Shut up and dance with me!

Das ach so soziale Netzwerk “Facebook” erinnerte die Tage an die Live-Musiktour in Wermelskirchen 2019. Ich lag schon im Bett, als mir die Erinnerung angezeigt wurde, und wollte nur schlafen. Aber das Herz konnte nicht. Stattdessen wühlten sich die Gedanken durch meinen Kopf. 
Wir könnten gerade in dieser wirren Zeit ein wenig mehr Musik und Kunst vertragen, ein gemeinsames “Wir schaffen das!”, ein leises “Wird schon wieder!” oder ein einfaches “Shout up and dance with me!”

Und doch ist gerade das, was der Seele vielleicht gut tun würde, ziemlich weit entfernt. Aber vermissen darf man, dachte ich. 
Gerne teile ich hier ein paar Gedanken dazu:

„Und so freuten wir uns auf Selbstverständliches,
Nicht wirklich Nötiges,
Nicht Lebenserhaltendes
Und doch so Willkommenes 
In unserer kleinen Welt!

Wenn das Können von Kunst 
Und das Klingen von Klängen 
und das Lachen von Freunden 
und das einfach zusammen sein wollen,
mal wieder den Atem kurz nimmt. 
Und du merkst es erst dann,
Wenn du es nicht mehr hast 
Weil vernünftiges Leben Vorsicht gebietet.
Aber halt keinen Leichtsinn…
Nur Vorsicht und Argwohn und Denken:
Was wäre denn, wenn…

Und das Verkopfte in mir klopft laut an die Tür und sagt:
Vorsicht geboten!!!
Und Leichsinn verboten!!!
Und ich Schweig. 
Denn der Kopf nickt bedächtig und andere schütteln ihn verächtlich
Vor meinem Wollen und Motzen
Vom heimlichen Dahinrotzen
all dem, was das Herz leise will.
Von Schunkeln und Taumeln
Von Küssen und Staunen 
Von der Welt, die ich liebe 
Von Gedanken, die bleiben 
Vom nicht anhalten wollen 
und nicht loslassen wollen.

Die Klänge berühren den Kopf nur von weitem,
Sie schaffen es nicht,
Mit ihm zu streiten.
Sie verklingen und verstummen an seiner Vorsicht,
Sie verkümmern und sterben
Ganz heimlich, allmählich.

Und wo wir doch so gerne Leben retten wollen in dieser Zeit,
Ich und die anderen 
Die Kleinen und Großen. 
Die, die es doch wissen 
Mit einer Armee von Wissenden im Rücken…
Die mehr wissen um Leben zu schützen 
Als ich, die ich nur die Klänge vermisse 
Und, dass Herzen aneinander reiben
Das gemeinsame bleiben 
Dass Sorgen vertreiben.

Die Klänge, die Herzen heilen 
und Menschen vereinen.
Sie sind nicht lebenserhaltend- nur lebensverändernd,
Sie sind nur kurz einmal da
Und erhellen die Welt Für alle,
Für Vorsichtige und Verkopfte,
Für Freiheitssuchende
Und Kämpfer 
Für alle, die aufgeben und die,
Die es einfach nicht sein lassen wollen 

Und die Klänge, sie klingen 
Auch wenn wir sie nicht lassen,
Sie sind bockig und rufen sich auf unsern Plan.
Sie sind auch dann da und erinnern 
An vergangene Tage
wenn grad keine Zeit ist Für Melancholie.
Die sich nicht darum battlen
Vorsicht zu bieten und vernünftig zu sein.

Wenn die Klänge wieder klingen 
Will ich stehen ganz vorne,
will schief singen und einfach albern sein.
Ich werde tanzen, umarmen 
ohne ängstlich vorahnen
und Die Welt in meinen Händen tragen.

Nächstes Jahr 
klingen gemeinsame Klänge hoffentlich wieder
Dann singt die Hoffnung allein ihre Lieder.
Und dann will ich nicht vergessen:
Klänge sind nicht nur lebenserhaltend sondern lebensverändernd.

Piano Man 2020

Hier ein kleiner Einblick in einen Herzensauftritt vom letzten Freitag den 1.08.2020 bei JUCA Beach.

Als ich im Frühling diesen Jahres einsam durch die bergischen Wälder joggte, hörte ich dieses Lied vom „Piano Man- von Billy Joel“ in der Endlosschleife und in mir reifte der Wunsch: Sollten Auftritte vor echten Menschen je wieder möglich sein, würde ich genau zu diesem Lied einen Text verfassen. Musik gepaart mit Poetry berührt mein Herz immer wieder. Und dieses Lied will seit dem nicht aus meinem Kopf.

