Staunen

Ich muss sagen: Ich staune gerne. Mich fasziniert dieses Leben. Okay, manchmal macht es mich auch ziemlich wütend – aber meist staune ich und bin überrascht, was das in mir verändert. Ich staune über mich selber: Wer ich heute bin und wo ich heute stehe, was für Menschen ich kenne und was ich erreicht habe. Ich staune über Fähigkeiten, die ich einfach so habe, ohne je etwas dafür getan zu haben. Ich staune darüber, dass ich mich trotzdem so oft klein rede, obwohl ich manches kann was so kein anderer macht. Ich staune über die Tatsache, dass ich Menschen um mich habe, die mich nehmen wie ich bin. Über die Liebe meiner Kinder, die so. bedingungslos ist, dass sie mir irgendwie alles verzeiht. Dass ihnen meine Gegenwart in ihrer Welt der größte Schatz zu sein scheint. Ich staune, denn das rührt mich zu Tränen. 

Ich staune, wozu wir Menschen fähig sind. Manchmal wenn es nicht zum Staunen reicht, dann erschrickt es mich auch und macht mich traurig, denn wir tun so viel dummes Zeug. Aber neben dem, dass wir zerstören und klein machen und vernichten und töten, können Menschen auch wundervolle Dinge erschaffen, Mut machen, Leben erleichtern, Hoffnung schenken und Glauben neu sähen. Freunde sein und in die Arme nehmen, den eigenen Horizont erweitern durch ihre Sicht auf diese Welt. Ich staune, dass ich so viele gute Menschen kenne. Manche nur als entfernte Bekannte, die ich nur selten sehe, manche so nah und erfrischend, ehrlich und nahbar. Wow! Ich komme schon wieder ins Staunen.

Da sind Momente, wo meine Seele vom Himmel geküsst wird, Menschen die warten, ausharren und seid Jahren für mich beten. Menschen, ohne die ich nicht wäre, wer ich bin. Auch die, die ich traf und die mich und meinen Weg nicht verstanden, die ohne Glauben an mich, die welche Macht ausnutzten. Auch sie prägten meinen Weg. Auch durch sie bin ich heut, wer ich bin.

Staunen! Über Schönheit des Lebens, Natur, Musik und gesprochenes Wort, Menschen, die anhalten und warten auf mich und mein Tempo. Menschen die einfach mal sagen: Ich weiß! 

Ich glaub, wenn ich mehr staune als zu klagen, wenn ich mehr hoffe als zu verzagen, dann ist mein Leben heller auch mit den dunklen Flecken, dann sehe ich Licht auch wenn’s scheinbar nur dunkel ist. Ich staune über Kleinigkeiten und mache sie so groß in meinem Leben. Ich erschaffe die Welt um mich herum in mehr bunten Farben. Halte den Blick auf das gute gerichtet und es scheint als gäbe das Kraft auch für die traurigen Momente. Dann wenn der Himmel Dunkels verheisst, wenn Menschen enttäuschen und Freiheit so weit weg zu sein scheint. 

Ich will dran bleiben zu staunen! Dann ist das klagen nicht mehr so interessant, denn das Staunen braucht mich und meine Kraft. Dann erhebe ich den Blick und lächele über selbstverständlich schönes. Ein wenig mehr staunen- das will ich!

Out of the cave

Kennt ihr den Comedian „Chris Tall“?
Ich erinner mich gut an einen seiner Auftritte mit dem Titel „Darf er das?“. All seine Sprüche und Annekdoten waren ziemlich nah an dem was man einfach so nicht sagen sollte. Sie waren frech, arrogant und ziemlich dreist.
Immer wieder fragte er sein Publikum: Darf er das?
Darf er dieses sagen und jenes verhöhnen. Ich weiss gar nicht mehr im Detail, worüber er sprach, aber diese Frage: „Darf er das?“ Tja, das blieb bei mir hängen.

Als ich aus der kleinen persönlichen Höhle namens Pandemie- Lockdown kroch, fragte ich mich genau diese Frage in leicht abgewandter Form: Darf ich das? Dürfen wir das?

Donnerstag vergangener Woche gab es vor dem Rathaus in unserem kleinen Wermelskirchen den ersten Feierabendmarkt, der mich ein wenig an Normalität erinnerte. Es gab Livemusik, seit gefühlter Ewigkeit wieder. Menschen um mich herum, die sich unterhielten, Essen und Getränke kauften und sich gegenseitig wieder sahen. Als ich ankam und mich die ersten Bekannten ansprachen und ich mich so langsam im Smalltalk wiederfand, tanzte diese oben erwähnte Frage durch meinen Kopf: Darf sie das? Darf ich das?

