Alles wie immer…

Da war diese Idee, so Anfang 2020. Wir wollten mal wieder was als Schwester zusammen machen. Obwohl die jüngste Schwester definitiv einen Spaziergang mit Rentieren, Alpakas oder anderem Getier bevorzugt hätte, setzten wir Älteren uns durch und kauften Karten für einen Comedyabend mit Lisa Feller in Solingen.
Jaaaa und dann kam Corona und ich war noch so sehr davon überzeugt, dass der Abend im März mit der Lisa doch bestimmt noch stattfinden würde. Aber Corona war schneller und schickte uns alsbald in den stillen Lockdown.

„Ihre Veranstaltung wird verschoben – die Karten behalten ihre Gültigkeit“ bekam ich als sachliche Email. Na gut, entspannt bleiben. Erste Verlegung auf den 06.09. 2020 Naja gut! Das war ja bald und so informierte ich die Schwestern. Die Älteste war bestimmt wirklich traurig, dass wir jetzt noch 6 Monate warten sollten. Die anderen beiden, also die eine mit den Alpakas und die andere, die auch Alpakas mag – aber halt nicht so mega doll, nickten nur und akzeptierten die Verlegung der Veranstaltung. Ende August dann die nächste Email vom Veranstalter: Gute Neuigkeiten! Für ihr Event wurde ein Ersatztermin gefunden. Ja, wer wollte jetzt einen neuen Termin? Also ich nicht! Hatten wir doch gerade voll viel Zeit und so. Gut, also verschoben sie das Event auf den 22.09.
Als ich die Info weitergab, meinte die älteste Schwester noch: Was soll das denn bringen? Vom 06.09. auf den 22.09. verschieben – als ob dann alles besser wäre.

Naja, ich dachte nur: Die haben halt Glauben, dass das mit der Pandemie spätestens am 22.09. vorbei ist. Zuckte nur mit den Schultern und notierte die Daten im Kalender.

Am besagten 22.09. trafen wir uns und fuhren gut gelaunt nach Solingen um vorher noch in einer schnuckeligen Pizzaria vor Ort in unseren fröhlichen Abend zu starten. Das mit dem Zeitmanagement ist bei uns noch ausbaufähig und so hofften wir, dass der Pizzabäcker schneller bug und auch direkt nach der Flasche Wein Nummer 1 die nächste brachte- bitte mitsamt Rechnung. Denn wir waren jetzt schon zu spät dran …

Wir schaufelten schnell das Essen in uns rein, spülten alles mit leckerem Vino Primitive runter und rasten zur Eventlocation ins „Cobra“. Die eine Schwester war schwanger und durfte daher fahren. Das klappte auch fast gut. Schief geparkt an der Location und ab ins Gebäude.

Schon als wir durch den etwas verwaisten und dunklen Biergarten liefen, wunderten wir uns über die fehlenden Menschen vor Ort. Wir beruhigten uns damit, dass alle anderen bestimmt schon drinnen saßen, weil wir einfach mal viel zu spät dran waren. Die Zeit im Nacken, spurteten wir durchs Gebäude – keiner hielt uns auf. Wo wir hin musste, wussten wir nicht. Am Ende kamen wir dann bei einem Mädel an, dass an einem Kassenhäuschen saß und sich sichtlich etwas langweilte…
„Hallo,“ ich zeigte die Karten. „Lisa Feller, hier sind wir.“

Die junge Dame wurde kurz was wach und wunderte sich. Ähm… ne hier seid ihr nicht richtig. Hier ist das Kino. Ihr müsste wieder zurück und in die Eventhalle- gleiches Gebäude aber ne Etage tiefer.
Also rannten wir zurück. Ich checkte nochmal kurz das Datum: 22.09. Alles richtig. Aber wo waren die Menschen und warum war es so still. Schien ja sehr lustig zu sein diese Lisa Feller, wenn man niemanden lachen hörte. Vielleicht hätten wir doch das mit den Alpakas machen sollen.
Da sahen wir das Schild „Halle“ und stürmten auf die Tür zu. Die Tür war zu.

Kurz dachte ich, dass die uns wegen Corona bestimmt nicht reinließen. Scheiss Corona! Die schwangere Schwester lief noch mal zur Kassiererin um zu checken, was da los war.

Als sie zurück kam meinte sie nur: Die meinte: Da war jetzt auch den ganzen Morgen keiner, der aufbaute…
Ich schaute noch mal auf die Karte, auf das Datum. Aber da stand es: 22.09…. Und dann schaute ich auf das Jahr! 2021. Wir waren einfach mal ein komplettes Jahr zu früh.

Jetzt machte alles Sinn. Natürlich verschob man eine Veranstaltung nicht noch mal 2 Wochen weiter nach hinten, weil man glaubte dass die Pandemie dann doch endlich mal vorbei sein sollte.

