequent!“
Aber die beiden älteren Damen sahen etwas anderes – in diesem Moment. Sie sahen das Spiel, das meine Töchter in völliger Freude gerade spielten. Und sie sahen MICH so, als ob ich einfach mitspielen würde.
Ich hielt kurz inne und sah meine beiden verdreckten aber so fröhlich spielenden Kinder an. 

Ja, ich würde am Abend die Kinder (am besten komplett mit Klamotten) in die Dusche stellen müssen, der Rückweg wäre wahrscheinlich ÜBERHAUPT nicht amüsant, weil alle frieren und keiner mehr laufen wollte.

Aber was, wenn jetzt Zeit zum Spiel war?
Könnte man Sorgen damit verschieben und den Zauber des Moments festhalten oder ihn zuerst einmal wieder finden.
Würde ein Sprung in die Pfütze ausreichen, um wieder ein wenig Leichtigkeit zu bekommen?

Ich war mir nicht ganz sicher, ob das was ich im nächsten Moment tat, pädagogisch wertvoll war, aber ich hörte auf die beiden älteren Damen. Ich nahm Teil am Spiel: Ich hörte auf, nachzudenken und sprang mit einer solchen Wucht in die Pfütze, dass nicht nur meine Klamotten sondern auch die der Mädels, klitschnass waren. Ich sah in die weit aufgerissenen Augen zweier Mädels, die vor Schreck laut aufkreischten. Also eigentlich kreischten sie ja eh, aber gefühlt war das jetzt noch lauter!

„Mama?!“ rief die Große entsetzt. Aber nur kurz, dann sah sie mich grinsen.

„Oh man, du bist die coolste Mama von der ganzen Welt!“
Dann nahmen zwei völlig verdreckte Kinderhände je meine Hand, und wir tanzten durch das dreckige Wasser einer Pfütze mitten im Wald.

Für eine kurze Zeit konnte ich einfach diese beiden Mädchen geniessen: Das, was neben Homeschooling, Homekümmering, und all den Dingen, die immer wieder organisiert und beachtet werden mussten, so oft keinen Platz mehr im Kalender fand.
Und das war dann mein persönlicher Frühlingsmoment. Nass und dreckig aber irgendwie magisch.

Ob Sorgen wohl in dreckigen Pfützen ertrinken können? Schön wärs , aber erfahrungsgemäß können sie ziemlich gut schwimmen. Doch auch, wenn sie wieder auftauchen. Für einen kurzen Moment standen sie nicht im Mittelpunkt. 

Wer weiss: Vielleicht werden meine Kinder, wenn sie an diesen Frühling 2021 zurückdenken,  irgendwann einmal sagen:
„Mama, das war eine coole Zeit. Weisst du noch: Die Pfütze!“

–> Erschienen in der Osterausgabe
GZD Dabringhausen „Voll Ostern“ 2021

Wir, die Menschen!

Alleine und doch irgendwie gemeinsam unterwegs:
Irgendwie mit ähnlichen Träumen,
ähnlichen Wünsche und ähnlichem Sehnen:
Glücklich sein, frei und unabhängig
Menschen haben, die uns mögen,
die uns sehen, verstehen und auch mal ertragen
Wir ersehnen Großes und Neues,
und ab und an reicht es,
gekuschelt vor dem Kamin zu liegen
ohne Termin und ohne Hetze.
Wir stehen gerne gemeinsam zusammen.
Auf jedenfalls vermissen wir es,
wenn wir es länger nicht tun.
Dann klopfen wir uns auf die Schulter
und meinen:
Wir schaffen den Weg schon,
nur noch ein Stück bis zum Ende der Welt.
Triefend der Wunsch nach Gemeinschaft,
nach liebevoll verpackter Ehrlichkeit
Wir, die Menschen – Krone der Schöpfung.
So hungrig nach Wärme, nach Verstehen
nach ehrlichem Mitleid.
Wir wollen Sterne ergreifen und Schlösser bauen,
wir wollen erschaffen und bleiben
in Erinnerung für diese Welt.
Wir sind oft so sehr mit uns beschäftigt,
und manchmal retten wir scheinbar die Welt.
Wir, die Großen und Kleinen,
die mittanzen wollen in dem Reigen der Zeit.
Wir, mit unseren Träumen,
mit der Sehnsucht nach Leben.
Wir, in unserem Winterschlaf,
während es schon längst Sommer wird.
Wir voller Hoffnung auf morgen,
auf Neues, auf Gutes.
Wir die wir gehen und tanzen und beten und staunen.

Wir, die Menschen!
Krone der Schöpfung.

Frag doch mal …die Maus

Seit 50 Jahren erklärt uns in der Sendung mit der Maus, ein kleines, stilles, orangefarbiges Nagetier die Welt.