Das dynamische Duo – Feierabendmarkt in Wermelskirchen https://www.das-dynamische-duo.de/news.php

Es war so unwirklich. Alle dieses Menschen um mich herum, all diese Normalität. War das jetzt ok, fragte ich mich?

Dabei war ich ja gar nicht so wahnsinnig lange von der Bildfläche verschwunden, hatte Freunde und Familie gesehen und immer alles irgendwie gemacht, was halt irgendwie ging und erlaubt war. Nicht, dass ich die Pandemie ansich in Frage stellte, nicht dass ich nicht mitbekam, was Bekannten mit diesem Kackvirus passierte. Trotz allem war mir neben der zu schützenden Gesundheit von Leib und Leben immer auch die psychische Gesundheit wichtig. Das war schon zu Beginn der Pandemie klar. Ohne Umarmung, ohne ein Miteinander, ohne Kultur, ohne Menschen – das war noch nie eine Option für mich. Und trotzdem verschwand auch ich in meiner Höhle, war irgendwie weg vom Fenster und trauerte dabei all dem nach was ich ebenfalls als relevant für mich und meine Welt empfand.
Ich war im vergangenen Jahr kreativ, also nicht an den Stellen wo ich es unbedingt sein wollte, sondern darin Leben zu führen trotz der Gefahr, Alltag für meine Kinder zu gestalten wo auch immer noch andere Menschen Platz fanden. Nur, wenn es unbedingt nötig war, nutzte ich Zoom. Ich wehre mich noch jetzt dagegen. War zwei mal fast selbst in Quarantäne und erlebte die Quarantäne meiner Tochter hautnah mit. Wir sind immer sehr verschont geblieben vom Virus – aber die Nebenwirkungen trafen auch uns meist hart. Ausfall der gesamten Projekte im Ehrenamt, Wegfall aller Einkünfte durch Veranstaltungen, immer wieder Umplanen, neu planen und am Ende absagen. Tränen und Fragen der Kinder aushalten, Facebook aushalten, andere stehen lassen können mit ihrer Meinung und ehrlich einander verstehen wollen. – Das hat geschlaucht, das hat müde gemacht.

Und dann geht alles gefühlt wieder los. Plötzlich geht die Welt wieder auf, öffnen sich die Tore und ich singe mit Anna von „Elsa, Eiskönigin“ das trotzige und fröhliche Lied „Zum ersten Mal seid Ewigkeiten wird Musik spielen in den Hallen, und zum ersten Mal seid langem, werd ich tanzen durch den Saal. Wachen öffnet nun das Tor!“

Und die Wachen öffnen die Tore und die Menschen strömen heraus und reissen mich mit. Und während ich daher taumel, raune ich den Menschen zu: Darf er das, darf ich das? In völliger Überforderung vor soviel unsicherer Freiheit. Trotz Impfung, trotz niedriger Zahlen. So schnell komme ich dann doch nicht mit.

Während draussen die Masken und Testpflicht wegfällt, trägt mein Schulkind und alle anderen in der Schule im Unterricht über ewig lange Zeit Masken und sie werden 2 x die Woche getestet. Unfassbar was an manchen Stellen geht, und an anderen Stellen halt nicht. Das muss ich aushalten und wieder zuhause vermitteln, trösten und auffangen. Nicht überall gehen die Tore für alle gleich auf. Das macht wütend – und dennoch ändert diese Wut nicht, sie lähmt nur.

An anderer Stelle erlebte ich die Woche dann wieder „offene Tore“:
Seid Monaten planten wir einen „Coronakonformen“ Junggesellinnenabschied für meine Freundin. Am Ende hatten wir auf 6 Personen reduziert und einen kleinen unspektakulären und dennoch gefühlt mehr als illegalen Abend geplant: Nur im Garten, nur mit ein paar Menschen, nur privat, nur zusammen, nur, nur, nur…..

und dann sang Anna, Schwester der Eisprinzessin wieder 🙂 und befahl den Wachen vor wenigen Wochen die Tore zu öffnen und wir planten spontan wieder um: Planwagenfahrt und gemeinsam mit 6 Haushalten essen gehen, gemeinsam unterwegs sein und abends unsere persönliche Livemusik im Garten, weil unser Freund und Musiker sich für uns in den Zug setzte um diesen Specialtag dann doch noch mal ne Ecke „besonderer“ zu machen. Wir haben es einfach gewagt. Die Beschenkten waren wir.

