Dankbar sein…

Wer dankbar ist, sieht selbst in kleinen Pfützen
Das große Meer der Möglichkeit,
Und erkennt in kleinen liebevollen Gesten,
Ein Königreich der Liebe.

Wer dankbar ist, macht aus grau in grau
Einen bunten Regenbogen.
Und erfasst die Größe dieser Welt
In kleinen scheinbar unsichtbaren Schritten.

Wer dankbar ist,
Hebt seinen Blick und macht Platz für Gnade 
Und hebt sich selbst damit empor
Heraus aus irdischem Verzagen.

Komm mit mir auf Reisen

Heute hab ich ein Gedicht wiedergefunden, dass ich letzten Sommer auf dem Weg zu einer Weiterbildung in der Bahn nach Köln geschrieben habe. Ich habe diese Zugfahrten geliebt. Musik auf den Ohren, fahren und Menschen beobachten. Zugfahren fasziniert mich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich hier auf dem Dorf so gar nicht Zug fahre. 

Damals im Sommer nutzte ich das, obwohl ich Mitfahrgelegenheiten hatte…

Corona war schon in aller Munde und die Welt um mich herum machte langsam zu. Doch ich wollte mir das Zugfahren nicht nehmen lassen…Ich fühlte mich in diesen Momenten so frei und genoss das Gefühl, auch wenn alle den Kopf darüber schüttelten. 

Jetzt gerade würde ich gerne im Zug sitzen und dieses Gedicht als einen Kurzfilm aufnehmen.. Es würde alles passen. Nur passt es gerade nicht! Ich fahre jetzt gerade keinen Zug. Ich bin sowieso nicht mehr weit unterwegs. Und das ist auch ok für mich, es ist gerade jetzt besser und vernünftiger. 

Und dennoch wäre ich gerade gerne auf Reisen! Ich wäre gerne mit Kamala Harris und Joe Biden an einem Tisch und würde mit ihnen auf dieses Gefühl von neuer Freiheit anstoßen, ich würde ihnen Danke sagen, dass sie Amerika in meinen Augen wieder etwas schöner machen. Die letzten Jahre hatte ich keine Lust auf Amerika und jetzt spüre ich wieder Aufschwung und Freude. Auch wenn das System fehlerhaft ist – und auch diese beiden Menschen Fehler machen werden:Es schmeckt wieder mehr nach Hoffnung und nach Mut. Ich liebe es einfach so viel mehr, wenn Menschen für Hoffnung und Zusammenhalt aufstehen. Auch wenn sie nicht alles kitten werden…

  Ich würde gerne zu Angela Merkel reisen und ihr die Maske vom Angesicht nehmen (nur kurz, versprochen) und sagen: Danke! Auch wenn mich so viel, was du entschieden hast, so unendlich wütend gemacht hast. Du wolltest das beste! Ich glaub schon! Ich weiß ja nicht was ich gemacht hätte… auch wenn auch hier das System krankt und Menschen Fehler machen. Ich glaube einfach, dass Hoffnung und Mut gemeinsam ihren Weg finden. 

Ich wäre gerne bei den Kindern in den Flüchtlingscamps, ich würde mit ihnen Ball spielen und ihnen Deutsch beibringen. Besonders die Wörter, die lustig klingen, und dann würden wir ganz viel lachen. Ich würde Hoffnung und Mut mitbringen und sie am Ende am liebsten alle einpacken und mitnehmen. Weil Kinder Hoffnung und Sicherheit brauchen und ich das Privileg habe, das hier in Deutschland zu haben.
Was ein Privileg in dieser Zeit!

Ich würde reisen um zu sehen was gerade mit dieser Welt passiert, ich würde anklopfen an verschlossenen Türen und mir die Geschichten erzählen lassen, die wir nicht mitkriegen. Ich würde die Einsamen da draußen in den Arm nehmen…

Ich wäre so gerne unterwegs.

Ich will so gerne mehr sehen! 

Ich bin so gespannt auf diese Welt! Ich könnte platzen vor Vorfreude auf das, was da noch kommt. Irgendwie komisch, gerade jetzt. Aber ohne Träume gäbs kein Morgen.

Ich werde das Gute, das Schöne und das Weite wieder sehen. 

Gerade jetzt macht alles zu und ich sitze auf gepackten Koffern. 

Mein Sohn sagte letztens: „Corona wird nie weggehen.“

Und ich hab ihn angeschaut und gesagt: Doch, das wird es. Es dauert noch was. Aber es wird irgendwann weggehen. Und bis dahin machen wir unsere Reise hier vor Ort. 

