Light in the Darkness

Wir steuern auf das Weihnachtsfest zu
Und Dieses Jahr scheint es so 
Als müssten wir es retten.
So als wäre es plötzlich das Fest aller Feste,
Als würden wir plötzlich alles dran setzen
Dass es stattfinden darf in dieser Zeit.

Ich höre so viel in diesem Jahr,
Worte schreien mich an,
Verletzen, engen ein und 
Wollen meinen Standpunkt.
Abstand halten ja,
Aber um welchen Preis.
Welche Maßnahme ist richtig,
Welche Meinung vertretbar.

Ich sollte mich positionieren,
Obwohl ich es selbst doch nicht weiss.

Heute denke ich so,
Und morgen überholen mich meine eigenen Gedanken.
Und im Chaos vom Nicht wissen können
Nicht Standpunkt finden wollen,
Will ich bald gar nichts mehr hören
Und gar nichts mehr sagen.

Eigentlich sitz ich mit allen im Lockdown light.
Hätte ein Coronarecht auf Einsamkeit
Doch anstatt anzunehmen,
Dass man ja eh nichts tun kann in dieser Welt,
als einfach abzuwarten.
Bockt mein Herz auf und 
Schreit nach Veränderung und nach Mut.
Ich sehne mich so nach mutigen Menschen.

Wie anstrengend war mir dieses Jahr,
Mit seinem Auf und Ab,
vom Versuch mutig zu bleiben.
obwohl doch alles sagte:
Hab Angst und bleib fern.
Das Herz der Menschen heilt schon von alleine.

Die Realität von verletzten Seelen 
Durchkreuzt meine Sehnsucht nach Ruhe,
Verschafft meinem Tun keine Pause.
Und so renne und denke und teile ich aus,
Schreibe und trage ein Licht in die Welt.
Doch das Licht es scheint 
Diese Dunkelheit nicht zu durchbrechen
Es fehlt ihm am Macht
Und Durchhaltevermögen.

An jedem neuen Morgen
Eines jeden neuen Tages
Setze ich mich mich erschöpft 
An meine persönliche Krippe von 2020
Ganz nah hin zum Kind, 
Zur Mutter, zum Vater.
Ich bleibe dort mit meinen Sorgen
Und meine Geschenke sind
Fragen und Fragen.

Ist denn ein Retter in einer dreckigen Krippe
Wirklich die Hoffnung der Welt.

In diesem Jahr haben wir viel verloren,
Es war nicht wie geplant
Was werden die Gedanken eines jeden sein,
Wenn sich dieses Jahr verabschiedet.
Wen lassen wir zurück
Was gewannen wir neu?

Und wieder knie ich hier an der Krippe
Und wünsche mir Licht in der Finsternis
In meinen Gedanken,
In meinen Träumen,
In den Träumen der anderen.

Ich wünsche mir Licht in der Finsternis
In Krankenhäusern und Altenheimen
In Familien,
An Sterbebetten.
Am Boden der Existenz von vielen,

Ich wünsche mir Licht in der Finsternis
Bei erschöpften Politikern,
Bei Künstlern ohne Perspektive
Bei heimatlosen Flüchtlingen, 
Die wir dann einfach mal nicht mehr auf dem Schirm haben –
Sorry wir haben nicht Platz für noch mehr Katastrophen.

Ich wünsche mir Licht In der Finsternis
Bei denen die Fehler machten,
Bei denen die Schuld hatten 
Bei denen die Macht hatten.

Ich knie an der Krippe 
Und mein Gebet geht auch raus
Für die Menschen,
Die ich nicht versteh,
Die albern sind, 
Gefährlich und in meinen Augen so dumm.
Komisch, aber für alle kam der Retter der Erde.

Und so knie ich hier,
Weil ich einfach mal nicht mehr kämpfen kann,
Weil ich mich daran klammere,
Dass Gott sie noch hat die Kontrolle der Welt.