Und dann eine Nacht vor dem Auftritt als ich nachts neben meinen schlafenden Kids lag, formten sich aus all den wirren Gedanken plötzlich Worte, die sich wenig später auf meinem Mini-Display im Handy wiederfanden.

Unser tolles Musikerduo Freaky Voices, die ich als Musiker und Menschen mehr als empfehlen kann, liessen sich aufs Experiment ein und spielten den Song an und…. ach nun seht selbst:-)

Ich liebe das Lied vom Piano Man.

Besonders weil das gerade so gar nicht in unsere Zeit passt. Es ist meine stille Rebellion, gegen ein kleines „kann- man- nicht- sehen“- Virus, dass die ganze Welt ziemlich kaputt gemacht hat und unser Leben definitiv verändert. Im Lied geht es um einen Haufen Leute, die gemeinsam in einer Bar sind. Es ist stickig, überfüllt, das Mikrofon stinkt nach Bier. Also so, wie wir es bis Mitte März 2020 kannten.
Und dann sind da die Menschen mit ihren Träumen und Sehnsüchten, verhunzten Leben und mit der Bitte, dass der Piano Man sie einfach mal kurz ein wenig vergessen lässt.

Wie wäre wohl der Text, wenn Billi Joel zu Corona Zeit hier in Deutschland leben würde und gerade in der wirren Zeit zwischen März und heute diesen Hit geschrieben hätte. Völlig durcheinander, wann was jetzt schloss, wann was wieder möglich war. Und mitten in dieser verrückten Zeit, gibt es auch immer noch diese Menschen aus dem Lied. Und vielleicht ging das Lied ja dann so:

9 Uhr abends an einem Saturday
und nur wenig Leut dürfen hin.
Mit 2 m Abstand sitzt ein Mann „neben“ mir,
die Maske hängt locker am Kinn.

Er sagt: Spiel mir ein Lied aus der alten Zeit,
vom Schunkeln und gemeinsamen Spiel
So ganz erinner ich mich nicht, denn es scheint so lang her.
Aber ich weiß noch: darum warn wir hier!

Sing us a song you’re the piano manSing us a song tonightWell we’re all in the mood for a melodyAnd you’ve got us feeling alright

Der Barkeeper John weiss nicht, ob er es packt
Und schaut so mutlos drein.
Mit diesem neuen Hygienekonzept
kriegt er auf Dauer die Miete nicht rein.
Er sagt: Hey dieses Leben das kann’s doch nicht sein,
Mein Talent voll verschenkt!
Ich glaub, ich könnte ein Filmstar sein,
Aber Hollywood scheint immer noch dicht.

Da ist Paul ein richtiger Businessman,
Normal reist er viel,
Doch seit Wochen mit den Kindern im Homeoffice,
harmonisch war das leider nie.
Die Kellnerin kommt mit Mundschutz zum Tisch
Mit Zettel und Stift
„Hier tragt erstmal die Daten ein!“
Und heute trinkt sie auch keinen mit.

Sing us a song you’re the piano manSing us a song tonightWell we’re all in the mood for a melodyAnd you’ve got us feeling alright


Es sind kaum Menschen für eine Samstagnacht
die meisten bleiben fern.
Da ist berechtigte Angst und haltlose Furcht
Und manche haben’s auch nicht gepackt.
Und das Keyboard schreit die Wut in die Nacht
Das was man nicht ändern kann.
Das Hoffen und Bangen und einmal sorglos sein wollen,
Und das leise: Wir schaffen auch das!

* gewidmet all den wundervollen Künstlern da draußen, deren Musik grad so selten live klingt. Ich vermisse es so sehr!
Danke an all die Mutigen, die unser gesellschaftliches Leben nicht ganz sterben lassen…

Die weite Welt

Die Tage habe ich Corona für mich persönlich als „offiziell beendet“ erklärt. Diesen Leichtsinn, den ich meinen Gedanken erlaube, habe ich persönlich gebraucht. Es gibt meinem Herzen ein Stück Hoffnung, dass dieses Leben weitergeht. Dass nach all dem Stillstehen und Aushalten ein neuer Schwung einkehrt und mich einlädt, weiterzugehen.