Elto beim Livekonzert im Garten
https://www.eventpeppers.com/de/manuel-elto

Noch die Tage vorher, wäre die Schulklasse meines Sohnes fast in Quarantäne gelandet. Langes Zittern und Zagen und die Angst, dass wir am Ende doch mal wieder gut geplantes hätten absagen müssen.
Auch dass ist Teil der Nebenwirkung von Pandemie, auch das zerrt an den Nerven, auch das macht unruhig und klaut Lebensqualität – vielleicht auch nur meine. Aber ich bin da auch recht subjektiv.

Nach diesem Wochenende bin ich müde, gefühlt könnte ich im Dauermodus schlafen. Mutig sein und Schritte wagen kostet auch immer Energie. Diese Frage: Darf sie das? zehrt noch mehr.

Und dennoch komm ich „out of the cave“, auch wenn es sich manchmal nicht gut anfühlt. Ich will glauben, dass ich das darf. Ich lebe mit dem Risiko, ich bleibe bedacht. Aber ich schau auch immer, was in diesem Leben möglich ist. Und dann beschenkt mich dieses Leben mit wunderbaren Momenten, mit Staunen und Lachen, mit „wieder-singen-dürfen“ mit Freunde treffen und endlosen Gesprächen, die der Seele gut tun.

Ich feiere das Leben, was sollte ich sonst tun? Ich will auch mutig in diese Zukunft gehen und glauben, dass ich eingebettet bin in einen großen Plan. Dass ich nicht heute fertig bin mit meiner Vorstellung vom Leben, sondern immer weiter lernen darf. Ich bin in Gemeinschaft hineingeboren, trage Verantwortung für das was ich tue. Aber ich will ausprobieren, Risiken eingehen in der Gewissheit, dass ich es auch nur bedingt in der Hand habe.

Die Höhle ist sicher aber halt auch ganz schön einsam. Und gegen das Gefühl von Lähmung und Angst, trete ich raus aus meinem Höhleneingang, blicke der Sonne entgegen und wage den Schritt. Erst einen und dann noch einen, dann renn ich, bald tanze ich. Und wenn die Welt wieder mal zumachen will, bin ich bereit noch mal in die Höhle zurückzukehren, aus Respekt und Anstand. Aber bis dahin tanze ich weit draussen.
Darf sie das? Keine Ahnung, aber ich mach es einfach! Einfach mal so. Vielleicht wird es gut!

Hier an unserm Küchentisch

Hochmotiviert sitz ich am Morgen
Homeschooling, das gönn ich mir
Ich kann lesen, ich kann schreiben
Formen, Zahlen läuft bei mir.

Stolz ertrag ich heut mein Kreuze,
Setz mich mit dem Sohne hin
Und ich hoffe und ich bete,
Dass ich heute gnädig bin.

Ganz früh hab ich mich aufgerafft,
alles schon bereit gelegt,
hab mir heute vorgenommen,
Heute, hier wird was bewegt.

Heute will ich bei ihm sitzen,
Nur mein Augenmerk auf ihn,
kein Haushalt, keine anderen Pflichten,
Nur das bisschen Homeschooling

Und dann kommt mein Kind zum Tische,
gar nicht mal so motiviert
und dazu ein Haufen Sachen,
Die uns fröhlich aufdiktiert.

Und was ich will, das will er nicht.
Kein perfektes Homeschooling,
Trotzig wird sich hier gewehrt
Hier an unserm Küchentisch

Gerade noch so motiviert,
Kommt nackte Realität mir nah.
Nach nur wenigen Minuten,
Tränen hier und Motzen da.

Und die Uhr, die Uhr läuft weiter,
hier an unserm Küchentisch
Und die Geduld, die ich erbeten,
War wohl heut nicht abkömmlich.

Ich will ja wirklich meinen Teil tun,
Meinen Teil in dieser Zeit,
Will meinen Platz ganz würdig füllen
Und bin doch nicht ganz bereit.

Nicht jeder Tag ist immer grausam,
Machmal geht es auch fast glatt,
Doch ich kann nur noch mal sagen:
Manchmal habe ich es satt.

Und während ich hier schimpfend sitze,
Abgekämpft, zu nichts bereit
Flüstert eine Kinderstimme:
Mama, du, es tut mir leid.

Und ich schau in Kinderaugen, 
Die nichts können für diese Zeit
Für unser Hadern unser Ringen
Für unseren doch unfairen Streit

Nach einem Jahr der Pandemie 
Ist es dünn mein Nervenkleid
Oft muss ich dabei erkennen,
Ich brauche mehr Gelassenheit.