Nach dem Motto „So, du Kackcoronavirus! Zwei Wochen gebe ich dir noch und dann verziehst du dich wieder. Denn Lisa Feller steht in den Startlöchern und wir können jetzt bitte nicht noch mal verschieben!“

So sassen wir dann am Ende des Abends im verwaisten dunklen Biergarten und lachten darüber, dass wir einfach mal gemeinsam so endlos verpeilt waren.

Gestern war dann wieder der 22.09. diesmal im Jahre 2021 und wir machten uns wieder gemeinsam auf den Weg. Die eine Schwester war nicht mehr schwanger und der Biergarten begrüßte uns mit Lichterketten, und andere Menschen waren vor Ort. Und dazu auch Lisa Feller mit ihrer ersten Show nach der Pause. Wir wollten Corona ja schon vor einem Jahr in die Knie zwingen – aber es hat dann doch was länger gedauert…. Egal, Leben passiert und wir sind mittendrin.
Gegessen haben wir vorher übrigens wieder und… zu spät waren wir auch wieder.

Also alles wie immer 🙂

Shut up and dance with me!

Das ach so soziale Netzwerk “Facebook” erinnerte die Tage an die Live-Musiktour in Wermelskirchen 2019. Ich lag schon im Bett, als mir die Erinnerung angezeigt wurde, und wollte nur schlafen. Aber das Herz konnte nicht. Stattdessen wühlten sich die Gedanken durch meinen Kopf. 
Wir könnten gerade in dieser wirren Zeit ein wenig mehr Musik und Kunst vertragen, ein gemeinsames “Wir schaffen das!”, ein leises “Wird schon wieder!” oder ein einfaches “Shout up and dance with me!”

Und doch ist gerade das, was der Seele vielleicht gut tun würde, ziemlich weit entfernt. Aber vermissen darf man, dachte ich. 
Gerne teile ich hier ein paar Gedanken dazu:

„Und so freuten wir uns auf Selbstverständliches,
Nicht wirklich Nötiges,
Nicht Lebenserhaltendes
Und doch so Willkommenes 
In unserer kleinen Welt!

Wenn das Können von Kunst 
Und das Klingen von Klängen 
und das Lachen von Freunden 
und das einfach zusammen sein wollen,
mal wieder den Atem kurz nimmt. 
Und du merkst es erst dann,
Wenn du es nicht mehr hast 
Weil vernünftiges Leben Vorsicht gebietet.
Aber halt keinen Leichtsinn…
Nur Vorsicht und Argwohn und Denken:
Was wäre denn, wenn…

Und das Verkopfte in mir klopft laut an die Tür und sagt:
Vorsicht geboten!!!
Und Leichsinn verboten!!!
Und ich Schweig. 
Denn der Kopf nickt bedächtig und andere schütteln ihn verächtlich
Vor meinem Wollen und Motzen
Vom heimlichen Dahinrotzen
all dem, was das Herz leise will.
Von Schunkeln und Taumeln
Von Küssen und Staunen 
Von der Welt, die ich liebe 
Von Gedanken, die bleiben 
Vom nicht anhalten wollen 
und nicht loslassen wollen.

Die Klänge berühren den Kopf nur von weitem,
Sie schaffen es nicht,
Mit ihm zu streiten.
Sie verklingen und verstummen an seiner Vorsicht,
Sie verkümmern und sterben
Ganz heimlich, allmählich.

Und wo wir doch so gerne Leben retten wollen in dieser Zeit,
Ich und die anderen 
Die Kleinen und Großen. 
Die, die es doch wissen 
Mit einer Armee von Wissenden im Rücken…
Die mehr wissen um Leben zu schützen 
Als ich, die ich nur die Klänge vermisse 
Und, dass Herzen aneinander reiben
Das gemeinsame bleiben 
Dass Sorgen vertreiben.

Die Klänge, die Herzen heilen 
und Menschen vereinen.
Sie sind nicht lebenserhaltend- nur lebensverändernd,
Sie sind nur kurz einmal da
Und erhellen die Welt Für alle,
Für Vorsichtige und Verkopfte,
Für Freiheitssuchende
Und Kämpfer 
Für alle, die aufgeben und die,
Die es einfach nicht sein lassen wollen 

Und die Klänge, sie klingen 
Auch wenn wir sie nicht lassen,
Sie sind bockig und rufen sich auf unsern Plan.
Sie sind auch dann da und erinnern 
An vergangene Tage
wenn grad keine Zeit ist Für Melancholie.
Die sich nicht darum battlen
Vorsicht zu bieten und vernünftig zu sein.

Wenn die Klänge wieder klingen 
Will ich stehen ganz vorne,
will schief singen und einfach albern sein.
Ich werde tanzen, umarmen 
ohne ängstlich vorahnen
und Die Welt in meinen Händen tragen.

Nächstes Jahr 
klingen gemeinsame Klänge hoffentlich wieder
Dann singt die Hoffnung allein ihre Lieder.
Und dann will ich nicht vergessen:
Klänge sind nicht nur lebenserhaltend sondern lebensverändernd.