Heute habe ich mit Paula aus Italien telefoniert. Paula arbeitet in der Verwaltung des Campingplatzes am Gardasee. Hier haben wir reserviert – lange vor Corona – für unseren Sommerurlaub 2020. Sie erzählte von dem Leben gerade in Italien, das doch sehr stark dem Leben hier in Deutschland ähnelt. Maske tragen, Abstand halten und Hygienevorschriften einhalten. Nur mit dem einen Unterschied, dass hier Paula und ihren Landsleuten keine Ausgangsbeschränkung sondern eine strikte Ausgangssperre für 2 Monate liegt. Nur zum Einkaufen durften sie raus. Beschäftigung der Kinder + Homeschooling + Homeworking = Ihr Leben für 2 Monate (Anmerkung: Ohne Garten oder Balkon) Die Frau wirkte am Telefon noch nicht wahnsinnig, so dass ich glaube, dass man als Mutter das überleben kann. Aber schön ist das irgendwie nicht.
Da bin ich echt dankbar, dass wir in Deutschland immer raus durften – auch wenn manche Menschen sich eine eigenen Quarantäne auferlegt haben. Für mich kam das nie in Frage, denn ich wäre aus so etwas nicht so erstarkt herausgegangen.

Ich hatte in den letzten Monaten schon mit dem Sommerurlaub für dieses Jahr abgeschlossen. So wie ich es mit all den Projekten getan hatte, mit den Schuleinsätzen, dem Jugendfestival und all den anderen Begebenheiten wo es um Begegnungen, Kultur und Miteinander ging. Ich hatte dieses Jahr persönlich aus meinem Kalender gestrichen -gehofft, dass man das so einfach kann. 2020 ist nicht mehr – aber 2021 kommt und wir leben von der Vorfreude.
Doch neben meinem analytischen Herangehen an Herausforderungen, dem Hinnehmen von Dingen, die ich nicht ändern kann, wohnt in mir der kleine Kumpel mit Nachnamen Freiheit, der sich nach dem Unbekannten sehnt, dem Aufbruch nach neuen Ufern. Und auch wenn ich versucht habe, diesem Freiheitsdrang Einhalt zu gebieten. So ganz abtöten liess er sich nicht.
Ich habe einen Artikel über einen englischen Virologen gelesen, der mit dem Coronavirus infiziert wurde und lange Zeit im Krankenhaus lag. Er hat überlebt und durfte irgendwann das Krankenhaus wieder verlassen. Was tat er dann, um nach Hause zu kommen? Er nutzte die öffentlichen Verkehrsmittel. Mitten im Lockdown, in Zeiten der Krise. Definitiv NICHT die beste Wahl. Er hätte es doch besser wissen müssen. Aber er sagte in seinem Artikel, das was mein Herz so oft sagt, wenn es unvernünftige Dinge tut in dieser Zeit: „Ich musste es einfach tun. Ich wollte wissen, wie diese Welt gerade aussieht. Und ich fuhr durch leere Straßen und sah den Lockdown mit eigenen Augen.“
Ich will auch mit eigenen Augen sehen, möchte Geschichten mit eigenen Ohren hören. Ich will aus erster Hand erfahren, wie es ist da draussen in der Welt, die gerade ziemlich strauchelt um noch zu funktionieren.

Während ich in den letzten Wochen mit Homeschooling und Homekümmering beschäftigt war, habe ich nicht WEGEN Corona sondern TROTZ Corona an einer Weiterbildung teilgenommen und alle Prüfungen bestanden. Eigentlich sollte alles Anfang April abgeschlossen sein, aber DANK Corona wurden alle Seminar und Prüfungstermine verschoben. So lernte ich während alle Kinder zu Hause waren. Mein Mann gab mir alle nötige Unterstützung und gemeinsam schafften wir diese zusätzliche Herausforderung.
Und ich fuhr mehrere Tage zum Unterricht und den Prüfungen nach Köln. Ich fuhr natürlich mit der Bahn. Ich wollte diese Welt sehen. Nach Wochenlangen Einschränkungen auf meine schöne aber doch kleine Welt wollte ich mal wieder raus. Wie dieser Virologe in England tat ich was vielleicht unvernünftig war. Aber ich tat es weil mein kleiner Kumpel mit Nachnamen Freiheit sich nach der Welt sehnte und nicht länger eingesperrt sein wollte.