Wir stellen die Fragen und „sie“ liefert die Antwort. Jemand, der sich auskennt oder sich die Mühe macht, sich mit unseren Fragen auseinander zu setzen. Unzählige Videos sind über die Jahre entstanden.
3.320 Fragen in all den Jahren. Kinder und Erwachsene, die Fragen an das Leben stellen, Neugier beweisen und Antworten suchen. Und bei der Sendung mit der Maus gibt es diese Antworten, kreativ untermalt und ganz einfach erklärt.
Eine Frage zu stellen und eine Antwort zu erwarten, ist bereichernd fürs Leben.
Es zeigt: Ich weiss nicht alles, ich versteh die Welt nicht so ganz. Komm, bitte erklär es mir. Es lässt zu, dass jemand anders mehr wissen darf und dass er die Chance bekommt, es mir zu erklären. Ich stelle mich hin und frage. Und jemand anders ist der Kluge, der Gelehrte. Ich höre zu und der andere macht die Lösung verständlich.
Kinder können das. Sie sind neugierig aufs Leben – die meisten.
Sie können Löcher in den Bauch fragen, absurdeste Antworten finden und dann nachfragen: Mama, ist das so?
Manchmal, wenn ich so gar nicht weiss, was ich dazu sagen soll, antworte ich: „Frag doch mal die Maus.“
Heisst: Ich weiss es leider nicht. Ich möchte dir nicht irgendwas erzählen, kein Halbwissen, kein Erwachsenengequatsche. Dann sag ich: Frag jemand anderes, oder wir machen uns gemeinsam auf die Suche nach der Antwort.

Ich hab das Gefühl, dass wir als Erwachsene oft weniger Mut aufbringen, Fragen zu stellen. Oder dass wir immer das Gefühl haben, eine Antwort parat haben zu müssen oder selbst keine Fragen mehr stellen zu wollen. Denn vieles hätten wir ja im Leben gelernt haben müssen. Zu fragen ist ja auch immer ein kleines Zeichen von Schwäche.
Dabei bereichert das unser Miteinander. Es zeigt: Sag mir, was du weisst, teile mit, was du gelernt hast. Sei mir ein Gegenüber und lass uns gemeinsam über die Fragen der Welt nachdenken.

In den letzten Monaten fehlten mir oft die Antworten und leider wusste auch die Maus nicht immer die Lösung. Oft waren da zu viele Fragen und gefühlt keine Antworten.

Im letzten Jahr musste ich viele Antworten für mich selber finden. Zum Beispiel, was diese ganze Pandemie mit mir macht und machen darf. Wie sehr ich denke, Antworten und richtige Wege zu kennen. Ich dachte oft, dass es so oder so gehen müsste. Oftmals saß ich ziemlich ratlos da, weil die Wege, wie ich sie kannte nicht mehr funktionierten. Ich bin ein Beziehungsmensch – durch und durch. Ein Leben auf Distanz zu anderen Menschen lässt meine Freude sinken.
YouTube und Zoom sind hilfreiche Tools um am Leben der anderen noch teilzuhaben. Aber sie ersetzen wahre Beziehungen nicht.
Ich habe mich oft gefragt, wie mein Leben nun laufen soll. Ob und wie ich sein will.

Ich stelle mir nun die Frage:
Wo kann ich noch Beziehung leben, wo kann ich gestalten, wo sinnvoll Anteil nehmen. Das nehme ich auch jeden Tag mit in meinem Austausch mit Gott, in mein Gespräch mit dem Schöpfer.
Ganz weit weg von dem Anspruch funktionieren zu müssen, tauche ich ein ins „Frage- Antwort Spiel“.

Ich spüre, da sind Menschen um mich herum, die mich brauchen und für die mein Dasein gerade unendlich wichtig ist. Meine Aktionen sind reduziert und alles was noch stattfindet, wird dadurch auch wertvoller. Ich gehe öfter mit einer Freundin spazieren, immer mal mit der, die es wie ich in dem Moment braucht. Dann ziehen wir gemeinsam durch die Natur, reden über Frust und Verdruss, lachen und merken, es ist gut, dass der andere da ist. Ich bin dankbar für Menschen, die zuhören und ihre persönlichen Antworten geben. Menschen, mit denen ich gemeinsam über das Leben nachdenken darf. Und auch welche, die die Stille aushalten, wenn es mal keine Antworten gibt.

Ich profitiere davon, dass ich meine kleine Familie habe und, dass der Austausch und das Zusammensein, enger wird, vertrauter. Dass Dinge aufbrechen und Zeit da ist, damit es auch mal heilen kann. Ich finde Zeit zum Spiel, zum Zuhören und Dasein. Fragen sind Teil des Alltags, aber Antworten nicht immer so immens wichtig.
Wir haben den 50. Geburtstag der „Sendung mit der Maus“ an diesem Wochenende ausgedehnt gefeiert. Mit Deko, Kuchen, Mark Forster und Lagerfeuer. Oft kommen solche Momente zu kurz, weil sie immer On Top auf einem ziemlich vollen Terminkalender liegen. Und das strengt an.
Dass jetzt weniger ist, weil mehr nicht sein darf, ist manchmal auch entspannend.
Unsere Kinder profitieren davon. Wir sind eine kleine eingeschworene Gemeinschaft geworden.
Und doch vermisse ich auch Feste und Freunde und Zusammenkünfte mit vielen Menschen. Da ist so ein Ort in meinem Herzen mit sehr viel Liebe für die Welt da draussen. Und dieser Ort ist so still geworden. Das schmerzt, denn es ist auch ein Teil meines Lebens.

Wenn ich die Maus fragen würde, was sie mir als Ratschlag für diese Zeit mitgibt, würde sie vielleicht mit den Augen „klick“, „klick“ machen und sie würde den Elefanten in die Arme nehmen und auch die gelbe Ente und dann würde mich auffordern, ihrem Beispiel zu folgen.

Liebe Maus, deine Welt ist immer schon kleiner und überschaulicher gewesen als meine. Und doch hast du Generationen erreicht. Nur, weil du die kleine Welt um dich herum ernst genommen hast mit den Fragen die da waren. Das will ich mir zum Vorbild nehmen für den nächsten Tag! Ich will wertschätzend das in Angriff nehmen, was ich tun kann.

Happy Birthday!