Das Kinderflüstern noch im Ohr,
Kapitulation fällt nicht mehr schwer
Nimm ich mein Kind in meine Arme 
Heute geht wohl gar nichts mehr.

Manche Menschen könnens besser
Das was ich grad gar nicht kann,
Doch will ich mit mir gnädig bleiben
Und fang einfach nochmal an.

Abtauchen – Auftauchen

Sei tapfer,
Auch, wenn der Schmerz nicht zulassen will,
dass du dich noch einmal erhebst.

Halte aus und glaub daran,
Dass der Schöpfer tatsächlich wusste, was er tat.
Als er dir diese oder jene Gabe gab. 

Sei standhaft,
Auch gegen alle Wellen dieser Welt.
Sei standhaft auch dann,
Wenn jeder um dich herum scheinbar fällt.

Lass nicht zu, dass die Sorge um morgen
Dir deine Kraft fürs heute klaut.

Und wenn die Welt zu viel verlangt,
Und du lieber schreien willst – ja dann
Dann such dir deinen kleinen Himmel auf Erden,

Tauch mal kurz ab und gönn dir
ein Versteck im Kornfeld.

Halte kurz die Luft an und erkenne,
Dass die Welt sich trotzdem weiter dreht.

Neben dem, was getan werden muss,
Gibt es auch vieles, was gelebt werden muss,

Was es aushält, dass du wütend bist,
Dass nicht geht, 
Auch dann wenn du nicht mehr richtig funktionierst.

Sei trotzdem tapfer,
Nur einen kleinen Schritt braucht ´s 
Um nicht stehen zu bleiben.
Nur einmal aufstehen braucht’s
Um nicht den Tag zu verschlafen.
Nur ein Gebet braucht’s, und es wurde zugesagt,
Dass dir der Himmel offen steht.

Und vielleicht kommt im „Gehen“ der Glaube,
Daran, dass nicht vergeblich ist, was wir sind und tun.

Lass uns am Ende Geschichten erzählen,
von dem was war
als nichts mehr ging.
Wenn wir wieder zusammen stehen und die Gläser erheben.
Lass uns neben den Niederlagen auch ein paar Siege bereithalten.
Können ja auch nur ein paar kleine sein.

Lass Hoffnung irgendwie mal was reales werden,
Nicht nur eine verkappte Träumerei von heillosen Spinnern.
Lass uns den Kopf heben, 
Ein wenig waghalsig.

Denn was kann schon passieren,
Als dass die Welt vor Hoffnung explodiert.
Sie hat schon anderes geschafft.

Ich bleib noch was länger als nötig …

Wenn die Welt immer noch ziemlich schief in den Angeln hängt
und sich irgendwie nicht heilen lässt
und ich mitten drin bin – und doch gefühlt so machtlos…
dann will ich das zu meinem täglichen Gebet machen:

Gott, ich glaube aus aller Erfahrung, die ich mit dir in meinem Leben gemacht habe:
DU bist trotzdem noch da.
Mit deinem Segen und deiner Kraft.
DU hebst die Schwachen auf,
DU verbindest Wunden,
DU bist noch da.
DU wirst noch bleiben.
Ganz feste klammere ich mich daran.
So wie gestern wirst DU auch morgen bleiben.
Und wenn ich nichts spüre von deiner Macht,
dräng ich mich noch näher an dein Herz,
werfe ich alles was ich bin und habe vor deinen Thron.
Und manchmal bleibe ich einfach was länger bei dir
als die Zeit und die Pflicht es erlaubt.
Damit ich gestärkt nach vorne gehen kann.
Oder wenigstens den Blick wieder hebe. Gott, erfülle mein Herz mit himmlischer Hoffnung und einer Freude, die kein Umstand nehmen kann. Nahe bei DIR lass ich los die Not diese Welt!! DIR gebe ich ab, was ich mal wieder selber tragen wollte. Gott, ich lass dich mächtig, ich lasse dich Gott in meinem Leben sein- und ich warte ab, was du tust. Ich erwarte, DASS du was tust. Ich will glauben, auch wenn ich jetzt noch nicht alles verstehe!! AMEN 🙏

Shut up and dance with me!

Das ach so soziale Netzwerk “Facebook” erinnerte die Tage an die Live-Musiktour in Wermelskirchen 2019. Ich lag schon im Bett, als mir die Erinnerung angezeigt wurde, und wollte nur schlafen. Aber das Herz konnte nicht. Stattdessen wühlten sich die Gedanken durch meinen Kopf. 
Wir könnten gerade in dieser wirren Zeit ein wenig mehr Musik und Kunst vertragen, ein gemeinsames “Wir schaffen das!”, ein leises “Wird schon wieder!” oder ein einfaches “Shout up and dance with me!”