Aber zurück zu Paula und meinem Telefonat zum Thema „Sommerurlaub in Italien. Wir haben länger gesprochen und ich wollte wissen: Wie sieht es aus in Italien, wie haben die Menschen die Zeit dort erlebt und wir sicher ist es momentan überhaupt, dorthin zu reisen. Und wäre der Pool geöffnet, wenn wir kommen würde. (Oh man, Asche auf mein Haupt)
Wenn ich Nachrichten schaue, dann bekomme ich ein bestimmtes Bild der Lage, eine Zusammenfassung – meist eine ziemlich dramatische. Und dann reagiere ich darauf – leider meist mit Furcht. Aber in der Geschichte gibt es ja auch andere Teile. Es gibt Geschichten, die nicht erzählt werden, weil sie nicht spektakulär genug sind um interessant zu sein. Aber sie sind ja trotzdem Teil der Wahrheit.

Deshalb liebe ich es „vor Ort“ bei Menschen zu sein. Sehen, was kein Nachrichtensender sagt, abspülen wie die Menschen vor Ort ticken. Ich will mehr als nur die „Wahrheit“, die in eine Tagesschau passt.

Deshalb reise ich so gerne. Ich liebe die Weite, ich brauche die Weite. Ich mache mich immer wieder neu auf den Weg. Zu Orten, und besonders zu Menschen. Zu Kulturen und Lebenseinstellungen. Zu sehen, dass da draussen eine Welt ist, die noch funktioniert, dass da Menschen sind, die leben, fühlen und denken. Dass nicht alles schlecht ist, nur weil so viel negatives berichtet wird. Dass soviel Schönheit, gute Geschichten und Barmherzigkeit da ist, was man vielleicht einfach nicht so greifen kann.

Ich will es sehen, erleben und dabei bleiben.
Denn diese Welt ist mehr als ich selber.

Abstand halten

Wenn ein Treffen miteinander ein einfaches neben einander her laufen ist, auf Abstand bleiben, weil man sich und andere schützen will, vernünftig sein und bloß niemanden gefährden. Eine Umarmung wird zum „No Go“, ein herzlicher Händedruck – gerade undenkbar.

Aber was macht das mit einer Gesellschaft , die gewohnt es, sich zu begegnen, sich zu besuchen, miteinander zu leben anstatt auf Abstand aneinander vorbei zu gehen? Wenn Treffen nur noch virtuell über den Rechner stattfinden. 

Was macht das alles mit uns? Was macht es mit den Menschen, die so sehr in ihrer Seele leiden, für die eine Umarmung die Welt bedeuten könnte. Wie will man trösten, wie festhalten? Werden wir argwöhnischer, werden wir liebloser, werden wir uns wieder mit dem Herzen begegnen. können? Werden wir irgendwann die „Angst“ vor einander ablegen? Die Angst davor, was eine Berührung mit unserer Gesundheit anstellen kann.

Wenn alte Menschen einsam im Altenheim sitzen – getrennt von ihrer Familie. Weil man schützen will, weil man das Beste für sie will. Und Kinder nicht mehr miteinander spielen, weil das nicht auf Abstand geht.

Immer wieder begegnen mir diese Gedanken in Tagen wie diesen. 

Was ist los mit den depressiven Menschen, mit denen, die keine Hilfe haben. Kann diese Welt je wieder heilen?

Was ist mit den überforderten Familien, die nun zusammen sind aber es gefühlt nicht aushalten können, zusammen zu sein. Werden diese Menschen gestärkt oder kaputt aus dieser Zeit hervorgehen?

Nur weil es mir gut geht, will ich mich diesen Fragen trotzdem stellen. Sie berühren mein Herz und manchmal scheinen sie es zu zerreißen. Was bekommen wir gerade nicht mit, was kommt nach Corona, wenn es irgendwann an Macht verliert? 

Ich bin dankbar in dieser Zeit in Deutschland zu leben, dankbar für vorsichtige Herangehensweisen, weil man einfach nichts falsch machen möchte. Weil wir sowas noch nie hatten. Und es liegt mir trotz all dieser Fragen fern, zu rebellieren und Verschwörungstheorien zu glauben. 

Mein Gebet geht heute raus in diese Welt, die mir gerade oft ferner zu sein scheint als 1,50 m. Mein Gebet geht raus an die Menschen, die leiden, an Menschen, die vermissen, an Menschen mit Perspektivlosigkeit und geplatzten Träumen. An die Menschen, die nicht wissen wie sie diese Zeit emotional hinbekommen sollen. 

Gott nimm deine Welt in die Arme, denn wir können es an so vielen Stellen gerade nicht tun.