Wir reden mehr mit Menschen, die Hoffnung in sich tragen als mit denen die düstere Prophezeiungen schultern und können dann die trösten, die keinen Mut mehr haben. Wir machen Pläne für Urlaube und spinnen herum, was wir alles machen, wenn der Sommer kommt. Wir essen Schokolade bis uns schlecht wird, weil Zuckerschock manchmal ein Stück Seele heilt. Wir lernen die Kontinente in unserem selbst erbauten Klassenzimmer und erzählen uns, wo wir als nächstes hin reisen wollen. 

Wir tanzen und springen, damit wir fit bleiben für alles, das was vor uns liegt. 

Der Tag wird wieder kommen an dem wir wieder Menschen in den Arm nehmen und verschwitzt in einer riesen Menge tanzen! Wir werden lachen über verrücktes.

Wir schnappen uns die besten Klamotten und essen in den besten Clubs. 

Du siehst das alles nicht? Ich schon! Und ich zeig es dir! 

Dann fahren wir gemeinsam Zug und ich erzähl dir von dem Gedicht, dass ich dann hoffentlich mal zu Ende geschrieben habe! 

Wir gehen auf Reisen! Glaub mir!

Tschüss Corona

Corona hat mein Herz eng gemacht,
Erst hat es mich erschüttert und mir die Kontrolle entzogen,
Mich zurück geworfen,
Mich geängstigt und mich verurteilt für meine Arglosigkeit
Für meine Sehnsucht nach Nähe und Normalität,
Es kratzte an meinem Glauben
An Gott, an den ich eigentlich nichts kratzen lasse.
Corona du kleiner mieser Verräter, der du alles hier aus den Fugen gebracht hast.
Ich hab versucht dich weg zu weinen, dich klein zu beten oder dich zu ignorieren.
Nichts hat geklappt von meinen verzweifelten Versuchen.
Jetzt nehme ich dir die Macht,
Ich will nicht mehr mit dir sprechen, ich hasse dich auch nicht mehr.
Ich leg dich anseite.
Trotzig blicke ich an diesem Karfreitag schon auf Ostern,
Heb meinen Blick auf den, der schon damals den Tod besiegte,
Nur noch ein wenig bis Ostersonntag,
Nur noch ein wenig warten
Und auf das sehen, was schön ist, Probleme angehen, die auch ohne Corona da sind.
Meinen Beitrag leisten, Abstand halten irgendwie, so wie es geht, nebenher. So als wäre das halt jetzt ein weiterer Part meines Lebens- aber nicht der, auf den ich mich konzentriere.
Ich entscheide noch selber wohin ich gucke und worauf ich mich konzentriere. Das was ich durchdenke, das hält mich fest. Und ich will Weite statt Enge, Hoffnung statt Furcht!
Tschüss Corona, ein letzter bitterer Gruß an dich!
Das Leben ist mehr als du!

Unvergleichlich

Es ist dieser Morgen, an dem mich der Wecker mit verzweifelten Weckrufen in den Tag locken will. Ich ignoriere ihn gekonnt und erwache eine Stunde später, weniger erholt, dafür total zerknittert und verspätet in den Tag.

Ich quäle mich ins Bad, die Kinder rennen herum. Irgendwie bekommen sie gerade all die Energie ab, die ich in diesem Moment am nötigsten hätte. Eine schnelle Dusche und dann der Blick in den Spiegel. Was ich sehe gefällt mir nicht, muss aufgehübscht und unter Schminke begraben werden. Ich schau mich an. Nur kurz und mit der Gewissheit, dass ich heute nicht mehr richtig viel retten kann.  Dafür bleibt einfach nicht genug Zeit und ein FaceLifting ist ebenfalls keine Option für den Moment.

Neben mir springt meine Tochter durchs Bad und versucht mich mit ihrer guten Laune anzustecken. Aber es gelingt ihr leider nicht wirklich.