Und doch ist gerade das, was der Seele vielleicht gut tun würde, ziemlich weit entfernt. Aber vermissen darf man, dachte ich. 
Gerne teile ich hier ein paar Gedanken dazu:

„Und so freuten wir uns auf Selbstverständliches,
Nicht wirklich Nötiges,
Nicht Lebenserhaltendes
Und doch so Willkommenes 
In unserer kleinen Welt!

Wenn das Können von Kunst 
Und das Klingen von Klängen 
und das Lachen von Freunden 
und das einfach zusammen sein wollen,
mal wieder den Atem kurz nimmt. 
Und du merkst es erst dann,
Wenn du es nicht mehr hast 
Weil vernünftiges Leben Vorsicht gebietet.
Aber halt keinen Leichtsinn…
Nur Vorsicht und Argwohn und Denken:
Was wäre denn, wenn…

Und das Verkopfte in mir klopft laut an die Tür und sagt:
Vorsicht geboten!!!
Und Leichsinn verboten!!!
Und ich Schweig. 
Denn der Kopf nickt bedächtig und andere schütteln ihn verächtlich
Vor meinem Wollen und Motzen
Vom heimlichen Dahinrotzen
all dem, was das Herz leise will.
Von Schunkeln und Taumeln
Von Küssen und Staunen 
Von der Welt, die ich liebe 
Von Gedanken, die bleiben 
Vom nicht anhalten wollen 
und nicht loslassen wollen.

Die Klänge berühren den Kopf nur von weitem,
Sie schaffen es nicht,
Mit ihm zu streiten.
Sie verklingen und verstummen an seiner Vorsicht,
Sie verkümmern und sterben
Ganz heimlich, allmählich.

Und wo wir doch so gerne Leben retten wollen in dieser Zeit,
Ich und die anderen 
Die Kleinen und Großen. 
Die, die es doch wissen 
Mit einer Armee von Wissenden im Rücken…
Die mehr wissen um Leben zu schützen 
Als ich, die ich nur die Klänge vermisse 
Und, dass Herzen aneinander reiben
Das gemeinsame bleiben 
Dass Sorgen vertreiben.

Die Klänge, die Herzen heilen 
und Menschen vereinen.
Sie sind nicht lebenserhaltend- nur lebensverändernd,
Sie sind nur kurz einmal da
Und erhellen die Welt Für alle,
Für Vorsichtige und Verkopfte,
Für Freiheitssuchende
Und Kämpfer 
Für alle, die aufgeben und die,
Die es einfach nicht sein lassen wollen 

Und die Klänge, sie klingen 
Auch wenn wir sie nicht lassen,
Sie sind bockig und rufen sich auf unsern Plan.
Sie sind auch dann da und erinnern 
An vergangene Tage
wenn grad keine Zeit ist Für Melancholie.
Die sich nicht darum battlen
Vorsicht zu bieten und vernünftig zu sein.

Wenn die Klänge wieder klingen 
Will ich stehen ganz vorne,
will schief singen und einfach albern sein.
Ich werde tanzen, umarmen 
ohne ängstlich vorahnen
und Die Welt in meinen Händen tragen.

Nächstes Jahr 
klingen gemeinsame Klänge hoffentlich wieder
Dann singt die Hoffnung allein ihre Lieder.
Und dann will ich nicht vergessen:
Klänge sind nicht nur lebenserhaltend sondern lebensverändernd.

Piano Man 2020

Hier ein kleiner Einblick in einen Herzensauftritt vom letzten Freitag den 1.08.2020 bei JUCA Beach.

Als ich im Frühling diesen Jahres einsam durch die bergischen Wälder joggte, hörte ich dieses Lied vom „Piano Man- von Billy Joel“ in der Endlosschleife und in mir reifte der Wunsch: Sollten Auftritte vor echten Menschen je wieder möglich sein, würde ich genau zu diesem Lied einen Text verfassen. Musik gepaart mit Poetry berührt mein Herz immer wieder. Und dieses Lied will seit dem nicht aus meinem Kopf.

Und dann eine Nacht vor dem Auftritt als ich nachts neben meinen schlafenden Kids lag, formten sich aus all den wirren Gedanken plötzlich Worte, die sich wenig später auf meinem Mini-Display im Handy wiederfanden.