Und so leg ich mein Dunkel und das unserer Welt 
Ab an der Krippe
Und frag ihn leis,
„Weisst du was abgeht in deiner Welt?“

Und in mein persönliches Fragen an den,
Der Weihnachten für den perfekten Start
Einer gigantischen Rettungsaktion hielt,
Halt ich inne und sag:
„Hier DEINE Welt!“

Und während ich noch knie
kommt der Heiland und legt seine Hand auf meine Schulter,
Wie ein Freund,
Den nichts vertreiben kann.

Er nimmt mein Jahr 2020,
Er nimmt meine Sorge, den Verlust und auch den Versuch
Alles retten zu wollen.

Und in die Tränen mischt er himmlischen Trost.
Er zündet persönlich ein neues Licht der Hoffnung an,
Ervertreibt meine Eile,
Mein Kümmern und Sorgen.

Er  sagt mir ganz sanft und bestimmt:
JA, es ist MEINE Welt!
Vertrau mir!

Ausschnitt aus dem Online Weihnachtskalender der Gemeinde „Treffpunkt Hoffnung“ in Wermelskirchen.
Das Video dazu findet ihr hier https://youtu.be/B1W34I3qN2U

Mal wieder an der Krippe sitzen

Advent als Vorbereitung auf die Ankunft von Jesus in dieser Welt, erschien mir dieses Jahr eher wie ein zu schnell fahrender Zug, der mich an allen besinnlichen Vorweihnachtsmomenten vorbei jagte.
Ich wollte alles gut machen, Dinge in den Griff bekommen, gute Beziehungen pflegen, auf mich acht geben und mir Zeit nehmen. Und das am besten alles noch VOR Weihnachten. Denn dafür ist der Advent doch da. Zum langsam werden und inne halten. Staunen über das Licht, das in die Welt kommt, um diese Welt einmal mehr zu erlösen.

Jetzt am frühen Morgen des Heiligen Abend will ich bedauern und mich beklagen über mich und meine rastlosen Gedanken. Übers nicht geschafft haben und gescheitert sein an meinen doch so hohen Erwartungen.

Und doch setz ich mich stattdessen kurz zur Krippe und blicke in die Augen des Jesuskind. Da ist keine Verurteilung und kein Tadel, kein „hättest du doch“ und „ warum kannst du nicht anders sein“.

Auch wenn meine nie ruhen wollenden Gedanken das einfach nicht kapieren wollen, geht es an Weihnachten doch um einen Gott, der als kleines Kind in diese Welt kam. So schutzlos und so winzig. Und das war sein Plan – es gab keinen Plan B!
Fast schon lächerlich wirkt dies für einen Gott, der doch eine ganze Welt geschaffen hat. Und was tut er hier? Er schickt ein Baby, ein Kind das lernen muss, das abhängig ist von Fürsorge. Und doch hat dieses Kind die Welt so sehr aus den Angeln gehoben, dass ich gerettet bin für immer. Das macht doch keinen Sinn!!

…. Und Gott hatte einen Plan und sein Plan war gut!

In jedem Moment – auch dann, als es nicht danach aussah. Als jeder Plan sinnvoller erschien, als eine stinkige Geburt in einem abgeranzten Stall. Er hätte alles anders machen können. Königlicher, würdevoller. Schneller und perfekter! Hat er aber nicht. Er nutzt das menschliche, das unvollkommene, das lernende, das was wir einfach nicht verstehen können. Und das passte in seinen Plan. Nein- das WAR sein Plan 🤷‍♀️!

Und das macht mir Mut, an dieser Geschichte dran zu bleiben, auch wenn es definitiv nicht in mein Denken passt:

Gott ist nicht abhängig von meinen perfekten Vorbereitungen oder all den umgesetzten guten Vorsätzen. Er ist da als Vater, als Friedefürst und Retter. Er kommt klar mit meinen Zweifeln und meinen Nöten, mit verworrenen Zeitplänen und verbockten Beziehungen. Er hat offene Arme und sagt: Nimm Platz an meiner Krippe, sei Teil einer komischen Geschichte, die so keinen Sinn zu haben scheint. Er feiert mit mir Advent und Weihnachten in den Momenten, in denen ich mich am wenigsten würdig dafür empfinde. Denn er ist Gott, der diese Welt erschaffen hat. Er ist fähig mich zu retten. Trotz meiner Geschichte und meinen Rückschlägen. Er packt rein in meine einzigartig schräge Welt.