Als ich genauer hinschaue sehe ich, dass meine vierjährige Tochter bereits komplett angezogen ist. Heute hat sie sich ihr Elsakostüm gewählt mit ihren berühmten Lackschüchen – genannt „die Spitzenschuhe“. Noch ungewaschen und mit zerzaustem Haar ruft sie mir zu: „Mama, ich bin eine Prinzessin.“ Sie bewegt sich in tanzendem Schritt vor dem Spiegel hin und her. „Guck mal. Schön oder?“
Ich denke nur, dass wir nicht genug Zeit haben werden, sie davon zu überzeugen dass Prinzessinnen im Kindergarten keine Ballkleider tragen und dass es sinnvoller wäre, sie würde sich eine Jeans anziehen und zusehen, dass sie Zähne putzt und sich die Haare kämmen lässt. Kurz rechne ich mir aus, wieviel Zeit ich einsparen könnte, wenn ich auf Zähneputzen und Haarekämmen verzichte. Aber der Hang zur Perfektion lehnt dies leider ab. Da dieser Tag mich wohl nicht zur Mutter des Jahres küren wird, entscheide ich mich für ein wenig Gelassenheit. Ich versuche es wenigstens…

Meine kleine Tochter ist so unbekümmert und es interessiert sie rein gar nicht, dass sie heute nicht dem entspricht was ich und scheinbar der Rest der Welt von ihr erwartet. Sie tanzt einfach weiter.

Und ich muss zugeben, ich finde sie wunderschön! Auch ungewaschen und mit wildem Haar. Selbst wenn ihr gewähltes Outfit nicht zur Jahreszeit oder zum Tagesprogramm passt. Ich liebe es, sie so unbeschwert zu erleben und wünsche mir, dass sie sich das nie klauen lässt. Dass sie nicht irgendwann da steht und alles in Frage stellt was sie ist und was sie ausmacht. 

Während die Tochter tanzt, geht mein Blick zurück zum Spiegel. Ich sehe Falten und Flecken, – alles was sich so auf mir niedergelassen hat in den Jahren. Ich spüre, dass ich mir selber so wenig zusage: Prinzessin, wie schön du bist! Dass ich mich frage wann ich denn zugelassen habe, mir das klauen zu lassen. Und dann ist da ja nicht nur das Äußere was mich zweifeln lässt. Es sind auch die inneren Kanten und Unzulänglichkeiten, die mich in Frage stellen lassen, dass ich geliebtes Kind und Tochter des Höchsten bin. Und dann glaube ich den Menschen, die mich in Frage stellen. Allen voran mir selber, denn ich bin mein größter Kritiker. Und dann lasse ich zu, dass die Welt meinen Wert bestimmt.

Ich wünsche mir, dass ich meine Tochter bewahren könnte vor diesen Zweifeln. Dass sie glaubt, was wahr ist, nämlich, dass sie einzigartig und königlich ist, geschaffen von Gott, der in allem den perfekten Plan hat und dass sie es schafft, sich geborgen in Gott zu fühlen egal wie sehr sie vielleicht nicht reinpasst in die Welt, und dass irgendwann ein Gesicht, das älter wird viel zu erzählen hat. 

Und so lasse ich sie noch ein wenig weiter tanzen und rufe ihr zu. „Du bist echt toll“
So wie mein Gott es mir immer wieder sagt, durch sein Wort und durch Begegnungen mit  Menschen im Alltag, die mich bestärken und wertschätzen. 


So oft aber glaube ich es nicht, verstecke mich vor mir selber, traue mir zu wenig zu, vergebe mir selten und stelle Komplimente an mich und meine Person, meine Begabungen und Grenzen immer wieder in Frage. Und so sieht dann der Alltag aus. Ich erlaube Menschen über meine Grenzen zu trampeln weil ich meinen Wert nicht kenne. Bin nicht selbstbewusst, weil ich mir meiner Einzigartigkeit nicht bewusst bin. Will mehr gefallen als einfach zu leben. Will mehr geben, weil ich nicht weiß ob ich es wert bin etwas zu bekommen Verpasse den Segen, weil ich nicht weiss ob ich ihn wert bin.  Und dann ist meine Welt nicht unbekümmert wie die meiner Tochter, mehr gehetzt und wenig königlich. Dabei haben wir den selben Gott, der die selben Worte zu uns sagt.

An diesem Morgen, der mich ein wenig zu doll in den Alttag zu schubsen droht kommt mir plötzlich ein Satz der Bibel in den Sinn „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, dann werdet ihr das Reich Gottes nicht haben“
Und so nehme ich mir an diesem Morgen ein Beispiel an einer kleinen Elsakönigin, die definitiv zu spät kommen wird und später Gummistiefel zu der Perfektion ihres Outfits wählt. Und dabei wird sie sich einfach wunderbar fühlen, weil sie noch nicht verloren hat, was uns manchmal so fehlt. Die Gewissheit, dass wir unvergleichlich und wunderschön sind.