Unser tolles Musikerduo Freaky Voices, die ich als Musiker und Menschen mehr als empfehlen kann, liessen sich aufs Experiment ein und spielten den Song an und…. ach nun seht selbst:-)

Ich liebe das Lied vom Piano Man.

Besonders weil das gerade so gar nicht in unsere Zeit passt. Es ist meine stille Rebellion, gegen ein kleines „kann- man- nicht- sehen“- Virus, dass die ganze Welt ziemlich kaputt gemacht hat und unser Leben definitiv verändert. Im Lied geht es um einen Haufen Leute, die gemeinsam in einer Bar sind. Es ist stickig, überfüllt, das Mikrofon stinkt nach Bier. Also so, wie wir es bis Mitte März 2020 kannten.
Und dann sind da die Menschen mit ihren Träumen und Sehnsüchten, verhunzten Leben und mit der Bitte, dass der Piano Man sie einfach mal kurz ein wenig vergessen lässt.

Wie wäre wohl der Text, wenn Billi Joel zu Corona Zeit hier in Deutschland leben würde und gerade in der wirren Zeit zwischen März und heute diesen Hit geschrieben hätte. Völlig durcheinander, wann was jetzt schloss, wann was wieder möglich war. Und mitten in dieser verrückten Zeit, gibt es auch immer noch diese Menschen aus dem Lied. Und vielleicht ging das Lied ja dann so:

9 Uhr abends an einem Saturday
und nur wenig Leut dürfen hin.
Mit 2 m Abstand sitzt ein Mann „neben“ mir,
die Maske hängt locker am Kinn.

Er sagt: Spiel mir ein Lied aus der alten Zeit,
vom Schunkeln und gemeinsamen Spiel
So ganz erinner ich mich nicht, denn es scheint so lang her.
Aber ich weiß noch: darum warn wir hier!

Sing us a song you’re the piano manSing us a song tonightWell we’re all in the mood for a melodyAnd you’ve got us feeling alright

Der Barkeeper John weiss nicht, ob er es packt
Und schaut so mutlos drein.
Mit diesem neuen Hygienekonzept
kriegt er auf Dauer die Miete nicht rein.
Er sagt: Hey dieses Leben das kann’s doch nicht sein,
Mein Talent voll verschenkt!
Ich glaub, ich könnte ein Filmstar sein,
Aber Hollywood scheint immer noch dicht.

Da ist Paul ein richtiger Businessman,
Normal reist er viel,
Doch seit Wochen mit den Kindern im Homeoffice,
harmonisch war das leider nie.
Die Kellnerin kommt mit Mundschutz zum Tisch
Mit Zettel und Stift
„Hier tragt erstmal die Daten ein!“
Und heute trinkt sie auch keinen mit.

Sing us a song you’re the piano manSing us a song tonightWell we’re all in the mood for a melodyAnd you’ve got us feeling alright


Es sind kaum Menschen für eine Samstagnacht
die meisten bleiben fern.
Da ist berechtigte Angst und haltlose Furcht
Und manche haben’s auch nicht gepackt.
Und das Keyboard schreit die Wut in die Nacht
Das was man nicht ändern kann.
Das Hoffen und Bangen und einmal sorglos sein wollen,
Und das leise: Wir schaffen auch das!

* gewidmet all den wundervollen Künstlern da draußen, deren Musik grad so selten live klingt. Ich vermisse es so sehr!
Danke an all die Mutigen, die unser gesellschaftliches Leben nicht ganz sterben lassen…

Advent, ich hätte dich fast verpasst…

Es war am letzten Dienstag

Wir fahren morgens durchs Wohngebiet Richtung Kindergarten und unser Sohn Jim ruft: „Mama, guck mal! 
Die haben ganz viele bunte Lichter im Fenster. Blink, Blink!!“
Mein Sohn springt vor Begeisterung fast aus dem Auto und mein Mann meint nur: “ Das ist wohl…. Geschmacksache!“ – Wollte ich auch gerade sagen.
Wir fahren weiter und mehr und mehr geschmückte und blinkende Weihnachtsbäume und Lichterketten säumen unseren Weg….