Bevor ich heute schlafen gehe, denke ich an Gott, wie er sich aufmachte, Menschen wie mich zu retten, aufzubauen und neu zu befähigen. An seiner Hand kann ich Dinge besser machen und Advent jeden Tag meines Lebens neu versuchen zu feiern. Ohne zu hoch gesetzte Ziele und überstrapazierten Perfektionismus- einfach als Kind an der Hand seines Vaters, stolpernd und kläglich und doch geliebt für immer!
Wenn ich dies mehr und mehr begreifen könnte, vielleicht würde ich dann öfter an der Krippe sitzen. Mit dankbarem Herzen. Dankbar, dass er mich gemeint hat, als er sagte:

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren… (Lukas 2,10)



Advent, ich hätte dich fast verpasst…

Es war am letzten Dienstag

Wir fahren morgens durchs Wohngebiet Richtung Kindergarten und unser Sohn Jim ruft: „Mama, guck mal! 
Die haben ganz viele bunte Lichter im Fenster. Blink, Blink!!“
Mein Sohn springt vor Begeisterung fast aus dem Auto und mein Mann meint nur: “ Das ist wohl…. Geschmacksache!“ – Wollte ich auch gerade sagen.
Wir fahren weiter und mehr und mehr geschmückte und blinkende Weihnachtsbäume und Lichterketten säumen unseren Weg….

„Ich versteh das nicht,“ mische ich mich in die Begeisterung meines Sohnes ein. “ Diese ganzen geschmückten und leuchtenden Weihnachtsbäume und Girlanden – das geht dieses Jahr viel zu früh los. Es gibt doch die Regel, dass man erst NACH Totensonntag die Lichter anzünden soll. Selbst der Weihnachtsbaum in der Stadt brennt bereits.“
Mein Mann guckt mich irritiert an: “ Angie, Totensonntag war letztes Wochenende.“
Ich lasse mich definitiv und grundsätzlich nicht von Tatsachen verunsichern – und meine nur: „Quatsch, Schatz! Totensonntag ist jetzt am Wochenende!“
„Nein,“ erwidert er tatsächlich völlig überzeugt: „Am kommenden Sonntag ist der erste Advent!
Fast wäre ich vor Schreck in den nächsten blinkenden Schneemann gefahren.
„Ernsthaft?!“ Das kann nicht sein: Ich hätte fast den ersten Advent verpasst – in der absoluten Überzeugung, dass noch kein Advent sein kann…

Aber der Advent findet statt- auch dann, wenn ich noch völlig andere Dinge im Kopf habe und es noch nicht reinpasst in meinen Plan.
Der Advent – Jesus kündigt sich an- immer wieder.  Eine christliche Tradition, abendländlich, vertraut, familiär.
Das Weihnachtsfest kommt und es lässt sich nicht aufhalten, auch wenn es gerade nicht in mein Lebenskonzept passt. Auch dann nicht, wenn ich es vor Stress und Hektik gerne ein paar Wochen oder Monate nach hinten verschieben möchte. Es findet statt, auch wenn mir vielleicht nicht danach zumute ist.
Verständlicherweise, weil es vielleicht das erste Weihnachten ohne einen geliebten Menschen ist, ein erstes Weihnachten in der Fremde, ein erstes Weihnachten allein oder mit einer Familie, die ich eigentlich schon im Alltag nicht mag.

Wir können den Advent eigentlich kaum verpassen, denn überall leuchten Lichter in den Straßen, laden unzählige Weihnachtsmärkte zum Verweilen ein.

„Advent, Advent ein Lichtlein brennt.“

Und dann kommen die Spendenbriefe, die Aufforderungen, Gutes zu tun und allen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten. Gerade denen, die es gerade nicht gut haben. Und dann wird die Zeit vor Weihnachten und das Fest manchmal auch zu einer Prügel ins Gewissen, zu einer Keule, die über unseren Köpfen kreist und uns zuraunt: Tue Gutes! Es ist Weihnachtszeit!