„Ich versteh das nicht,“ mische ich mich in die Begeisterung meines Sohnes ein. “ Diese ganzen geschmückten und leuchtenden Weihnachtsbäume und Girlanden – das geht dieses Jahr viel zu früh los. Es gibt doch die Regel, dass man erst NACH Totensonntag die Lichter anzünden soll. Selbst der Weihnachtsbaum in der Stadt brennt bereits.“
Mein Mann guckt mich irritiert an: “ Angie, Totensonntag war letztes Wochenende.“
Ich lasse mich definitiv und grundsätzlich nicht von Tatsachen verunsichern – und meine nur: „Quatsch, Schatz! Totensonntag ist jetzt am Wochenende!“
„Nein,“ erwidert er tatsächlich völlig überzeugt: „Am kommenden Sonntag ist der erste Advent!
Fast wäre ich vor Schreck in den nächsten blinkenden Schneemann gefahren.
„Ernsthaft?!“ Das kann nicht sein: Ich hätte fast den ersten Advent verpasst – in der absoluten Überzeugung, dass noch kein Advent sein kann…

Aber der Advent findet statt- auch dann, wenn ich noch völlig andere Dinge im Kopf habe und es noch nicht reinpasst in meinen Plan.
Der Advent – Jesus kündigt sich an- immer wieder.  Eine christliche Tradition, abendländlich, vertraut, familiär.
Das Weihnachtsfest kommt und es lässt sich nicht aufhalten, auch wenn es gerade nicht in mein Lebenskonzept passt. Auch dann nicht, wenn ich es vor Stress und Hektik gerne ein paar Wochen oder Monate nach hinten verschieben möchte. Es findet statt, auch wenn mir vielleicht nicht danach zumute ist.
Verständlicherweise, weil es vielleicht das erste Weihnachten ohne einen geliebten Menschen ist, ein erstes Weihnachten in der Fremde, ein erstes Weihnachten allein oder mit einer Familie, die ich eigentlich schon im Alltag nicht mag.

Wir können den Advent eigentlich kaum verpassen, denn überall leuchten Lichter in den Straßen, laden unzählige Weihnachtsmärkte zum Verweilen ein.

„Advent, Advent ein Lichtlein brennt.“

Und dann kommen die Spendenbriefe, die Aufforderungen, Gutes zu tun und allen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten. Gerade denen, die es gerade nicht gut haben. Und dann wird die Zeit vor Weihnachten und das Fest manchmal auch zu einer Prügel ins Gewissen, zu einer Keule, die über unseren Köpfen kreist und uns zuraunt: Tue Gutes! Es ist Weihnachtszeit!

Ich kann verstehen, dass manche Menschen mit dem Weihnachtsfest und dem ganze „Drum Herum“ nichts mehr anfangen können und, dass „Advent“ keine freudige Erwartung auf das Christenfest wird, sonder eher ein Hetzen von einer zur nächsten Weihnachtsfeier. Und, dass wir über Geschenke oder Spendenmöglichkeiten nachdenken, obwohl vielleicht das Geld gar nicht mehr reicht oder wir schon vor den Jahresrechnungen im Januar bangen.

Und ich frage mich, brauchen wir diese Zeit eigentlich? Sollten wir nicht immer darauf bedacht sein, Gutes zu tun, zu spenden, Leute zu uns einladen und ihnen einen schönen Abend ermöglichen. Sollten wir uns das Jahr über nicht immer wieder mal beschenken, weil wir den anderen mögen? Und sind Kerzen und Lichter und nett geschmückte Wohnzimmer nicht immer eine Freude und machen das Nachhause-kommen einladender?

Advent, ich hätte dich fast verpasst.
Und ich hätte es schade gefunden, denn ich liebe diese Zeit trotz all der  Verpflichtungen und dem Stress, der sich immer mal wieder seinen Weg zu mir bahnt.
Ich liebe auch Weihnachtsmärkte, Glühwein, Geschenke unterm Baum, die leuchtenden Augen unserer Kinder, Weihnachtslieder rauf und runter, Bräuche und womöglich Schneechaos, dass man nur noch zu Fuß unterwegs sein kann.
Tatsächlich bereitet mich auch das auf Weihnachten vor.

Diese ganze Geschäftigkeit erinnert mich an Filme, in denen es um die Ankunft eines Königs geht. Es wird vorbereitet, alles hergerichtet und herrlich geschmückt. Klar geht es laut und schroff zu und manchmal weiss man auch nicht mehr, wofür das ganze. Aber die ganze „Welt“ ist auf den Beinen. Alles rennt und hastet und weiss manchmal auch nicht wohin.
Aber stellt euch vor: Der König kommt!
Wir sind mal vor einigen Jahren bewusst zur Nachmittagszeit am Heiligabend durch die Innenstadt von Wermelskirchen gegangen.
Es war ein Werktag! KEIN Mensch war unterwegs, alle Geschäfte hatten geschlossen, die Lichterketten taten was sie tun mussten und es fing leicht an zu regnen. Ich habe die Stadt noch nie so leer erlebt und es war irgendwie ziemlich beeindruckend. Ich habe kurz die Luft angehalten.
Der König war da! Für mich! In diesem Moment! Menschen waren in der Kirche oder zu Hause. Aber die Geschäftigkeit der letzten Wochen war vorbei. Advent war beendet – der Heilige Abend war in diesem Moment wirklich irgendwie heilig für mich… Das war besonders!