Ich kann verstehen, dass manche Menschen mit dem Weihnachtsfest und dem ganze „Drum Herum“ nichts mehr anfangen können und, dass „Advent“ keine freudige Erwartung auf das Christenfest wird, sonder eher ein Hetzen von einer zur nächsten Weihnachtsfeier. Und, dass wir über Geschenke oder Spendenmöglichkeiten nachdenken, obwohl vielleicht das Geld gar nicht mehr reicht oder wir schon vor den Jahresrechnungen im Januar bangen.

Und ich frage mich, brauchen wir diese Zeit eigentlich? Sollten wir nicht immer darauf bedacht sein, Gutes zu tun, zu spenden, Leute zu uns einladen und ihnen einen schönen Abend ermöglichen. Sollten wir uns das Jahr über nicht immer wieder mal beschenken, weil wir den anderen mögen? Und sind Kerzen und Lichter und nett geschmückte Wohnzimmer nicht immer eine Freude und machen das Nachhause-kommen einladender?

Advent, ich hätte dich fast verpasst.
Und ich hätte es schade gefunden, denn ich liebe diese Zeit trotz all der  Verpflichtungen und dem Stress, der sich immer mal wieder seinen Weg zu mir bahnt.
Ich liebe auch Weihnachtsmärkte, Glühwein, Geschenke unterm Baum, die leuchtenden Augen unserer Kinder, Weihnachtslieder rauf und runter, Bräuche und womöglich Schneechaos, dass man nur noch zu Fuß unterwegs sein kann.
Tatsächlich bereitet mich auch das auf Weihnachten vor.

Diese ganze Geschäftigkeit erinnert mich an Filme, in denen es um die Ankunft eines Königs geht. Es wird vorbereitet, alles hergerichtet und herrlich geschmückt. Klar geht es laut und schroff zu und manchmal weiss man auch nicht mehr, wofür das ganze. Aber die ganze „Welt“ ist auf den Beinen. Alles rennt und hastet und weiss manchmal auch nicht wohin.
Aber stellt euch vor: Der König kommt!
Wir sind mal vor einigen Jahren bewusst zur Nachmittagszeit am Heiligabend durch die Innenstadt von Wermelskirchen gegangen.
Es war ein Werktag! KEIN Mensch war unterwegs, alle Geschäfte hatten geschlossen, die Lichterketten taten was sie tun mussten und es fing leicht an zu regnen. Ich habe die Stadt noch nie so leer erlebt und es war irgendwie ziemlich beeindruckend. Ich habe kurz die Luft angehalten.
Der König war da! Für mich! In diesem Moment! Menschen waren in der Kirche oder zu Hause. Aber die Geschäftigkeit der letzten Wochen war vorbei. Advent war beendet – der Heilige Abend war in diesem Moment wirklich irgendwie heilig für mich… Das war besonders!

Ich will das ganze Jahr über bewusst und aktiv das Gute leben und hoffe, dass es mir vielleicht ab und zu auch gelingt. Ich möchte die Hand reichen, wenn keiner meine große Tat bewundert. Ich will Gastfreundschaft leben und andere Menschen willkommen heißen…
Ich möchte dann und wann eine Kerze aufstellen  – auch mitten im August, weil Nachhause-kommen immer einladend sein sollte.

Aber in dieser Adventszeit will ich es trotzdem noch einmal intensiv leben, will mich auf die Ankunft meines Königs vorbereiten, will die christliche Tradition und eine Liebe zu diesem Jesuskind an unsere Kinder weitergeben.
Und ich will gar nicht raus aus diesem Hamsterrad, will gar nicht fliehen vor dem Stress und der Hektik um mich herum. Aber ich will mir bewusst werden:
Totensonntag ist vorbei! Lasst uns das Leben feiern. Lasst uns am ersten Advent eine Kerze anzünden und uns vorbereiten auf die Ankunft des Königs.

Und vielleicht zünden wir dieses Jahr ganz bewusst jede Kerze am Adventskranz an und sagen:
„Willkommen mein König!
Ich mach vielleicht nicht alles richtig in diesem Jahr zur Weihnachtszeit –
aber du kommst. Zu mir! Danke“