Ich will das ganze Jahr über bewusst und aktiv das Gute leben und hoffe, dass es mir vielleicht ab und zu auch gelingt. Ich möchte die Hand reichen, wenn keiner meine große Tat bewundert. Ich will Gastfreundschaft leben und andere Menschen willkommen heißen…
Ich möchte dann und wann eine Kerze aufstellen  – auch mitten im August, weil Nachhause-kommen immer einladend sein sollte.

Aber in dieser Adventszeit will ich es trotzdem noch einmal intensiv leben, will mich auf die Ankunft meines Königs vorbereiten, will die christliche Tradition und eine Liebe zu diesem Jesuskind an unsere Kinder weitergeben.
Und ich will gar nicht raus aus diesem Hamsterrad, will gar nicht fliehen vor dem Stress und der Hektik um mich herum. Aber ich will mir bewusst werden:
Totensonntag ist vorbei! Lasst uns das Leben feiern. Lasst uns am ersten Advent eine Kerze anzünden und uns vorbereiten auf die Ankunft des Königs.

Und vielleicht zünden wir dieses Jahr ganz bewusst jede Kerze am Adventskranz an und sagen:
„Willkommen mein König!
Ich mach vielleicht nicht alles richtig in diesem Jahr zur Weihnachtszeit –
aber du kommst. Zu mir! Danke“

 

Ein wenig mehr …

Ich bin auf der Flucht, vor den Antreibern meines Alltags – noch ein bisschen mehr leisten, noch ein bisschen mehr investieren. Immer mehr – und mehr ist dann doch nicht genug.

Ich renne und werde doch immer wieder eingeholt

Und dann stehe ich ihm gegenüber – dem Meister der Antreiber, dem Mächtigsten – dem Endgegner. Und er kommt mir so unglaublich bekannt vor.

Ich bin es selbst! Welch Überraschung!

Selbst sag ich mir: Es geht noch was! Ich schaff noch, ich kann noch… und ich glaube der Lüge und buckel mich noch mal hoch. Denn was ich heute schaffe, das habe ich morgen nicht mehr auf der Agenda. Und ich diskutiere – mit meinem Ego. Erschaffe Argumente für Überforderung – auch wenn alle Alarmglocken läuten.

Stille suche ich und Lärm heisse ich willkommen.

Ich drehe mich im Kreis – weiss es eigentlich besser, und tu dann doch eher das Nötige vor dem Wichtigen. Denn das Nötige muss ja auch gemacht werden. Wenn nicht heute, dann morgen – doch das Morgen hat noch soviel auf seinem Plan.

In all diesem Kampf treffe ich immer wieder auf Menschen, die mir kostbare Wegbegleiter sind, die nicht fordern und lauern auf mich und meine Kraft. Menschen, die da sind und mit mir ein Hoch auf die Unvollkommenheit des Lebens singen. Menschen, die gut tun, die mein Herz berühren, die mich aufhalten und festhalten – und die dem Antreiber die Stirn bieten. Die mit mir lachen und die Sorge Sorge sein lassen. Kunst, die mich berührt, Worte, die tragen, Beständigkeit und Annahme. Ein gemeinsamer Kaffee, eine Zeit des Nichtstun im Dschungel des „ich müsste noch“. Ein Kuss vom Himmel, eine altbekannte und tragende Melodie.

Ich möchte mir mehr Freund sein und annehmen, dass dieses Leben ein Leben im Augenblick ist. Das geniessen was da ist, weil man nie weiss wie lange. Eine Gelassenheit entwickeln, die mich meine Sorgen an den Schöpfer dieser Welt abgeben lässt – ohne dass ich es mir im nächsten Moment heimlich wiederhole. Barmherziger will ich sein mit mir, meiner Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Tragen lernen, wo ich tragen soll und loslassen wo es an der Zeit ist.
Weise will ich werden, jeden Tag ein Stückchen mehr. Alte Fehler nicht immer wieder machen und aufstehen, wenn ich schon zu lang am Boden hänge. Mich freuen am Glücklichsein und da kämpfen wo es tatsächlich meine Verantwortung ist. Ein wenig mehr Lachen über mich und dieses merkwürdige Leben. Ein wenig mehr Freude, ein wenig mehr ….. Leben!